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Plön Als Tischlerin im Kriegsgebiet
Lokales Plön Als Tischlerin im Kriegsgebiet
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09:12 08.03.2019
Von Frida Kammerer
Julia Krauß (32) schleift eine Tür per Hand ab. Quelle: Frida Kammerer
Helmstorf

Oft sucht man auf Baustellen vergeblich eine Frau. Bei der Zimmerei Steen in Helmstorf hat sich das geändert. Seit Oktober arbeitet dort Julia Krauß. Die 32-Jährige war viereinhalb Jahre auf Wanderschaft und hat sich jetzt in der Nähe von Lütjenburg niedergelassen. "Es war eine sehr schöne, aber auch sehr anstrengende Zeit. Irgendwann ist aber auch mal gut und man muss sesshaft werden", sagt sie heute über die Walz.

Schulen im Kriegsgebiet gebaut

Mit den Grünhelmen, auch "Handwerkern ohne Grenzen" genannt, reiste Krauß in den Irak, wo sie an der syrischen Grenze Schulen gebaut hat. Gar nicht weit weg von Mossul, wo damals schon der Bürgerkrieg tobte. Bei der Frage, ob das nicht gefährlich war, wiegelt sie ab: "Irgendjemand muss ja hin und helfen."

Nach dem Abitur hatte Krauß mehrere Praktika als Bühnenbildnerin gemacht. So ganz ihr Ding war das noch nicht: "Es ist viel Arbeit für wenig Geld und nach der Aufführung wird alles wieder zerstört." Die Tischler- und Zimmerertätigkeit war aber ganz ihre Welt: "Ich mag es, alte Häuser zu erhalten, mit gutem Handwerk etwas zu bauen – die Verbindung von Kopf und händischer Arbeit. Man sieht am Ende, was man geschafft hat." Die Herausforderung in einem Männerberuf hat sie nie gescheut: "Ich mag die Rolle, eine Frau im Handwerk zu sein." Ein richtiges Männer-Frauen-Problem sieht sie für sich nicht unbedingt: "Irgendwann vergisst man das einfach und macht seinen Job."

Auftraggeber manchmal über Tischlerin überrascht

Bauherren und Auftraggeber sind manchmal überrascht, wenn sie eine Frau als Tischlerin sehen. Wenige hätten zwar Zweifel, aber würden versuchen das nicht zu zeigen. Im Berufsbild selbst hat sich viel getan. Bis 1994 durften Frauen nicht im Hauptbaugewerbe arbeiten. Auf Wanderschaft traf Julia Krauß Frauen, die zwar eine Handwerkslehre gemacht haben, aber keine Anstellung fanden. Dabei sei es bei Frauen eine viel bewusstere Entscheidung: "Bei Jungen ist das noch eher so, dass sie es beim Vater gesehen haben." Sie würde sich wünschen, dass die Berufe gemischter seien – mehr Frauen in Handwerksberufen und mehr Männer in Sozialberufen wie Erzieher.

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