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Ostholstein Pilz befällt Bräutigamseiche
Lokales Ostholstein Pilz befällt Bräutigamseiche
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17:35 14.08.2014
Von Orly Röhlk
Die Krone der Bräutigamseiche wurde gekürzt und ihr damit ein wenig von ihrer Last genommen. Förster Peter Hundrieser begutachtete das Ergebnis. Foto Röhlk Quelle: og
Eutin

Nicht wenige Beziehungen und sogar Ehen hat der Baum gestiftet, denn im Stamm befindet sich ein Astloch, über das Menschen Gelegenheit haben, Korrespondenz auszutauschen. Die Eiche verfügt über eine eigene Postanschrift, ist dadurch weltberühmt, und Tausende von Besuchern pilgern alljährlich in den Wald, um die Legende zu bestaunen und einen Blick in den natürlichen Briefkasten zu werfen. Daher ist es für den Eigentümer, die Landesforsten, besonders wichtig, für die Sicherheit zu sorgen.

 Vor diesem Hintergrund war das Gehölz vor wenigen Wochen von einer Hamburger Fachfirma untersucht worden. Die Mitarbeiter setzten einen Schalltomographen ein, um zu gucken, wie der Stamm von innen aussieht. „Wir haben nur die Möglichkeit, den Stamm mit einem Gummihammer abzuklopfen, was wissenschaftlich nicht fundiert ist“, erklärte Förster Peter Hundrieser bei einer Besichtigung gemeinsam mit Forstwirtschaftsstudent Jan-Michel Schmeling. Der 22-Jährige aus Celle absolviert gerade ein fünfwöchiges Praktikum und lernte auf diese Weise nicht nur die Baumlegende kennen, sondern auch viel Wissenswertes über die hiesige Landschaft und ihre Gehölze. Der Tomograph förderte laut Hundrieser zutage, dass der untere Stamm neben gesundem Holz im Inneren ebenso Faulstellen aufweist wie die Stämmlinge. „Der gesamte Baum ist von einem Pilz befallen, dem Schwefelporling, der das Gehölz irgendwann zersetzt.“ Es sei zu spät, den Pilz zu bekämpfen, weil der zu weit fortgeschritten sei.

 Aufgrund der Empfehlung der Fachleute wurde daraufhin die Krone gekürzt, um dem Baum die Last zu nehmen, und Äste wurden gekappt, damit sich die Angriffsfläche verringert und die alte Eiche bei Sturm weniger anfällig ist. Außerdem ließ man Seile erneuern, die seit mehr als 20 Jahren die Krone zusammenhalten. Sie verhindern, dass der Baum ausein-anderbricht. Er gehe nicht davon aus, dass der Baum komplett auseinanderfallen könnte, so Hundrieser, zumal er relativ geschützt stehe: „Die Eiche hat ein gutes Kronendach, Kahlfraß durch Schadinsekten wie den Frostspanner gab es in diesem Jahr nicht.“

 Auch der Zaun rundherum sei erneuert worden, damit Besucher nicht zu dicht herantreten, den Boden verdichten und dem Gewächs die Luft zum Atmen nehmen. Die Kosten schätzt Hundrieser auf einige Tausend Euro. Mit der Maßnahme sei die Sorge mangelnder Sicherheit genommen. Da die Krone nur gestutzt wurde, bliebe das Erscheinungsbild erhalten.

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