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Plön 4000 Plöner gibt’s gar nicht
Lokales Plön 4000 Plöner gibt’s gar nicht
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19:59 31.05.2013
Von Hans-Jürgen Schekahn
Die in der Statistik bislang als Plöner Bürger auftauchenden Lehrgangsteilnehmer der Marineunteroffizierschule Plön verlassen zwar nicht die Kaserne - wohl aber das Einwohnermeldeamt. Quelle: dsn
Plön

„Ich war erstmal sprachlos“, sagte gestern Bürgermeister Jens Paustian. Um acht Uhr morgens durften er und der Kämmerer per Spezialcode die Zahlen des Statistikamtes Nord schon online abrufen, bevor um 11 Uhr die Presse informiert wurde. Das Ergebnis war schockierend. Der Mikrozensus lässt die Bevölkerung um 4148 Personen oder 32 Prozent schmelzen. Ein Rekord für den Mikrozensus in Schleswig-Holstein. Eine Größenordnung, die sich niemand in Plön bislang vorstellen konnte. Selbst Pessimisten rechneten nicht damit, dass die Zahl von 9500 unterschritten wird.

Warum führte die Statistik mehr Einwohner auf, als tatsächlich in der Stadt leben? Die Ursache reicht zurück in die Jahre nach der Wiedervereinigung. Die Soldaten, die länger als drei Monate in der früheren Pionier-Kaserne und in der Marineunteroffizierschule in Plön dienten, mussten ihren Hauptwohnsitz in der Stadt anmelden. Bedingt durch den Aufbau der Verwaltungen im Osten klappte es aber nicht immer mit dem Abmelden der Soldaten, die häufig nur wenige Monate in der Stadt zur Fortbildung waren. Plöns Bevölkerung wuchs daher vor allem in den Jahren 1990 und 1991 kräftig – aber nur auf dem Papier. Versuche der Bürgermeister, die Statistik wieder zu bereinigen, scheiterten. Nur ein Mikrozensus könne das ändern, hieß es vom Land. Ein Umstand, den die Kommunalpolitiker am Großen Plöner See allerdings nicht ungerne sahen. Die Stadt kam im Laufe der Jahre in den Genuss von Steuerzuweisungen in Millionenhöhe, die ihr eigentlich nicht zugestanden hätten. Das Land berechnet die Schlüsselzuweisungen bislang streng nach offizieller Einwohnerzahl, egal, ob die stimmt oder nicht.

Das neuerliche Zahlenwerk schlug nun ein wie eine Bombe. Die finanziellen Folgen bekommt auch der Kreis Plön zu spüren. Seine „Hauptstadt“ führt 2014 voraussichtlich eine Million Euro weniger an Kreisumlage ab. Für Plön kommt es noch dicker. Paustian gab gestern eine weitere Hiobsbotschaft bekannt: 2013 nimmt die Stadt 500000 Euro weniger an Gewerbesteuern ein. Alle Plöner schauen nun hilfesuchend auf das Land. Das Innenministerium arbeitet derzeit daran, den kommunalen Finanzausgleich zu ändern. Danach soll die Grundlage für die Steuerzuweisungen eine andere werden. Es zählt zukünftig wohl mehr, welche Aufgaben eine Kommune zu erledigen hat, als die Einwohnerzahl. Das Gesetz soll möglichst schon 2015 in Kraft treten. Wenn es nicht kommen sollte, kreist über dem Großen Plöner See nicht nur der Seeadler, sondern bald auch der Pleitegeier.

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