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Plön Große Betroffenheit in Schönberg
Lokales Plön Große Betroffenheit in Schönberg
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15:33 04.01.2019
Auch Hunde unterstützen die Spurensuche. An Silvester wurde eine Frau in Schönberg durch Schüsse verletzt. Sie brach blutend zusammen und starb nach einer Not-OP im Krankenhaus. Quelle: Frank Peter
Schönberg

Schockierende Wende in den Ermittlungen nach dem Tod einer 39-Jährigen aus Schönberg (Kreis Plön): Die Mutter von drei kleinen Kindern (eine Tochter im Alter von sieben Jahren und einjährige Zwillinge) ist den Erkenntnissen der Kieler Rechtsmedizin zufolge offenbar durch Schussverletzungen, nicht an Verletzungen durch illegales Feuerwerk gestorben. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Kiel am Donnerstag, ehe in Schönberg die intensive Spurensicherung weiterging.

Die bei der Obduktion gefundenen Metallsplitter weisen darauf hin, dass es sich um ein zerberstendes Projektil gehandelt haben könnte. Ob bei der Spurensicherung in Schönberg eine Patronenhülse oder ähnliches auftauchen könnte, vermochte Polizeisprecher Matthias Felsch allerdings noch nicht zu sagen: „Hier wurde nach Silvester natürlich vorbildlich gefegt“, sagte Felsch. „Noch ist es die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.“

3D-Scanner erzeugt virtuelles Abbild des Tatorts

Zum Einsatz kam daher auch Spezialtechnik: Ermittler des Landeskriminalamtes Hamburg setzten in der Goethestraße in Schönberg einen 3D-Scanner ein, um ein virtuelles Abbild des möglichen Tatortes zu erzeugen. Das könne anschließend helfen, um mögliche Distanzen und Schussrichtungen zu errechnen, erläuterte Felsch. Am Nachmittag stießen weitere Beamte der Einsatz-Hundertschaft hinzu. Sie durchsuchten mit Metall-Detektoren ebenso wie Spürhunde die Gegend nach Rückständen.

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Auf ein Motiv für eine gezielte Tat kurz nach Mitternacht deutete zunächst nichts hin. „Wir sind noch in den Anfängen unserer Ermittlungen“, sagte Felsch. „Die Personen im Umfeld werden befragt und wir versuchen daraus unsere Rückschlüsse zu ziehen.“ Oberstaatsanwältin Birgit Heß verdeutlichte: „Der Zeugenaufruf ist uns sehr wichtig. Es gibt bisher noch keine sachdienlichen Hinweise.“

Spendenaktion für Familie in Schönberg

Der Tod der dreifachen Mutter, die in Schönberg in der Silvesternacht ums Leben kam, bewegt die Menschen überall in Schleswig-Holstein. Und viele wollen helfen. Daher sammelt der Verein „KN hilft“ in Abstimmung mit der Gemeinde Schönberg ab sofort Geldspenden für die betroffene Familie.„Wir begrüßen diese Initiative, denn das Bedürfnis zu helfen ist sehr groß. Das KN-Konto ist eine gute Möglichkeit, die Familie in dieser tragischen Situation zu unterstützen“, sagt Schönbergs Bürgermeister Peter A. Kokocinski. Das Konto bei der Fördesparkasse lautet: KN hilft, Stichwort „Schönberg/Familie“, DE05 2105 0170 1400 2620 00. Auf Wunsch wird eine Spendenbescheinigung ausgestellt, dafür wird die Angabe der Adresse benötigt.

Schönberg nach Todesfall an Silvester unter Schock

Die Bewohner in der 6000-Einwohner-Gemeinde Schönberg sind geschockt, betonte auch Bürgermeister Peter Kokocinski. Doch auf ihre Mithilfe kommt es an: Dass jemand mit irgendeiner Waffe um sich geschossen haben dürfte, könnte nicht unbemerkt geblieben sein – gerade in einem Wohngebiet.

Auch Anwohnerin Antje Brüderlein ist von den Geschehnissen in der Silvesternacht entsetzt. „Schlimm ist das“, sagt sie. „Wie im Tatort. Wer macht so etwas?“. Die 68-Jährige hatte Silvester mit ihrer fünfjährigen Enkeltochter verbracht. „Deswegen war ich schon um acht im Bett. Mein Mann war länger auf und hat mir am Morgen vom Krankenwagen vor der Haustür berichtet. Das war natürlich ein Schock. Man kann das gar nicht glauben.“

Mulmiges Gefühl in der Nachbarschaft

Von ähnlichen Erlebnissen berichtet auch Bettina Mainz. „Mein Mann und ich haben in Kiel das Feuerwerk angeguckt“, sagt die Anwohnerin. „Gegen zehn vor eins sind wir dann wieder hier gewesen und haben den Rettungswagen gesehen.“ Zuerst habe sie an eine Kleinigkeit gedacht. An einen Schock wegen des lauten Feuerwerks zum Beispiel. Später habe sich dann ein mulmiges Gefühl in der Nachbarschaft breit gemacht. „Der Vorfall zeigt, dass man sich von nichts mehr freisprechen kann“, so die 52-Jährige weiter. Für die Familie wünscht sich Mainz eine schnelle Aufklärung.

Hier sehen Sie Bilder von den Ermittlungen in Schönberg.

Die wünscht sich auch Peter Kokocinski, Bürgermeister von Schönberg. „Es herrscht große Betroffenheit im Ort und der Vorfall ist natürlich auch bei den Mitarbeitern im Rathaus ein Gesprächsthema“, so der SPD-Politiker. „Man fragt sich: Wie konnte das passieren? Dass da eine junge Familie auseinandergerissen wurde, ist besonders tragisch. Jeder kann sich vorstellen, wie es ist, seine Mutter oder seine Frau zu verlieren.“ Jetzt gehe es vor allem darum, der Familie Raum zu geben, um mit der Tragödie umzugehen.

Die Kieler Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei suchen Zeugen des Vorfalls. Wer Silvester zwischen Mitternacht und etwa 0.30 Uhr in Schönberg im Bereich von Goethestraße, Herderstraße und Probsteier Allee jemanden beobachtet hat, der mit Waffen hantierte, solle sich mit der Kripo in Kiel unter Tel. 0431/160 3333 in Verbindung setzen.

Von Sebastian Ernst und Niklas Wieczorek

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