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Internet-Millionär in Neuseeland inhaftiert

Weltweiter Wirbel um Kieler Hochstapler Kim Schmitz


Es ist eine Geschichte wie die des „Hochstaplers Felix Krull“. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag nahmen US-Behörden „Megaupload“, eine der weltweit größten Datenaustausch-Plattformen im Internet, vom Netz und verhafteten in Neuseeland den Unternehmensgründer Kim Schmitz (38), einen gebürtigen Kieler. Dessen Vita scheint auch gefälscht zu sein.
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German national Kim Schmitz, also known as Kim Dotcom is remanded in custody at the District Court on charges in a US copyright infringement investigation in Auckland, New Zealand, 20 January 2012. Reports state on 20 January 2012 that US authorities on 1

© David Rowland

Wellington/Plön. Wellington/Plön - Es ist eine Geschichte wie die des „Hochstaplers Felix Krull“. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag nahmen US-Behörden „Megaupload“, eine der weltweit größten Datenaustausch-Plattformen im Internet, vom Netz und verhafteten in Neuseeland den Unternehmensgründer Kim Schmitz (38), einen gebürtigen Kieler.

Schmitz und seinen Mitarbeitern, denen bis zu 20 Jahre Haft in den USA drohen, werden massive Urheberrechtsverletzungen vorgeworfen. Sie hatten 175 Millionen US-Dollar mit illegalen Musik- und Film-Raubkopien verdient. In den 90er Jahren war Schmitz im New-Economy-Boom reich und bekannt geworden, erregte aber auch immer wieder durch Gerichtsverfahren Aufsehen. Er selbst gab stets an, als Hochbegabter 1991 das Abitur auf dem Internatsgymnasium Schloss Plön erlangt zu haben.

Bei genauerem Hinsehen platzt die Vita von Kim Schmitz wie einst die New-Economy-Blase. Schon die ersten Stationen, die der moderne „Felix Krull“ minutiös gefälscht haben muss, halten der Prüfung nicht stand. Schmitz, in Kiel geboren, macht keineswegs ein Hochbegabten-Abitur als Schüler des Internatsgymnasium Schloss Plön. Stattdessen büffelt er in der Heinrich-Harms-(Haupt-)Schule. „Ich erinnere mich an einen ausgesprochen an Technik interessierten jungen Mann“, verrät die ehemalige Schulleiterin Gabriele Killig auf Nachfrage der Kieler Nachrichten. Wesentlich deutlicher wird ein ehemaliger Erzieher des Schülerheims Rohwedder in Ascheberg. Schmitz wohnt zwei Jahre lang in der Einrichtung für verhaltensauffällige Jugendliche. „Ich habe nie wieder einen so asozialen Jugendlichen kennengelernt, er war eine richtig linke Socke“, berichtet der Heilpädagoge, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Entschuldigen Sie die drastische Wortwahl, aber Kim hat sogar seine besten Kumpels angeschissen.“ Gewalttätig sei der junge Mann allerdings nicht gewesen. „Kim war ein Anstifter und Blender, der die Mitschüler oft zu Streichen überredet und dann verpetzt hat. Er ist bauernschlau, nicht hochintelligent.“

Von Plön aus zieht Schmitz in die erste eigene Wohnung in Neumünster, lebt von 1200 Mark Unterhalt der geschiedenen Eltern, gerät später in die Hacker-Szene und zieht nach München. Er manipuliert Telefonkarten, wird 1998 wegen Betrugs, Bandenhehlerei und eines erfundenen Doktortitels zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Das Schwergewicht steigt dennoch zum Jung-Unternehmer und Liebling der Boulevard-Presse auf, umgibt sich mit schnellen Autos und schönen Frauen. Sogar Dieter Bohlens „Teppichluder“ Janina wickelt Schmitz um den Finger. Sein kometenhafter Aufstieg endet vorerst 2002 mit einer Verurteilung wegen Insiderhandels im Zuge der „letsbuyit.com“-Insolvenz.

Geld und Größenwahn gehen immer Hand in Hand. Schmitz nimmt an Autorennen durch Europa teil, setzt 2001 ein Kopfgeld auf Osama bin Laden aus, wird in die „Harald Schmidt Show“ eingeladen. Im Juni gibt er dem „New Zealand Herald“ ein Interview. Neuseeland sei das Paradies auf Erden, sein Anwesen aber nur ein Ferienhaus. Die meiste Zeit lebe er mit seiner Frau Mona und drei Kindern in Hongkong. Vielleicht sind aber auch die – nur erfunden.dsn/tas

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