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Plön Entschleunigt bis zum Nordkap
Lokales Plön Entschleunigt bis zum Nordkap
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07:34 26.06.2018
Von Anja Rüstmann
Mit dem 15-PS-Deutz, Baujahr 1954, war Kai Semleit vor 25 Jahren am Nordkap. Quelle: Anja Rüstmann
Kalübbe

"Als ich Anfang 20 war, wollten alle Manta fahren. Ich wollte einen Trecker haben“, sagt Kai Semleit. Damals wohnte er noch in Nordrhein-Westfalen. Mit dem Deutz fuhr er zum Brötchenholen und machte auch schon mal Ausflüge. 1990 zog er mit seiner Frau nach Kalübbe – und natürlich dem Trecker.

Bei einer Kunsthandwerkerausstellung lernten sie ein norwegisches Paar kennen, boten ihnen ihr Gästezimmer an. Die Gegeneinladung folgte. Und am 24. Mai 1993 fuhren Barbara und Kai Semleit los – mit dem Trecker. Auf der Fähre in Kiel gab es den ersten Auflauf. „Nein, wir haben uns nicht verfahren.“

Kai Semleit wurde zur landesweiten Sensation

Es war die Entdeckung der Langsamkeit. Aber Kai Semleit hatte Zeit. Nicht jedoch seine Frau. Ihr blieben nur drei Wochen Urlaub, in der Zeit schafften sie es bis Trondheim. Als sie mit der Bahn zurückgefahren war, zog es ihn weiter. Und er wurde zur landesweiten Sensation. Der Deutsche mit dem Trecker auf dem Weg zum Nordkap.

Norweger luden ihn ein, Touristen machten Fotos von ihm, er lernte jede Menge Menschen kennen. Ihn anzuhalten, war nicht schwer. Schließlich tuckerte er maximal mit Tempo 20 durchs Land, an der Küste gen Norden. Die Berge ging es nur mit sechs oder sieben Stundenkilometern hinauf – der Deutz hat ja nur 15 PS – „und die Berge sind da echt steil“, sagt Semleit. „Ich bin überall so herzlich aufgenommen worden“, sagt er heute noch erfreut. „Ach, der Deutsche ist da“, hieß es dann – und man nahm ihn zum Fischen mit oder führte intensive Gespräche. Völkerverständigung pur.

Im Mittsommer in Norwegens Norden fuhr er oft nachts, um den Verkehr nicht so sehr zu behindern.

Am 27. Juni 1993 erreichte er das Nordkap am Nordpolarmeer. Geschafft! Um 4 Uhr morgens hievten ein paar Helfer die Findlinge zur Seite, damit er direkt neben den Globus, das Wahrzeichen, fahren konnte. Für ein Foto. „Und dann ging es heimwärts“, erzählt er. 6962 Kilometer kamen insgesamt zusammen. Viele Fotos, altes Kartenmaterial, jede Menge Zeitungsausschnitte und ein Stapel Briefe erinnern die Semleits noch heute an das Abenteuer.

Die Norwegen-Tour blieb aber einmalig. „Wenn man das wiederholt, kann man nur enttäuscht werden“, sagt Kai Semleit. Natürlich haben seine Frau und er noch öfter Freunde besucht, doch der Trecker blieb dann zu Hause in Kalübbe. Und da steht er immer noch, hat TÜV, ist angemeldet und fahrbereit, ab und zu fahren mal Nachbarn oder seine Kinder mit. „Vielleicht machen wir in diesem Sommer mal eine Tour nach Flensburg“, überlegt er...

Hier sehen Sie weitere Bilder von Kai Semleit und seiner Trecker-Tour zum Nordkap:
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