Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Plön Streit um Ostseepark eskaliert
Lokales Plön Streit um Ostseepark eskaliert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:20 25.02.2015
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Deutschlands größtes Einkaufsareal: Der Ostseepark im Schwentinentaler Ortsteil Raisdorf ist der größte Zankapfel in der Region. In der Mitte das Baltic Center, rechts davon die Freifläche Erdbeerberg. Dort will der Großinvestor HBB ein 15000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum bauen. Quelle: Matthias Friedel
Schwentinental/Kiel

„Wir hätten eine Lösung mit Kiel bevorzugt“, sagt Schwentinentals CDU-Fraktionschef Norbert Scholtis. Die Landeshauptstadt sitze aber auf dem hohen Ross. „Es geht darum, den jahrelangen Stillstand im Ostseepark zu beenden“, ergänzt SPD-Fraktionschef Volker Sindt. Mit der Aufhebung der Veränderungssperre gebe es für Investoren keine echten Hindernisse mehr. „Im Prinzip kann am Ende jeder machen, was er will.“

 Nutznießer des Beschlusses könnte die HBB (Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft) sein. Sie möchte im Ostseepark gegenüber des Baltic Centers ein Shopping-Center mit 15000 Quadratmetern für den Einzelhandel errichten und damit die derzeitige Gesamtverkaufsfläche im Park (rund 90000 Quadratmeter) nochmals deutlich erhöhen. Die HBB begrüßt die geplante Aufhebung der Veränderungssperre. „Für uns wäre es ein schönes Signal“, meint Geschäftsführer Harald Ortner.

 Gegen die HBB-Pläne läuft Kiel seit Jahren Sturm. Unterstützt wird die Stadt vom Kreis Plön (Baubehörde) und von der Regierung (Landesplanung). Begründung: Der Ausbau des Parks würde zu Lasten des Einzelhandels in Kiel, Preetz, Plön und selbst Lütjenburg gehen. Landesplaner und Kreis sind daher beunruhigt darüber, dass Schwentinental die Ausbausperre kippen und damit den Burgfrieden aufkündigen will.

 Unklar sind die Folgen des Anti-Sperr-Beschlusses. Die Landesplanung geht davon aus, dass der Kreis Plön „baurechtskonforme Bauanträge in Verbindung mit dem Ostseepark als Vorhaben im unbeplanten Innenbereich positiv bescheiden müsste“. Das dürfte zumindest für kleinere Bauprojekte gelten. Der Kreis Plön beurteilt die Rechtslage ähnlich. Ohne Sperre müssten sich neue Park-Projekte nur „in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen“, so ein Kreissprecher. „In einem von Gewerbe und Einzelhandel geprägten Gebiet sind die einschränkenden Vorgaben damit naturgemäß eher gering.“

 Einem Wildwuchs sind gleichwohl Grenzen gesetzt. Der Kreis könnte Großvorhaben wie das HBB-Projekt vermutlich mit Hinweis auf die überörtlichen Folgen stoppen. Das letzte Wort hätte dann wohl das Verwaltungsgericht Schleswig. Dort liegt bereits eine HBB-Klage, weil der Kreis Plön den Bauvorbescheid abgelehnt hatte.

 Die Stadt Kiel lehnt das Großprojekt ab. „Unsere kritische Position haben wir im Rahmen der laufenden Bauleitplanverfahren mehrfach deutlich gemacht“, bekräftigt Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). Deutlicher äußert sich die Wirtschaft. „Die IHK zu Kiel hält eine Aufhebung der Veränderungssperre fachlich und politisch für falsch.“

 Im Landeshaus wird vermutet, dass der neueste Schwentinentaler Schachzug im Park-Streit vor allem taktisch motiviert ist. Hintergrund: Die hinter den Kulissen geführten Verhandlungen zwischen Schwentinental, Kiel und der Landesplanung über einen begrenzten Ausbau des Ostseeparks sind offenbar gescheitert. Durch die Aufhebung der Sperre hätte Schwentinental beim nächsten Park-Poker einen Trumpf in der Hand.

 Von Andrea Seliger und Ulf B. Christen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!