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Plön Trauer um Snatch: Kreis Plön prüft Fall
Lokales Plön Trauer um Snatch: Kreis Plön prüft Fall
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00:17 08.07.2013
Von Bastian Modrow
Der Tod von Doggen-Mischling Snatch aus Boksee beschäftigt jetzt die Behörden. Quelle: hfr

Die Erschießung des elf Monate alten Doggen-Mischlings Snatch in der 500-Seelen-Gemeinde Boksee zieht immer weitere Kreise: „Unsere Jagdbehörde hat den Bericht der Polizeistation angefordert, da wir den Sachverhalt auch von unserer Seite aufklären müssen und wollen. Zusätzlich bleibt für uns der Ausgang eines möglichen Strafverfahrens abzuwarten“, sagt Björn Demmin, Sprecher des Kreises Plön.

 Am Sonntag vor zwei Wochen kam es abends gegen halb neun zu dem folgenschweren Zwischenfall. Ein 36-jähriger Jäger aus dem Dorf erschoss den jungen Hund. „Weil das Tier gewildert hat – und das nicht zum ersten Mal“, sagt Jochen Rix, seit mehr als 30 Jahren Revierpächter in Boksee. Der jetzt in der öffentlichen Kritik stehende Mann habe einen sogenannten Jagderlaubnisschein, ebenfalls in dem Revier auf die Pirsch gehen zu dürfen. Rix spricht von einer „Hexenjagd“ auf den jungen Jäger. „Der Hund hat in zumindest zwei weiteren auch bei der Polizei angezeigten Fällen gewildert – einmal einen Hasen gerissen“, berichtet Rix. Als der Hund geschossen worden sei, habe er ein Stück Rehwild gehetzt. Entgegen der Aussage der Halterin von Snatch sei das Tier nicht 30, sondern mindestens 1000 bis 1400 Meter vom Grundstück der Familie entfernt gewesen. Rix und sein Jagdkollege wollen jetzt rechtliche Schritte prüfen.

 Carmen Ritchie weist die Anschuldigungen der Jäger zurück. „Wenn unser Hund mehrfach gewildert haben soll, warum hat der Jäger uns niemals darauf angesprochen – oder hat sich im Dorf umgesehen, wem der Hund gehört? So groß ist Boksee wahrhaftig nicht“, fragt die 35-Jährige. Überdies sei ihr Vater noch am Nachmittag des verhängnisvollen Sonntags beim Gassigehen mit Snatch im Ort auf den Jäger getroffen.

 Lutz Johannsen, Tierarzt aus Schwentinental, spricht von einer „Schutzbehauptung“ des Jägers, dass der junge Hund gewildert habe. Der Veterinär hatte den Kadaver untersucht und den Besitzern geraten, das Tier im Landeslabor in Neumünster forensisch untersuchen zu lassen. Die Sektion soll am Dienstag kommender Woche stattfinden. „Ich habe zwei Einschusslöcher diagnostiziert – im Bauchraum und einen aufgesetzten, tödlichen Schuss an der Brust des Tieres“, sagt Johannsen. Der Tierarzt spricht von einem „sinnlosen Töten eines Wirbeltieres“.

 Grundsätzlich ist laut Paragraph 21 des Landesjagdgesetzes der Abschuss von wildernden Hunden zulässig, sobald sich dieser aus dem „Einflussbereich“ des Halters befindet. Anders als bei Katzen, für die ein Toleranzkreis von 300 Metern gilt, gibt es für Hunde keine Mindestdistanzen. In jedem Fall wird von Jägern aber die Prüfung der Verhältnismäßigkeit des Abschusses verlangt.

 Unterdessen erheben weitere Anwohner von Boksee Anschuldigungen, beklagen das „spurlose Verschwinden“ von ihren Haustieren – Hunden und Katzen. Nachdem in den vergangenen Tagen auch Boulevardzeitungen und mehrere Fernsehsender über den Fall berichtet haben, entlädt sich im Internet die Wut auf den Jäger. In der Gemeinde Boksee und im benachbarten Honigsee kursiert eine Unterschriften-Liste, auf der Unterzeichner fordern, dem 36-Jährigen den Jagdschein zu entziehen.

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