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Plön Vom Wert eines Stücks Brot
Lokales Plön Vom Wert eines Stücks Brot
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18:47 30.07.2018
Von Hans-Jürgen Schekahn
14 Tage kümmerte sich Gunnar Bandholz um die Verpflegung von Flüchtlingen in einer Zeit, wo besonders viele Menschen kamen. Quelle: Hans-Jürgen Schekahn
Preetz

Im Herbst 2015 kommen jeden Tag Tausende von Menschen aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan über die Balkanroute nach Deutschland. Erschöpft. Ausgemergelt. Müde. Der Höhepunkt der Flüchtlingskrise. Busse und Züge verteilen die Menschen eilends über ganz Deutschland. Beim Technischen Hilfswerk in Preetz weiß man, dass bald ihre Hilfe gebraucht wird. Gunnar Bandholz (46) ist Gruppenführer bei einem Bergungstrupp und schaut nun immer wieder auf sein Handy.

Am Freitag, 18. September, erreicht ihn eine SMS der Landespolizei. Transportauftrag: Die Preetzer sollen mit ihrem Küchen-Lkw, ihrer Feldküche und anderem Material in die seit Jahren stillgelegte Kaserne in Kellinghusen ziehen und eine Küche einrichten. Hilfe kommt von den Ortsverbänden Itzehoe, Norderstedt, Bad Oldesloe und Lübeck.

Plötzlich Mahlzeiten für 500 Flüchtlinge kochen

Das THW-Team baut auf und erhält vor Ort plötzlich eine neue Aufgabe: Sie sollen Mahlzeiten für die 400 bis 500 Flüchtlinge kochen und verteilen – in den kommenden 14 Tagen. Damit hat niemand der Freiwilligen gerechnet. Gunnar Bandholz stöhnt nicht, sondern denkt daran, dass er beim THW ist. Das klappt dort schon. In den Gebäuden gibt es kein fließendes Wasser. Waschgelegenheiten bastelt man aus Holzgestellen und Plastikzubern. Man ist halt beim THW.

Das erste Problem: die Verständigung. Die „Gäste“, wie die Helfer die Menschen nennen, wissen nicht, was da aus den deutschen Kochtöpfen serviert wird. Einer der THW-Helfer fängt an, Schilder mit Bildern von Huhn, Fisch und Rind zu malen. Das bringt Ruhe auf den Teller. Die Flüchtlinge schreiben in ihren Landessprachen etwas hinzu.

Reis, Geflügel und Salat gehen immer

Der Koch ist ein Fels in der Brandung. Viel Reis, viel Geflügel, viel Salat. Das geht immer. Die Helfertruppe hat viel Spaß. Bandholz steht jeden Tag um 6.30 Uhr auf und geht erst gegen 22 Uhr ins Bett. Ein Pritsche in einem unbeheizten Mehrbettzimmer. Es ist Herbst. Und dennoch bringt ihm und seinen Mitstreitern die Arbeit Spaß, auch wenn sie anstrengend ist.

Bandholz kümmert sich um die Essensausgabe, um die Logistik und andere Dinge. Er feiert in der Flüchtlingsunterkunft seinen 44. Geburtstag. Noch nie waren so viele Menschen zum Essen dabei, denkt er sich mit einem Schmunzeln. Er fühlt sich wohl in der Kameradschaft der THW-Helfer und der anderen von DRK, Johannitern oder Polizei, die den Menschen helfen. Es ist ein eingespieltes Team. Mit der Zeit läuft alles reibungslos.

Eine Szene bleibt ihm bis heute im Gedächtnis. Ein Bus bringt abends eine neue Gruppe. Die Kantine ist schon geschlossen, Bandholz fast mit dem Aufräumen fertig. Eine Frau kommt mit einem Kind auf dem Arm in die Kantine und schaut sich ängstlich um. Sie geht wieder weg. Bandholz hat noch eine einzige Ecke Fladenbrot übrig. Er ruft die Frau an und gibt dem Kind das Brot. Der Kleine freut sich riesig über die Nahrung. Vermutlich hatte er bereits seit längerer Zeit nichts mehr gegessen.

Am letzten Tag verwöhnt das THW-Küchenteam die Flüchtlinge noch einmal. Es gibt Fladenbrot gefüllt mit Putenfleisch, Tomaten, Krautsalat und Joghurt-Dipp. Das dauert länger als Fertiggerichte, ist aber auch leckerer. Das Essen kommt super an. Am nächsten Tag übernimmt ein Caterer die Verpflegung. Beim THW nicht nur in Preetz ist man stolz, Menschen in einer akuten Notlage geholfen und satt gemacht zu haben.

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