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Ein Dorf und zwei Verbrechen

Wulfsdorf Ein Dorf und zwei Verbrechen

Das ostholsteinische Wulfsdorf ist bundesweit in den Schlagzeilen – aus traurigem Anlass. Gleich zwei schreckliche Kriminalfälle erschüttern das kleine Dorf, das bisher immer stolz war auf seinen Zusammenhalt. Unsere Zeitung hat sich in dem kleinen Örtchen mit nur rund 200 Einwohnern umgesehen.

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Rein äußerlich läuft in Wulfsdorf alles seinen gewohnten Gang. Doch die Bewohner sind nach den zwei Verbrechen im Ort fassungs- bis sprachlos.

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Wulfsdorf. Die Feuerwehr ist das Zentrum des Dorfes, seit es den alten Gasthof nicht mehr gibt. Da werden Spiele-Abende angeboten, auch Laternenumzüge und Radtouren werden veranstaltet, Dorfschaftsfest und Grünkohlessen sind feste Programmpunkte im Jahresverlauf. „Durch die Feuerwehr entsteht ein gemeinschaftlicher Punkt“, sagt Karl-Heinz Hildebrandt, seit 32 Jahren Dorfvorsteher. Jetzt weht die Flagge neben dem Feuerwehrgerätehaus auf halbmast. Zu sehen ist niemand.

Ausgerechnet einer der 21 Kameraden sitzt in Untersuchungshaft – wegen des Verdachts des Totschlags. Die Polizei hatte vergangene Woche die Leiche seiner seit Ende Dezember vermissten 41 Jahre alten Frau gefunden, vergraben in einem Blumenbeet auf dem eigenen Grundstück. Doch damit nicht genug. Wenige Tage zuvor war bekannt geworden, dass ein weiterer Mann aus Wulfsdorf bereits seit Oktober in Haft sitzt. Er steht im Verdacht, zu einem Pädophilen-Ring zu gehören, der einen neunjährigen Jungen missbrauchen, misshandeln, möglicherweise sogar töten wollte. Auf Facebook wurde Wulfsdorf schnell als „mörderischstes Dorf an der Ostsee“ tituliert.

„Das trifft mich schon“, bekennt Gabriele Drillich-Beth. Die 54-Jährige wohnt schräg gegenüber von dem Haus, bei dem die Leiche gefunden worden war. Tagelang hatten Kamera-Teams den Ort belagert, Schaulustige waren suchend und staunend durch das Dorf gefahren. Autos mit fremden Kennzeichen fallen bei 210 Einwohnern sofort ins Auge. Es sei „furchtbar“, dass das Dorf derart in die Schlagzeilen geraten sei. „Wir können doch nichts dafür.“

Von einem „Schock für das ganze Dorf“, spricht Pastor Jörg Rasmussen aus dem benachbarten Gleschendorf. Und auch noch gleich zwei Verbrechen, das sei schon schwer. Das war dann auch bei einem Gottesdienst in der Gleschendorfer Feldsteinkirche am Wochenende noch einmal Thema.

Von Julia Paulat

Von KN

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