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Plön Notizen aus der Zeit des Umbruchs
Lokales Plön Notizen aus der Zeit des Umbruchs
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19:00 23.10.2018
Von Silke Rönnau
Erich Klimm blättert durch die alten Protokolle in Sütterlinschrift. Quelle: Silke Rönnau
Preetz

Erich Klimm, der mit einem Arbeitskreis die kleine Ausstellung im Heimatmuseum koordiniert, präsentiert die alten Protokollhefte, die den Zweiten Weltkrieg unter Dielen versteckt überstanden. Daraus sowie aus anderen Unterlagen habe man gezielt einige Seiten kopiert, um die Zustände damals zu verdeutlichen, berichtet er.

Matrosen halten Bahnhof besetzt

Am 7. November schreibt die Preetzer Zeitung, dass eine Abteilung von rund 20 Matrosen in Preetz eingetroffen ist, die den Bahnhof und andere Stellen besetzt halten. Die Patrouille soll für Ruhe und Ordnung in der Stadt sorgen und den Durchmarsch von Deserteuren verhindern. Zwei Tage später wird eine Anordnung des Arbeiter- und Soldatenrates an die Preetzer Einwohnerschaft veröffentlicht. Danach ist der Aufenthalt in den Straßen von Mitternacht bis 4 Uhr morgens verboten und aus Angst vor Diebstählen die Nähe der Kartoffelmieten zu meiden.

Arbeiterrat beschließt Acht-Stunden-Tag

Die Geschäftsräume des Arbeiter- und Soldatenrats befinden sich in der Kriegsküche in der Kirchenstraße. „Schon in seiner ersten Sitzung beschließt der Arbeiterrat den Achtstundentag bei gleichem Lohn“, erklärt Klimm. Ein großes Problem ist neben dem Mangel an Brennstoffen die Versorgung der Bevölkerung.

Werkhaus hilft den Armen

„Für die Ärmsten der Armen gab es das Werkhaus, eine Art Obdachlosenasyl“, erzählt Stadtführerin Anne Kathrin Kalb. Dass die Versorgung dort nicht die beste war, wird in der „Kriegs-Chronik – Meldungen aus der Stadt Preetz 1914-1919“ von Stadtarchivar Peter Pauselius deutlich: „Die Bewohner hatten 48 Mark Kost- und Wohngeld pro Woche zu entrichten. Dafür gab es täglich fünf Scheiben Brot, davon drei mit Butter und zwei mit Käse oder Marmelade. Frauen und Kinder erhielten lediglich drei Schnitten Brot. Mittags bestand Anspruch auf Kohl oder Rüben mit Kartoffeln. Kinder erhielten zusätzlich einen Viertelliter Milch und abends eine Mehlsuppe.“ 

Gewerkschaftsführer und SPD-Ortsvereinsvorsitzender Joseph Tischbein spielt in dieser Zeit eine besondere Rolle: Er wird Beigeordneter von Bürgermeister Friedrich Krug, Vorsitzender des Arbeiterrats sowie Mitglied in verschiedenen Kommissionen und hält Reden über die politische Lage.

Neues Stadtparlament gewählt

Am 2. März wird in Preetz ein neues Stadtparlament gewählt. Von den 24 Vertretern gehören 13 den bürgerlichen Parteien und elf der SPD an. Kurz darauf gibt es den letzten Eintrag im Protokollheft des Arbeiterrates – wann genau er sich aufgelöst hat, ist jedoch nicht bekannt.

Wer aus dieser Zeit noch Fotos hat, kann sich bei Erich Klimm unter Tel. 04342/2118 oder per E-Mail an ewklimm@aol.com melden.

Ausstellung im Heimatmuseum Preetz zum Arbeiter- und Soldatenrat 1918/19
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