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Plön Das schmeckt Rollstuhlfahrern gar nicht
Lokales Plön Das schmeckt Rollstuhlfahrern gar nicht
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16:00 03.12.2018
Von Anja Rüstmann
Klaus-Dieter Braune bewertet die Situation für Rollstuhlfahrer in Plön als bescheiden. Selbst die wenigen barrierefreien Einrichtungen wie die WC-Anlage auf dem Markt bergen mit kleinen Schwellen und kompliziert schließenden Türen ihre Tücken. Quelle: Dirk Schneider
Plön

Nur wer sich auskennt, weiß, in welchem Restaurant es passt.Sarah Lepthien (29) aus Ascheberg hat Besuch bekommen. Eine Freundin aus Franken macht auf dem Rückweg aus dem Urlaub bei ihr Station. Nicht lange, aber für ein Essen im Restaurant reicht es. Und zur Toilette müsste sie auch mal. Wohin in Plön? „Das war super schwierig“, erinnert sich Sarah Lepthien. Schließlich wollte sie ihrem Gast nicht nur eine Portion Pommes oder ein Stück Kuchen aus einer Bäckerei anbieten.

In der Brasserie von Rosita Erdtmann ist schon das Pflaster des Schlossberges für Rollstuhlfahrer fast ein Grund, hier auf das Essen zu verzichten. Der Eingang selber ist jedoch barrierefrei, die meisten Tische problemlos zu erreichen. Doch die Toiletten sind im Keller.

In der Eisenpfanne (Lange Straße 47) sieht es ähnlich aus. „Wenn Rollstuhlfahrer reservieren sagen wir immer, dass sie den Seiteneingang benutzen sollen“, erklärt Nicolas Tiede. Der Haupteingang ist nur über Stufen zu erreichen. Und die Toiletten? Im Obergeschoss. „Der Zugang ist nicht barrierefrei. Das wäre baulich gar nicht möglich, man müsste den ganzen Laden auseinanderreißen“, bedauert Tiede.

Manche Toiletten sind für Rollifahrer zu eng

Das Concilium Culinarium an der Langen Straße 30 hat am Eingang Stufen, im Gastraum auch. „Die Toiletten sind zwar ebenerdig, aber für Rollstuhlfahrer zu eng“, sagt Inhaber Ronald Dobe. Da das Gebäude alt und denkmalgeschützt ist, gebe es keine Chance etwas umzubauen. Genauso wie im Restaurant Kreta gegenüber vom Bahnhof. Vorne sind Stufen, doch am Hintereingang ist es flach. „Die Toiletten sind nicht behindertengerecht. Sie sind zwar ebenerdig, aber definitiv zu eng“, sagt Antonios Stratis.

Wenn der Magen knurrt und die Blase drückt, ist das ein Moment, wo man langsam nervös werden könnte. Das Prinzenhuus am Markt ist für Rollstuhlfahrer erreichbar. Alex Seher berichtet, dass die Toiletten über einen Seiteneingang geöffnet werden können. Und im Seeprinz am Strandweg werden Menschen mit Gehbehinderungen auch fündig. Betriebsleiter Dirk Jaentsch versichert, dass alle Eingänge ebenerdig, die Türen breit genug sind und eine Rampe den Weg auf die Terrasse ebnet. Mit kleinen Rollstühlen sind auch die Toiletten nutzbar, „allerdings sind sie zu eng für Elektro-Rollstühle“.

Ute Wacks ist Beauftragte der Stadt Plön für die Belange von schwer geh- und sehbehinderten Einwohnern und ärgert sich, dass viele Restaurants für Rollstuhlfahrer verschlossen sind. „Wenn sie keinen barrierefreien Zugang und Toiletten haben, sollten sie keine Genehmigung bekommen“, formuliert sie es drastisch. Das Argument, Rollstuhlfahrer könnten die öffentliche Behindertentoilette im Pavillon auf dem Markt nutzen, lässt sie nicht gelten. „Das ist da fürchterlich“, sagt sie.

Restaurant Alte Schwimmhalle problemlos nutzbar

An den nicht erreichbaren Toiletten scheitert auch ein Besuch in der Alten Kate (Eutiner Straße 6). Schon am Eingang gibt es unüberwindbare Treppen im Alten Fährhaus (Eutiner Straße 4), ebenso im Pförtnerhaus am Schloss und im Taj Mahal (Rautenbergstraße 2). Mike Böse und Ute Becker vom Restaurant Alte Schwimmhalle, Schlossgebiet 1, dagegen können Rollstuhlfahrer über den Sommereingang auch im Winter hereinlassen und die ebenerdigen Toiletten sind groß genug – auch für Menschen mit Rollstühlen.

„Bei uns ist alles rollstuhlgerecht“, sagt Petra Höllriegel, Chefin der Plöner Harfe in der Ölmühlenallee 3. Es gebe keine extra Behindertentoiletten, doch die anderen seien groß genug. „Ein Schieberollstuhl geht auf jeden Fall, für einen Elektrorollstuhl könnte es aber zu eng sein“, schränkt sie ein. Das Niedersächsische Bauernhaus auf der Prinzeninsel ist ob der Lage schon schwer für Rollstuhlfahrer erreichbar, und es gibt auch Stufen vor dem Restaurant. Im Restaurant Seeblick auf dem Campingplatz Spitzenort ist der Zugang möglich. „Wir benutzen die Toiletten des Campingplatzes mit, und sie sind barrierefrei“, sagt Jasmin Albrecht.

Für Sarah Lepthien und ihren Rollstuhl-Besuch sollte es aber ein Innenstadt-Restaurant sein. „Wir haben uns dann für Preetz entschieden“, erzählt sie. So ein Satz dürfte den Plöner Restaurantbesitzern nicht wirklich schmecken.

Hier sehen Sie weitere Fotos zum Thema barrierefreie Restaurants in Plön:
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