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Plön Hilfe für abgestürzte Fledermaus-Babys
Lokales Plön Hilfe für abgestürzte Fledermaus-Babys
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19:06 27.06.2018
Von Merle Schaack
Etwa drei Wochen ist die Mückenfledermaus alt, die Annette Hinz in Pflege hat. Sie lebt auf einem erwärmbaren Körnerkissen, weil ihr die Körperwärme der Artgenossen fehlt. Normalerweise leben Fledermäuse in Gruppen mit bis zu mehreren hundert Tieren. Quelle: Merle Schaack
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Schwentinental

Ein bisschen unbeholfen tapst die kleine Mückenfledermaus noch über die Hand und blinzelt in die Welt. Drei Wochen ist der Vertreter der kleinsten mitteleuropäischen Fledermausart alt. Er würde in eine Streichholzschachtel passen. Schüler in Heikendorf fanden ihn vergangene Woche auf ihrem Schulhof. Nun ist der kleine Fledermaus-Mann in Schwentinental bei Annette Hinz gelandet.

Arbeitsgruppe kümmert sich um Findel-Fledermäuse

Sie ist eine von vielen Helfern der Arbeitsgruppe Fledermäuse (AGF) des Nabu mit Sitz in Bad Segeberg und tritt immer dann in Aktion, wenn in der Nähe eines der kleinen Säugetiere in Not gerät. „Die Betreuung ist aber die allerletzte Option“, sagt sie. „Kontakt mit Menschen bedeutet für sie auch Stress.“ Deshalb sollten sie, wenn möglich, auch dort bleiben, wo sie gefunden werden. 

Vergangenes Jahr fing Hinz damit an, Findel-Fledermäuse zu päppeln. Sieben Stück hatte sie seitdem in ihrer Obhut, zwei erwachsene konnte sie sofort wieder auswildern, ein Baby brachte sie so weit, dass es eines Tages allein überlebensfähig war. Drei ihrer Schützlinge starben. „Ihnen fehlt die Wärme und die Gesellschaft der anderen Tiere“, sagt Hinz, „Wenn sie zu lange allein sind, sterben sie an Depressionen.“

Ihre Schützlinge bekommen stets den Namen „Fledi“, aber keinen persönlicheren. „Es sind wilde Tiere und sollen das auch bleiben“, sagt sie. 

Erste Flugversuche erfolgreich

Für den aktuellen Fledi stehen die Chancen gut. Dreimal täglich bekommt er ausgedrückte Mehlwürmer mit einer Pinzette und Wasser mit einer Pipette verabreicht. Abends steht immer eine halbe Stunde Flugtraining auf dem Programm. Für den Fall, dass er abstürzt, wird der Boden mit einer dicken, weichen Decke ausgepolstert.

„Ein bisschen fliegen kann er schon. Und wenn er so weiter macht, bin ich optimistisch, dass er nur noch etwa eine Woche hier bleiben muss“, sagt Hinz. Bevor sie ihn in die Natur entlässt, muss er aber mehrere Runden unter der Zimmerdecke schaffen. 

Nicht jedes Tier braucht Hilfe

Auch wenn sie sich freut, den kleinen Tieren zu helfen („Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man sie irgendwann abends in die Dämmerung entlassen kann.“), ermutigt sie alle Fledermaus-Finder, ganz genau hinzuschauen, ob das Tier wirklich Hilfe braucht. Denn: Auch eine gesunde Fledermaus kann mal benommen abstürzen, nachdem sie gegen eine Scheibe geflogen ist.

Findet sie dann nichts, woran sie sich hochziehen kann, ist sie aufgeschmissen. Der Grund: Fledermäuse starten in der Regel aus mindestens drei oder vier Metern und fallen zunächst ein Stück, bevor sie losfliegen. „Wenn das Tier offensichtlich nicht verletzt ist und man sicher ist, dass es noch nicht lange auf dem Boden liegt, kann es schon helfen, es einfach an einen Ast zu hängen“, sagt Annette Hinz. 

Jungtiere werden oft wieder eingesammelt

Bei Jungtieren, deren Wochenstube vielleicht nicht weit entfernt ist, empfiehlt sie einen besonderen Aufbau, der der Mutter ermöglicht, ihr Junges nachts wieder einzusammeln: Eine in einer großen Schale stehende Vase, gefüllt mit warmem Wasser, über deren Öffnung ein Strumpf gestülpt wird. Während das Wasser die kleine Fledermaus wärmt, kann sie sich am Strumpf festkrallen. Fällt sie doch herunter, fängt die Schale sie auf. Das Konstrukt sollte erhöht, zum Beispiel auf einem Tisch aufgebaut werden, damit keine Katzen die Fledermaus erreichen können. Mit Einbruch der Dunkelheit steigen die Chancen, dass das Muttertier sein Junges wieder einsammelt. Sollte das zwei Nächte in Folge nicht geschehen, ist das Tier ein Fall für Fledermausexperten. 

Wer eine hilfsbedürftige Fledermaus findet, kann sich in Schleswig-Holstein unter Tel. 04551/963 999 an die Landesstelle für Fledermausschutz wenden. 

Fotostrecke: Hilfe für abgestürzte Fledermaus-Babys
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