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Plön Namen von Mördern am Ehrenmal
Lokales Plön Namen von Mördern am Ehrenmal
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00:30 19.11.2014
Von Hans-Jürgen Schekahn
Marinesoldaten tragen die Kränze an das Ehrenmal in Möltenort. 150 Zuhörer verfolgten die Zeremonie, in der es neben dem Gedenken an die Kriegsopfer auch um die Frage ging, wie man mit den Namen von gefallenen Marineärzten verfährt, die im Dritten Reich für die Ermordung tausender Menschen mit Behinderung verantwortlich sind. Quelle: Schekahn
Heikendorf

Der Vorsitzende des Stiftungsrates des Ehrenmals, Rupert Bischoff, kündigte am Sonntag auf dem Festakt zum Volkstrauertag Konsequenzen an. Ein Tourist, der Ahnenforschung betrieb, hatte im August den Stein ins Rollen gebracht. Er machte die Stiftung des Ehrenmals auf die verbrecherische zivile Vergangenheit der beiden Marineärzte aufmerksam.

Dabei handelt es sich um Ernst Wilhelm Baumhard und Günther Hennecke. Beide Mediziner waren in leitender Funktion im Euthanasie-Programm der Nationalsozialisten eingebunden. Behinderte und psychisch kranke Menschen wurden dabei als „lebensunwertes Leben“ betrachtet, sterilisiert oder getötet. Als sogenannte Vergasungsärzte selektierten Baumhard und Hennecke Männer und Frauen in den Anstalten in Grafeneck (Baden-Württemberg) und Hadamar (Hessen) aus. Die Opfer wurden in einer Gaskammer mit Kohlenmonoxid getötet. In dem Zeitraum, in dem Baumhard und Hennecke in den Anstalten wirkten, traf dieses Schicksal etwa 16000 Menschen mit Behinderung. Beide Ärzte wechselten im Sommer 1941 zur der Kriegsmarine. Hennecke starb beim Untergang von U 538 im November 1943. Baumhard fand den Tod unter Wasser schon im Juni 1943.

„Diese Neuigkeit hat bei uns und dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge in den letzten Monaten für große Kopfschmerzen gesorgt“, sagte der Stiftungsvorsitzende Bischoff. In einer ersten spontanen Reaktion habe man das Herausfräsen der zwei Namen oder die Umbenennung des Ehrenmals in „Mahnmal“ erwogen. Diese beiden Menschen könne man schließlich nicht ehren.

In intensiven Gesprächen zwischen Volksbund, der Eigentümer der Anlage ist, und Stiftung fand sich eine andere Lösung: Zu den Grundsätzen der Kriegsgräberfürsorge gehört es, die Gräber und Namen solcher Toten, die im Dritten Reich Schuld auf sich geladen haben, nicht zu löschen. Man würde damit gleichzeitig Geschichte tilgen, die unbequem ist, so Bischoff. Einvernehmlich kam man zu der Erkenntnis, dass der Begriff U-Boot-Ehrenmal nicht aus dem Sprachgebrauch zu verbannen ist. Der bisherige Name soll nun aber den Zusatz bekommen „Gedenkstätte für die auf See gebliebenen deutschen U-Boot-Fahrer“. Auf dem Areal unter dem markanten Adler, der über dem Ehrenmal thront, werden zudem Informationstafeln aufgestellt, die die Vergangenheit der beiden Ärzte erklären. Inhalt und Gestaltung müssten noch im Detail besprochen werden, sagte Bischoff.

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