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Polizei Preetz feuerte „Signalschuss“ ab

Jugend-Gewalt Polizei Preetz feuerte „Signalschuss“ ab

In Preetz ist die Lage eskaliert: Jugendliche haben eine Polizeistation attackiert und Steine auf Beamte geworfen. Ein Polizist gab einen „Signalschuss“ ab. Der Ruf nach Konsequenzen wird laut - auch im Innenministerium.

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Jugendliche haben die Polizeistation Preetz attackiert, die sich im ehemaligen Amtsgerichtsgebäude befindet.

Quelle: Silke Rönnau

Preetz. Seit über einem Jahr flammt in Preetz die Gewalt von Jugendlichen immer wieder neu auf. Nun wurde eine neue Dimension der Gewalt erreicht: Jugendliche haben in der Nacht zum Dienstag die Polizeistation in Preetz angegriffen. Die Identität der jungen Männer ist der Polizei bekannt.

Ein Polizist, der einen flüchtenden Steinewerfer verfolgte, gab einen sogenannten Signalschuss in die Luft ab - aber nur, um seinen Kollegen seinen Standort mitzuteilen, weil sein Funkgerät defekt gewesen sei, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Kiel am Donnerstag. Dies gelte dienstrechtlich nicht als Schusswaffengebrauch.

Innenministerium fordert angemessene Strafe

Der Angriff von Jugendlichen auf die Polizeistation in Preetz und die Steinwürfe auf zwei Polizeibeamte sorgte am Donnerstag landesweit für Aufsehen. Im Innenministerium sagte Staatssekretär Torsten Geerdts  (CDU) gegenüber KN-online: „Wir sind nicht bereit, solche Ereignisse zu akzeptieren.“ Als Reaktion auf den Vorfall wurden die Streifen personell verstärkt.
 Torsten Geerds sieht in erster Linie die Eltern in der Verantwortung: „Sie haben einen Erziehungsauftrag. Der darf auch gern mal wahrgenommen werden.“ Und weiter: „Wir wissen, dass es sich um junge Menschen handelt, die wiederholt aufgefallen sind.“ Innen-Staatssekretär Torsten Geerdts will am Freitag mit den Polizeibeamten in Preetz über die Vorfälle sprechen. Die Taten der Jugendlichen seien „keine Pillepalle-Geschichten“: „Ich möchte die angemessene Strafe, die möglich ist, für so eine Situation.“ Diese solle auch für die Menschen „sichtbar“ sein, um ein klares Signal zu setzen, dass derartige Taten nicht ungesühnt bleiben.

Wohnung des Steinewerfers (17) wurde durchsucht

Das Innenministerium selbst war erst am Mittwochabend über den Angriff auf die Polizei in Preetz informiert worden. Die Polizeiführung in Kiel betont, man habe die Bevölkerung aus „ermittlungstaktischen Gründen“ nicht frühzeitiger informiert, da noch gezielte Maßnahmen am Mittwochmorgen geplant gewesen seien.

Nach Informationen von KN-online ist am Morgen die elterliche Wohnung eines 17-jährigen Steinewerfers durchsucht worden. Dabei soll Beweismaterial beschlagnahmt worden sein.

GdP verurteilt Angriff aufs Schärfste

Deutliche Worte kommen von der Gewerkschaft der Polizei (GdP):  „Wir verurteilen den Angriff auf das Schärfste. Leider zeigt sich weiter eine Verrohung der Sitten“, sagte Sven Neumann, Vorsitzender der GdP-Regionalgruppe Kiel-Plön.

Unmittelbar nach Bekanntwerden des Angriffes habe Neumann Kontakt zur Plöner Revierleitung aufgenommen und sich direkt ein Bild von den Geschehnissen verschafft. Von dort seien noch in der Nacht der Vorfälle alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen worden, um den schlimmen Angriffen konsequent zu begegnen. Gemeinsam mit der Polizei Preetz und der Staatsanwaltschaft gehe es nun um eine schnelle Aufklärung der Taten.

Preetz war 2017 ein "gefährlicher Ort"

Wegen Beleidigungen, Bedrohungen und Körperverletzungen von offensichtlich immer denselben Jugendlichen hatte die Polizei die Innenstadt von Preetz im Mai 2017 zum „gefährlichen Ort“ erklärt. Damit durfte die Polizei ohne Anfangsverdacht einer Straftat oder einer konkreten Gefahrenlage Menschen anhalten, durchsuchen und Personalien feststellen. Erst Anfang April, also nach elf Monaten, hatte die Polizei diese Einstufung aufgehoben.

Zu den Gewalttaten gehörten im September 2017 ein Angriff auf einen Polzisten und im Oktober ein Angriff auf eine 19-Jährige. Beide erlitten durch Schläge schwere Gesichtsverletzungen, wie der Polizeisprecher am Donnerstag sagte.

Bis zu 30 Beamte seien pro Nacht in Preetz um den Marktplatz im Einsatz gewesen. Im Dezember seien bei Hausdurchsuchungen Schreckschuss- und Softairwaffen, Schlagringe und Einhandmesser gefunden worden, sagte der Plöner Polizeirevierleiter Michael Martins.

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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