Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Plön Heikendorfer Maler muss Bilder verhüllen
Lokales Plön Heikendorfer Maler muss Bilder verhüllen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:53 26.06.2018
Von Merle Schaack
Die Bilder der Ausstellung „Inkognito“ im Rathaus Heikendorf werden während der Sitzungen verhüllt. Quelle: Ulf Dahl
Heikendorf

Piepgras hat Bilder in die ganze Welt verkauft und lebt davon. Die Werke, auf denen Frauen zu sehen sind, meist in Rückansicht und mit Gewändern, die Haut durchblitzen lassen, bezeichnet er als „Hommage an die Schönheit der Weiblichkeit“. Zur Vernissage im Rathaus kamen 200 Besucher. „Eine bombastische Ausstellungseröffnung“, sagt er. Es habe viel Lob gegeben, zehn Bilder habe er noch am selben Abend verkauft. „Was dann nach der nächsten Gemeindevertretersitzung passierte, habe ich in 25 Jahren und mit rund 500 gemalten Bildern noch nicht erlebt“, so der 54-Jährige.

Bürgermeister Alexander Orth rief ihn an und berichtete, die Bilder hätten für Empörung gesorgt. Von einer gefühlten Belästigung durch die Bilder sei die Rede gewesen, Parallelen zur #MeToo-Debatte seien gezogen worden, einer weltweiten Bewegung, bei der Betroffene Missbrauchsvorwürfe und alltäglichen Sexismus öffentlich machen.

Auf dem folgenden Foto können Sie die Bilder selbst enthüllen. Klicken oder drücken Sie dazu auf den Regler in der Mitte und schieben Sie ihn nach links oder rechts:

„Das ist dicht an der Kunstzensur“

Gemeindevertreterin Karla Schmerfeld (64, SPD) bestätigt, dass sie sich als einzige in der Sitzung beschwert habe: „Als Frau stoßen diese Bilder mich ab.“ Den künstlerischen Wert wolle sie nicht beurteilen. „Aber die Motivlage mit Frauen, die portionsweise abgebildet werden, ist für einen Ratssaal nicht passend.“ Sie wolle nicht stundenlang etwa auf einen Lederstiefel mit Stiletto-Absatz gucken.

Die Lösung: Vor jeder Sitzung verhängt Piepgras die Bilder. So tagen die Politiker nicht im Angesicht von Frauenkörpern, sondern von Bettlaken und Küchentüchern, die der Künstler sonst zum Transport benutzt. „Absurd“ nennt er das. „Auf den Bildern sind weder primäre noch sekundäre Geschlechtsmerkmale zu sehen.“ Er könne sich schwer vorstellen, dass man „zwei Sitzungen vor meinen Bildern nicht erträgt“. Er fühle sich durch dieses „Provinztheater“ in seiner Berufsehre angegriffen. „Das ist dicht an der Kunstzensur.“

Einmal muss Piepgras seine Bilder noch verhüllen

Dem widerspricht Bürgermeister Orth. „Hätten wir die Bilder ausgetauscht, dann wäre es Zensur gewesen.“ Er könne über die Geschichte zwar nur den Kopf schütteln. „Aber auch, wenn ich persönlich in den Bildern keine Herabsetzung von Frauen erkennen kann, muss ich dafür sorgen, dass die Gemeindevertreter bei der Erfüllung ihrer Pflicht nicht gestört werden.“ Im Verhängen der Bilder sieht er einen Kompromiss mit positivem Nebeneffekt. „Über Kunst soll man ja diskutieren. Wenn das alles dazu führt, dass die Leute sich mit dem Thema auseinandersetzen, ist das positiv.“

Einmal muss Piepgras seine Bilder noch verhüllen – am 21. März tagt der Wirtschafts- und Verkehrsausschuss. Kurz nachdem er seine Bilder nach der letzten Bauausschuss-Sitzung wieder hervorgeholt hatte, tagte übrigens der Seniorenbeirat im Ratssaal. Bei unverhüllten Bildern.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Noch vor dem Rückrundenstart verlängerte der TSV Lütjenburg den Vertrag mit Trainer Zbigniew Ilski um ein weiteres Jahr bis Juni 2019. Der gebürtige Pole, der als aktiver Spieler auch bei Holstein Kiel unter Vertrag stand, belegt mit seinem Team Rang neun in der Kreisliga Plön/Ost.

08.03.2018
Plön Lärmschutz an der B 76 - An den Wänden führt kein Weg vorbei

Fast 40 Jahre nach dem Neubau der Ortsdurchfahrt rücken die Lärmschutzwände an der B76 tatsächlich näher. Wenn niemand klagt und alles glatt läuft, könnte mit dem Bau in dreieinhalb Jahren begonnen werden. Das Thema ist nach wie vor brisant.

Anja Rüstmann 08.03.2018

Die Serie von Wandschmierereien in Lütjenburg reißt nicht ab. Allein am Mittwoch nahm die Polizei 28 Anzeigen auf. Ein Unbekannter hatte in der Nacht zuvor sein Erkennungszeichen „CAN“ einmal quer durch die Innenstadt hinterlassen. Seit Januar nimmt der Täter Fassaden ins Visier.

Hans-Jürgen Schekahn 08.03.2018