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Plön Ein letztes Mal Rixdorfer Maifest
Lokales Plön Ein letztes Mal Rixdorfer Maifest
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18:33 01.05.2014
Von Dirk Schneider
 Die Bühne mit dem gestreifen Sonnensegel vor dem Reetdachhaus bildete zum letzten Mal das Zentrum der Rixdorfer Maifeier. Quelle: Dirk Schneider
Lebrade

Drei Dudelsackspieler intonieren die Hymne „Scotland, the Brave“, der Chor singt „Tapferes Rixdorf“. Zu den schottischen Klängen und dem deutschen Text trägt ein Dutzend Männer den Rixdorfer Maibaum in die Vorstadt. Ohne technische Hilfsmittel stemmen sie den weißen Pfahl in Höhe, versenken den Fuß in einem vorbereiteten Loch. Erde wird hineingeschaufelt und verdichtet. Auf den Knien hockend schlägt Paul Schmidt Keile in das Fundament, bis die Konstruktion gerade steht und nichts mehr wackelt. Nach zehn Minuten ist der Maibaum zum letzten Mal gerichtet. Der Anfang vom Ende ist gemacht.

Die kleine Ansprache fällt Paul Schmidt, der das Rixdorfer Maifest vor 30 Jahren mitbegründete, sichtlich schwer. „Jetzt geht’s ans Eingemachte“, sagt er mit Tränen in  den Augen. Für einen kleinen Moment überwiegt die Trauer. Über 300 Besucher, die das Maibaumrichten um 9.30 Uhr beobachten, schweigen andächtig. Nach wenigen Sekunden löst Schmidt die Anspannung wieder auf. „Lasst uns noch einmal richtig feiern“, ruft er der Menge zu und eröffnet das Maifest mit einem zünftigen Schluck und lautem „Prost“. Christoph Peters, ebenfalls ein Mitbegründer, nutzt die Gunst der frühen Stunde, um mit den Musikern, die sich spontan den Dudelsackspielern angeschlossen haben, ein erstes Konzert auf der noch grünen Wiese zu geben.

Binnen weniger Stunden füllt sich der Raum vor den reetgedeckten Arbeiterhäusern des Gutshofes. Nicht nur auf den Bänken vor der Bühne mit dem markanten rotweiß gestreiften Sonnensegel, sondern auf der ganzen Anlage tummeln sich tausende Besucher. Überall erklingt Musik. An allen Ecken stehen und sitzen Musiker, die sich einspielen. Oft entsteht daraus ein kleines spontanes Platzkonzert, das Schaulustige anzieht. Die Stilrichtungen gehen dabei kreuz und quer durcheinander. Den Kern bildet traditionelle Folkmusik, aber auch mittelalterliche Bänkelsänger oder moderner Synthetikpop finden ihren Raum. Allerdings steht ohne Verstärker und Elektronik. So nutzt die Weidezaunband einen alten Trecker – einen Eicher-Einzylinder mit 16 PS – als Rhythmusgerät, als sie „das Modell“ von Kraftwerk interpretiert.

Mit dem Aufstellen des Maibaums war das Ende besiegelt: Nach 30 Jahren soll es kein weiteres Maifest mehr in Rixdorf geben.

Es ist diese ungezwungene und ausgelassene Stimmung, die das Rixdorfer Maifest zu einem Anziehungspunkt für Besucher und Musiker aus ganz Norddeutschland gemacht hat. „Doch nach 30 Jahren ist es einfach an der Zeit, über etwas Neues nachzudenken“, erläutert Christoph Peters. Denn was so locker und leicht aussehe, erfordere hinter den Kulissen eine sehr aufwändige Organisation und mache sehr viel Arbeit. „Wir wissen nicht, ob und wie lange wir dieses Fest in dieser Form noch organisieren können.“ Und habe man schweren Herzens den Beschluss gefasst, dieses Stück Dorfgeschichte ausklingen zu lassen. „In Rixdorf ist aber weiterhin Musike“, betonte Peters. So plane die Dorfgemeinschaft künftig in der Festscheune des Gutes etwa Konzerte pro Jahr zu veranstalten. „Das ist organisatorisch etwas einfacher und bestimmt eine gute Alternative“, blickt er optimistisch in die Zukunft.  

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