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Plön Das rote Goldrubinglas erfand ein Plöner
Lokales Plön Das rote Goldrubinglas erfand ein Plöner
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06:11 07.10.2018
Von Anja Rüstmann
Julia Meyer zeigt ein Goldrubin-Fäschchen, das Ende des 17. Jahrhunderts hergestellt wurde. Johann Kunckel hatte gerade ein Verfahren entwickelt, durch den Zusatz von Gold leuchtend rotes Glas zu schmelzen. Quelle: Anja Rüstmann
Plön

Die kleine Rippenflasche leuchtet rubinrot, Fuß und Drehverschluss sind gülden. Julia Meyer hält sie vorsichtig zwischen ihren weiß-behandschuhten Fingern. Ende des 17. Jahrhunderts wurde das hübsche Stück in der Glashütte Potsdam hergestellt. Vorsichtig öffnet die Leiterin des Plöner Kreismuseums den Verschluss. „Riecht nach nichts. Noch nicht einmal muffig“, sagt sie. Für Parfüm ist die Flasche mit ihren rund 20 Zentimetern zu groß. Vielleicht war sie mal mit feinem Öl befüllt? Das ist nicht überliefert. Wohl aber, wer der Erfinder dieses roten Glases war: Johann Kunckel.

Seine Wurzeln hat der bedeutende Alchimist in Plön. Er entwickelte ein Verfahren, wie man leuchtend rotes Glas herstellt. Nämlich durch den Zusatz von Gold. Und diese Goldrubin-Flasche gehört zur norddeutschen Glassammlung im Kreismuseum.

Sie ist eines von Julia Meyers Lieblingsstücken. Kein Wunder – bei der Geschichte. Denn schließlich stammt es aus der Schmelze eines Plöners. Eines richtig berühmten Glasmachers, der im Kreis Plön geboren wurde, vermutlich in Ascheberg. Dort betrieb sein Vater eine seiner Glashütten, das Geburtsjahr muss irgendwann zwischen 1637 und 1652 liegen. Kunckel bezeichnete sich selber als „Ploena Holsatus“ – wobei die Herkunftsangabe Ploena die Stadt Plön oder das Kirchspiel Plön meint. Seine Familie hatte sich hier dem Glasmachen verschrieben.

Kunckel ließ sich zum Apotheker ausbilden. Er reiste viel, arbeitete als Kammerdiener und Chymicus des Herzogs Franz Carl von Sachsen-Lauenburg, wollte sich als Apotheker in Eckernförde niederlassen (was aber scheiterte), widmete sich der Glasmacherkunst und wurde 1668 von Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen an dessen Hof nach Dresden geholt, wo er als „Geheimer Kammerdiener“ und Direktor des Dresdner Laboratoriums arbeitete – um Gold herzustellen. Die Experimente waren allerdings erfolglos.

1678 war es, als er an den Hof des großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg eingeladen und zum Geheimen Kammerdiener bestellt wurde. Er übernahm eine Glashütte in Potsdam und experimentierte weiter. Schließlich entdeckte er, wie ein leuchtend rotes Glas geschmolzen werden kann. Das Geheimnis lag an der Zugabe von Gold und Zinn – aufgelöst in Salpeter- und Salzsäure.

Der Plöner Jung’ bekam vom Kurfürsten die Pfaueninsel in Berlin geschenkt, auf der er 1686 bis 1688 sein Glaslaboratorium aufbaute. Johann Kunckel ließ dann seine neu entwickelte Glassorte von den hervorragendsten Künstlern arbeiten. Auch im roten Tee-Koppchen (Schälchen) mit Untertasse, die neben der Goldrubinflasche in der Vitrine im Kreismuseum stehen, ist ein besonderer Schliff zu sehen. Auf der Untertasse prangt der Löwenstern. „Das ist aus seiner Zeit in Schweden“, berichtet Julia Meyer. Denn 1693 zog es ihn dorthin, er wurde in den Adelsstand erhoben und erhielt den Beinamen von Löwenstern. Am 20. März 1703 ist Johann Kunckel gestorben.

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