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Plön Hühnerkadaver illegal am Feldweg entsorgt
Lokales Plön Hühnerkadaver illegal am Feldweg entsorgt
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19:42 07.10.2014
Von Andrea Seliger
In der Legehennenanlage in Kühren sind knapp 80 000 Hühner untergebracht. Quelle: Seliger
Kühren

Der Vorfall fand bereits Ende August statt, wurde aber erst jetzt bekannt – über den grünen Kreistagsabgeordneten Gerd Dreßler. Der Spaziergänger selbst möchte anonym bleiben. Er hatte jedoch Anzeige bei der Polizei in Preetz erstattet. Stationsleiter Joachim Voß bestätigte, dass die Beamten am angegebenen Ort eine große Anzahl illegal entsorgter Hühnerkadaver gefunden hätten. Das Kreisveterinäramt sei daraufhin eingeschaltet worden.

 Wie Kreis-Sprecher Björn Demmin auf KN-Anfrage mitteilte, habe die Behörde ihre Ermittlungen bereits abgeschlossen und ein Bußgeldverfahren wegen Verstoßes gegen das „Tierische Nebenproduktebeseitigungsgesetz“ eingeleitet. Der Verdacht, dass es sich um Hühner aus der Kührener Legehennen-Anlage handeln könnte, habe sich bestätigt. Die Höhe des Bußgeldes stehe noch nicht fest, da das Verfahren mit Anhörung noch laufe. Einen vergleichbaren Fall habe es noch nicht gegeben. Maximal möglich seien 50 000 Euro. Laut Kreis sei die Anlage bisher noch nicht durch derartige Verstöße aufgefallen. Betreiber ist Axel Graf von Bülow. Er war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

 Die Angaben über die Anzahl der gefundenen Kadaver gehen auseinander: Der Kreisveterinär schätze die Zahl auf 200 bis 300, der Spaziergänger und die Polizei auf mehr als 500 Tiere.

 Dass in großen Legeanlagen immer wieder Tiere verenden, ist bekannt. Je nach Haltungssystem werden in Studien dazu Zahlen zwischen drei und zehn Prozent genannt. Der Stall-Neubau an der K 19 neben der Kläranlage ist auf knapp 80000 Hühner ausgelegt. Verendete Tiere müssen laut Gesetz gemeldet und über eine Tierbeseitigungsanlage entsorgt werden. Für den Kührener Betrieb ist die Firma Saria in Neumünster zuständig. Gerd Dreßler wirft deshalb die Frage auf, ob der Betreiber mit der illegalen Entsorgung die Meldepflicht umgehen wollte und ob die Anlage möglicherweise eine außergewöhnlich hohe Mortalitätsrate habe – beispielsweise aufgrund schlechter Haltungsbedingungen. Die Entsorgung von Kadavern in der Natur stelle eine Gefahr für das Grundwasser und für Wildtiere dar – durch die verabreichten Antibiotika, Krankheiten und sogenannte Leichengifte.

 Die Veterinäraufsicht des Kreises kontrolliert die Kührener Anlage nach eigenen Angaben routinemäßig zweimal jährlich im Rahmen des Salmonellen-Monitorings sowie im Rahmen der Lebendbeschau vor der Schlachtung. Dazu kämen Kontrollen bei Verdacht, wie in diesem Fall.

 Dreßler will den Vorgang auch im Umweltausschuss des Kreises zur Sprache bringen. Die Hintergründe für das Fehlverhalten müssten aufgeklärt werden. Er fordert außerdem künftig mehr unangemeldete Kontrollen durch die zuständige Behörde. In dem Zusammenhang thematisiert er auch den höheren Aufwand für eine artgerechte Tierhaltung und den Preisdruck, dem die Halter auf dem Markt ausgesetzt seien: „Letztendlich kommt es auf den Verbraucher an, ob er die höheren Kosten für Freilandhaltung tragen will.“

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