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Plön Filigran, miniaturhaft, faszinierend
Lokales Plön Filigran, miniaturhaft, faszinierend
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00:16 11.09.2013
Von Jessica Bunjes
Dirk und Barbara Reimers gaben vor 25 Jahren die Initiazündung für das ,,Mekka" des Papiertheaters, das jährlich Menschen aus der ganzen Welt in die Schusterstadt zieht. Quelle: jem
Preetz

 „Bezaubernd“, urteilt er mit verträumten Lächeln in seiner Muttersprache über das Angebot aus 69 Vorstellungen von 15 Bühnen aus fünf Nationen. Um ganz im Reiz dieser speziellen Welt in all ihren Facetten aufzugehen, muss der US-Amerikaner nicht einmal unsere Sprache sprechen.

Bernard genießt „den Zauber des Bühnenbildes“, die „Authentizität der Amateur-Darsteller“ und „die Liebe“, die die rund 40 Akteure in ihre 15- bis 45-minütigen Stücke einfließen lassen, die von „Alice im Wunderland“, über „Miss Marple“ und „Varney, the Vampire“ bis hin zur „Banditenoperette aus Leidenschaft“ rangieren – und das teilweise sogar auf Englisch.

Gut 6290 Kilometer Luftlinie sind für Eric Bernard nicht zu weit, um für wenige Tage dorthin zu fliegen, wo das „beste Papiertheater-Festival der Welt“ am Wochenende lockte: nach Preetz. Der Direktor des Metropolitan Museums New York lächelt angesichts der Miniatur-Welt in dieser für ihn so miniaturhaften Schusterstadt.

„Preetz ist das Mekka des Papiertheaters“, schwärmt der Mann, der nach einer Aufführung von „Sleeping Beauty“ enthusiastisch in den Tiefen einer der vielen Kisten wühlt, die vollgestopft sind mit Figuren aus Pappmaché, Kulissen und  Bastelbogen. „Hamlet“ hat es ihm angetan.

Papiertheaterspielerin Kamilla Strauß aus Wien ist hingegen entzückt von der Aufführung „Das Lächeln der Monalisa“ des „Theatre d´Hiver“. Sie, die seit einem Jahrzehnt alle zwei Jahre in Preetz spielt und die restliche Zeit zuschaut „um sich inspirieren“ zu lassen,  lobt: „Wir selber sind sehr technisch, sprechen nicht frei, diese Inszenierung lebte von der reduzierten Darstellung.“

Gerne gehört hat das Birthe Thiel aus Saarbrücken, die die Monalisa in Szene setzte, die Figuren und  Kulissen in 100 Stunden selber bastelte, das Stück schrieb und zusammen mit Ehemann Sascha in ihrer Heimatstadt auf die Mini-Bühne brachte. „Eigentlich war ich es, die meine Eltern vor 30 Jahren in einem Kopenhagen-Urlaub zum Papiertheater brachte“, erzählt die 42-jährige Tochter vom Festival-Initiator Dirk Reimers, der das Papiertheatertreffen zusammen mit der VHS Preetz vor 25 Jahren ins Leben gerufen hat.

In den 90ern spielte die Auswanderin zusammen mit Vater und Mutter Barbara und ist dennoch bei Vorstellungen heute noch „zittrig“, wie sie lächelnd zugibt. Gesehen hat das wohl bei ihrer sensiblen Handhabung der Figürchen auf den filigranen Schienen niemand, denn unter anderem Markus Lenzen, Zauberer aus Saarbrücken, schwärmte: „Es ist spannend, so viele Ästhetiken zu erleben.“ Der Künstler erlebte das Festival zum ersten Mal und stellte fest: „Es ist überraschend anders, eine andere Welt, für die man eine gewisse Bereitschaft mitbringen muss und man muss das Kleine groß machen können im Kopf.“

Für Christian Reuter, leidenschaftlicher Papiertheater-Sammler aus Essen, Neffe des Kieler Dramaturgen Gerhard Reuter und seit Anbeginn dabei, eine Selbstverständlichkeit: „Das Papiertheater fasziniert mich seit meiner Kindheit, immer schon habe ich mich an der Dreidimensionalität ergötzt. Es ist ein kleines Wunder und hier in Preetz ist es so herrlich, weil sich die Welt des Papiertheaters trifft mit all ihren Möglichkeiten vom nostalgischen Theater bis hin zur modernen Aufführung und ihren Finessen.“ Und so wie der Mann, der in Hanau ein Papiertheater-Museum gründete, sieht es auch der von weither angereiste Eric Bernard: „Man kann mit seinen Kinderaugen im Erwachsenenalter die Welt ganz neu sehen.“

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