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Plön Eine Goldgrube für Daten-Projekt des LKA
Lokales Plön Eine Goldgrube für Daten-Projekt des LKA
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07:00 29.08.2018
Von Merle Schaack
Auf der Suche nach Informationen zu Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg: Mark Wernicke (v. li.) vom Kampfmittelräumdienst und Software-Spezialist Marten Thiele arbeiten an einer Datenbank. Die Archivarin des Amtes Schrevenborn, Brigitte Hatke-Beck, fand in Heikendorfer Unterlagen eine Liste mit großem Wert für das Vorhaben. Quelle: Merle Schaack
Mönkeberg/Heikendorf

Hintergrund: Wer in Schleswig-Holstein bauen will, muss zuvor den Kampfmittelräumdienst klären lassen, ob das betreffende Grundstück frei von Bomben, Granaten und sonstiger Munition ist.

Derzeit wertet der Kampfmittelräumdienst also auf Antrag Luftbilder aus, die die Alliierten vor, während und nach den Bombenabwürfen machten. Zeigen sich darauf Verdachtspunkte, werden diese vor Ort genauer untersucht.

Viele Informationen fehlen

Vor allem in bebauten Gebieten sind dabei oft Bohrungen von bis zu sechs Meter Tiefe nötig. Doch nicht immer werden die Experten fündig, wo sie etwas vermuten. Denn viele Informationen über bereits beseitigte Blindgänger fehlen bislang, sind im Kriegsgeschehen abhanden gekommen oder nie angefertigt worden.

Vermehrt will der Kampfmittelräumdienst deshalb weitere Quellen in seine Arbeit einbeziehen. Um diese nutzbar zu machen, baut er im Rahmen eines Fünf-Jahres-Projektes gemeinsam mit der Kieler Software-Firma Egeos eine komplexes digitales Informationssystem auf. Über 25.0000 Seiten mit historischen Daten wie Beladungslisten, Pilotenberichten, Meldungen der so genannten Luftschutzpolizei und Datenblätter zu bereits beseitigter Munition hat das Team rund um Projektleiter Marten Thiele bereits digitalisiert.

Sondierungsbohrungen vermeiden

„Wenn wir fertig sind, wollen wir damit ein Werkzeug haben, das uns ermöglicht, eine Fläche schneller zu betrachten und gleichzeitig so präzise wie irgendwie möglich zu sein. Im besten Fall müssen wir die Stellen nicht mehr vor Ort überprüfen und können so Schäden durch Sondierungsbohrungen vermeiden“, sagt Wernicke, der auf Seiten des Kampfmittelräumdienstes für das Projekt verantwortlich ist.

Schrevenborner Amtsarchiv als Goldgrube

Die Experten vermuten, dass in so manchem Gemeindearchiv sowie in Privatbesitz noch wichtige Informationen schlummern könnten. In Mönkeberg machte Amtsarchivarin Brigitte Hatke-Beck einen Fund, der laut Wernicke „Gold wert“ ist.

Zufällig stieß sie in Heikendorfer Akten auf Listen mit genau den Informationen, die für das Projekt besonders wertvoll sind. Darin sind in altdeutscher Schrift Angaben wie Datum des Abwurfes, Ortsteil, Grundstück samt Eigentümer, Tag der Beseitigung – oder „kein Blindgänger“ sowie weitere Informationen vermerkt.

„Solche Listen sind eine echte Besonderheit und großes Glück für uns“, sagt Wernicke, der auch auf Aufnahmen hofft, die Privatpersonen von beschädigten Häusern und vom Boden aus gemacht haben. „Die Alliierten haben ihre Aufnahme oft einen Tag später gemacht. Da waren viele Schäden schon wieder repariert“, sagt er.

Private Aufnahmen sind gefragt

Um zu lokalisieren, wo nun noch Blindgänger liegen könnten, seien deshalb Aufnahmen jeglicher Kriegsschäden interessant für das Projekt.

Wer über Aufnahmen oder Informationen verfügt, die für das digitale Informationssystem von Interesse sein könnten, kann sich per Mail (kampfmittelraeumdienst@mbz.landsh.de) an die Projektverantwortlichen wenden.

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