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Plön Ascheberger ist Herr über 500 Kettensägen
Lokales Plön Ascheberger ist Herr über 500 Kettensägen
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09:57 15.10.2012
Von Dirk Schneider
Jan Matthiesen präsentiert ein besonderes Einzelstück aus der DDR: Ein Tüftler baute aus dem Motor eines Simson Mopeds eine Kettensäge. Quelle: dsn
Ascheberg

„Um den Überblick zu behalten, habe ich mein Lager bereits vor einigen Jahren zu einem kleinen Ausstellungsraum umgebaut“, erinnert sich Matthiesen an die Anfänge seiner Sammlung. Mittlerweile stehen auf dem Dachboden etwa 330 Kettensägen in Reih’ und Glied geordnet sowie nach Ländern und Herstellern sortiert.

 „Meine ältesten Maschinen kommen über Skandinavien aus Kanada“, erzählt Matthiesen. Die Norweger importierten 1946 verschiedene Kettensägen der Marken Hornet, IEL und PM, um die eigene Forstwirtschaft zu modernisieren. „Die kanadischen Waldarbeiter nutzten diese Maschinen sehr intensiv und galten als Spezialisten. Auf diesen praktischen Erfahrungen wollte man vermutlich aufbauen, obwohl in Deutschland mit Dolmar und Stihl die beiden ältesten Hersteller moderner Kettensägen beheimatet waren“, so Matthiesen. Die Pioniere der Motorsägen füllen natürlich auch einige Regalmeter. Doch unmittelbar nach dem Krieg und der deutschen Besetzung habe es wahrscheinlich einige Vorbehalte gegeben, deutsche Produkte und entsprechendes Fachwissen einzukaufen.

 Und so setzten Norwegen und Schweden zunächst auf nordamerikanisches Know-how. „Dabei war diese Technik mitunter wenig ausgereift“, schmunzelt Matthiesen und zeigt eine „Right Saw“. „Dieser motorbetriebene Fuchsschwanz muss trotz des Antriebs auch per Muskelkraft bewegt werden, da der normale Pendelhub nicht ausreicht, um die Sägespäne aus der Schnittfläche herauszubefördern.“ Auch schwere Geräte wie eine zweizylindrige „Mercury“ oder Einhandmaschinen mit einem 1,60 Meter langen Schwert konnten sich mangels vernünftiger Einsatzmöglichkeiten auf dem Markt und vor allem im Wald nicht durchsetzen. Im Großen und Ganzen hätten die Hersteller aber sehr schnell voneinander gelernt.

 So muss der Besucher in der McCulloch-Abteilung schon ganz genau hinsehen, um die Unterschiede zwischen den quietschgelben Maschinen zu erkennen. Gleiches gilt für die Husqvarna-Ausstellung – nur eben in Orangerot. Diese Ecke des schwedischen Herstellers, der seit 1959 Kettensägen herstellt, liegt Matthiesen besonders am Herzen. „Mein Ziel ist es, hier irgendwann einmal alle Modelle zu haben, um die technische Weiterentwicklung auch in ganz kleinen Schritten zeigen zu können.“

 Zu den Schmuckstücken zählt Matthiesen aber auch einige Multifunktionsgeräte aus Norwegen wie eine JoBu, deren Benzinmotor nicht nur eine Schneidkette, sondern auch eine Schiffsschraube rotieren lässt. „Man kann das Schwert gegen ein Gestänge mit einem Propeller tauschen und bekommt dadurch einen echten Außenbordmotor. Das war in den küstennahen Wäldern bestimmt ganz praktisch“, so Matthiesen. Ähnliche Umrüstsätze gebe es auch für Sensen, Freischneider und Baumrindenschäler oder sogar Erd- und Eisbohrer. „So ist der Firmenname BeBo die Abkürzung von Bergbohrgerät.“ Ein echtes Unikat stammt aus der DDR. „Ein Tüftler und Bastler hat aus einem Simson-Mopedmotor, ein paar Wasserrohren und einer Führungsschiene eine durchaus brauchbare Kettensäge zusammengeschraubt und -geschweißt“, so Matthiesen.

 Die meisten Fundstücke ergattert der Sammler bei seinen Urlaubsfahrten nach Schweden. „Ich nehme immer so zehn bis zwölf Maschinen, die ich doppelt habe, mit und komme meist mit der doppelten Anzahl zurück.“

 Seine erste Maschine hat Matthiesen 1984 in seiner Lehrzeit gekauft. „Das war eine gebrauchte Dolmar, die damals schon 35 Jahre alt war“, so Matthiesen. Und trotz der großen Sammlung sei das gute alte Stück auch heute noch oft seine erste Wahl.

 Motorsägenmuseum Lisch, 24326 Ascheberg. Öffnungszeiten und Führungen sonntags nach telefonischer Vereinbarung unter Tel. 04526/1533.

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