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Wie Preetz zum gefährlichen Ort wurde

Jugend-Gewalt Wie Preetz zum gefährlichen Ort wurde

In den vergangenen Monaten hat die Stadt Preetz landesweit negative Schlagzeilen gemacht: Weil Jugendliche immer wieder durch Beleidigungen, Bedrohungen und Körperverletzungen auffällig wurden, erklärte die Polizei die Innenstadt im Mai 2017 zum „gefährlichen Ort“. Ein Rückblick.

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Luftbild vom Marktplatz in Preetz.

Quelle: Ulf Dahl

Preetz. Auf dieser Rechtsgrundlage konnten Beamte zur vorbeugenden Verbrechensbekämpfung Personen anhalten, Personalien feststellen sowie Personen und Sachen durchsuchen, auch ohne Anfangsverdacht einer Straftat. Als im September zunächst ein Polizist und dann im Oktober ein 19-jähriges Mädchen durch Schläge von zwei verschiedenen 16-jährigen Tätern schwer verletzt wurden, antwortete die Polizei mit massiven Kontrollen. Jeden Tag standen Streifenwagen auf dem Marktplatz. Es gab Platzverweise sowie Anzeigen unter anderem wegen Widerstands, Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, Sachbeschädigung und Körperverletzung. Bis zu 30 Beamte waren pro Nacht im Einsatz, erläuterte Polizeidirektor Frank Matthiesen damals das Vorgehen.

KN-Video aus Preetz

Bürgermeister Björn Demmin suchte das Gespräch mit den Jugendlichen. Im November beschäftigten sich die Gremien der Stadt mit den Vorfällen. Dabei beschlossen sie, die Präventionsarbeit zu verstärken und neben Streetworker Rüdiger Wiese eine zweite Stelle zu schaffen. Bewilligt wurden außerdem zwei 450-Euro-Kräfte sowie 10.000 Euro für Projekte. Das vom Streetworker betreute „Haus am Sandberg“ wurde als Treffpunkt für die Jugendgruppen angeboten, um sie vom Marktplatz wegzuholen. Eine zunächst angedachte Videoüberwachung wurde später wieder verworfen. Die Bürger reagierten unruhig, zum Teil ängstlich auf das massive Polizeiaufgebot. Ein Sicherheitstag, den die Polizei zusammen mit der Stadt organisierte, stieß allerdings bei der Bevölkerung auf wenig Resonanz. Die Polizei teilte auf Anfrage mit, bei den Jugendlichen handele es sich „größtenteils um Einheimische und nur in wenigen Fällen um Personen ausländischer Herkunft“.

Zeitnahe Gerichtsverhandlungen

Im Dezember wurden bei Hausdurchsuchungen Schreckschuss- und Softairwaffen, Schlagringe und Einhandmesser gefunden, so der Plöner Polizeirevierleiter Michael Martins in einem KN-Interview. Bei der Auswertung von Smartphones und Tablets fand man Hinweise auf weitere Straftaten. In Absprache mit Staatsanwaltschaft und Amtsgericht wurden zeitnah Gerichtsverhandlungen angesetzt. Dabei gab es in zwei Fällen Arbeitsauflagen und die Verpflichtung zur Teilnahme an Anti-Aggressions-Trainings.

Im Februar teilte Martins mit, dass sich die Lage entspannt habe: Die Zahl der Straftaten sei deutlich zurückgegangen. Im März gab es einen Runden Tisch zum Thema Prävention mit mehr als 30 Vertretern verschiedener Institutionen. Dabei wurde bekräftigt, dass sich die Situation nach vielen Gesprächen mit den Jugendlichen und Angeboten zur Deeskalation wieder beruhigt hatte. Anfang April teilte Martins schließlich mit, der „gefährliche Ort“ werde aufgehoben. Allerdings kündigte die Polizei an, die Präsenz im Innenstadtbereich aufrechtzuerhalten.

Nach den Steinwürfen sagte Martins am Mittwoch: „Was jetzt passiert ist, gab’s vorher ja gar nicht.“ Man werde daher nicht „reflexartig wieder den gefährlichen Ort einrichten“. Die Polizei werde die Lage aber genau beobachten und abwarten, wie sich die Jugendlichen verhalten.

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Ein Artikel von
Silke Rönnau
Ostholsteiner Zeitung

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