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Plön Ein Kinderschuh mit langer Geschichte
Lokales Plön Ein Kinderschuh mit langer Geschichte
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17:59 12.10.2018
Von Anne Gothsch
Auch der umfangreiche Fundus des Preetzer Papiertheaters mit Bühnenbildern und sonstigen Ausstattungsgegenständen hat jetzt sein Domizil im Heimatmuseum. Dort gibt es sogar einen kleinen Vorführraum, den Museumschefin Heinke Heintzen und Axel Langfeldt, Vorstandsmitglied des Heimatvereins Preetz und Umgebung, präsentieren.
Preeetz

Für Heinke Heintzen, Mitbegründerin und seit 31 Jahren Leiterin des Preetzer Heimatmuseums, ist es der kleine Kinderstiefel, der ihr besonders ans Herz gewachsen ist. Der Lederschuh mit Knopfleiste und unzähligen Flickstellen gehört längst nicht zu den ältesten Exponaten, die im Preetzer Heimatmuseum zu finden sind. Aber er ist eines der ersten Stücke, die in das 1993 eröffnete Museum einziehen durften – und ein anrührendes Unikat allemal. Zudem gilt der Schuh als kleiner Zeitzeuge für gut 100 Jahre Schuhmacherhandwerk in Preetz und gewährt auch einen Einblick in das damalige Familienleben.

„Die vielen Gebrauchsspuren und Flickstellen stammen ganz gewiss nicht von nur einem Kind. Wahrscheinlich musste das Jüngste einer großen Kinderschar die kleinen Stiefel auftragen“, sinniert Heinke Heintzen. In ihrer umfangreichen Bildersammlung hat sie ein Familienfoto aus dem Jahr 1897 gefunden, auf der eines der Mädchen einen ähnlichen Schuh trägt. Also dürfte das lederne Museumsstück gut 120 Jahre alt sein.

Noch sehr genau erinnert sich die heute 84-Jährige an die Umstände seines Fundes: „1983 hatte Horst Stampa die Abfallstelle einer großen Preetzer Töpferei des 18. Jahrhunderts im Kirchsee entdeckt. Damals war der See nach dem heißen Sommer um fast einen Meter abgesunken, so dass man im brusttiefen Wasser stehen und den schlammigen Seegrund nach Hinterlassenschaften früherer Generationen absuchen konnte“, erzählt Heintzen. Neben Stampa und dessen Sohn förderten damals auch zwei ihrer Söhne auf diese Wiese vor allem zahlreiche Keramikscherben ans Tageslicht.

„Immer wieder tauchten sie dabei mit dem einen oder anderen Fundstück aus dem Wasser auf und fragten: ‚Sollen wir das auch mitnehmen?’ Und meistens hieß es dann: ‚Ja, wir nehmen aus Dokumentationsgründen alles mit.’“ Und so kam auch der kleine Kinderstiefel nach mehr als 100 Jahren aus dem Schlamm des Seegrundes wieder ans Tageslicht. Doch die Trockenheit tat ihm nicht gut, nach und nach verlor er zunächst unbemerkt die letzten Knöpfe, das Leder wurde hart und brüchig.

Die zahlreichen Keramik-Scherben interessierten wenig später auch die promovierte Archäologin Johanna Brandt, es begannen Grabungen auf wissenschaftlicher Basis unter der Leitung des Archäologischen Landesamtes. Schließlich bildeten die Keramik-Funde, darunter viel Probsteier Keramik, die Grundlage für das Preetzer Heimatmuseum, initiiert und getragen vom 1986 gegründeten Heimatverein Preetz und Umgebung. „Und genau das rettete auch den Stiefel vor dem weiteren Verfall, denn inzwischen hatten wir gute Kontakte zum Schleswiger Landesmuseum und dort wurde er dann in der Restaurierungswerkstatt fachmännisch konserviert“, berichtet Heinke Heintzen.

Neben der Probsteier und anderer Keramik, darunter die ältesten Stücke aus dem 13./14. Jahrhundert, sind im Museum eine nahezu komplette Schuhmacher- und eine Goldschmiedewerkstatt zu sehen, außerdem Silber- und Zinngegenstände, Funde aus slawischer Zeit oder Gefäße und Grab-Beigaben von einem Preetzer Urnenfriedhof, auf dem vermutlich zwischen dem zweiten und vierten Jahrhundert wohl vor allem Frauen bestattet wurden.

Noch bis Ende November läuft die aktuelle Sonderausstellung zum Bäckerhandwerk. Darüber hinaus hat inzwischen auch das einzigartige Preetzer Papiertheater sein Domizil im Obergeschoss des Heimatmuseums gefunden und verfügt in der mittleren Etage über einen Vorführraum.

Das Heimatmuseum in der Mühlenstraße 14 ist mittwochs sowie sonnabends und sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Termine für Gruppen können unter Tel. 04342/3804 vereinbart werden.

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