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Plön Zu viel Natürlichkeit in der freien Natur?
Lokales Plön Zu viel Natürlichkeit in der freien Natur?
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15:31 17.04.2018

Ein Ehepaar aus dem Rheinland mit vier Kindern im Alter von zwei bis 20 Jahren fühlt sich verstärkt durch die freizügigen Badegäste belästigt. Von ihrem Sommerhaus hinterm Deich sind es nur wenige Schritte bis zum Strand. „Ich bin überhaupt nicht prüde“, sagt der Familienvater, dessen Name nicht genannt werden soll. „Aber es konzentriert sich immer mehr, und seit einiger Zeit kommen ganze Heerscharen.“ Was den Urlauber am meisten stört: Die Nacktbader bewegten sich ganz ungeniert am Strand, Singlemänner gingen provokativ auf Brautschau, und Paare hätten am helllichten Tag Sex in den Dünen. „Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn jemand oben ohne liegt, aber mittlerweile mag ich mit meinen jüngeren Kindern nicht mehr an den Strand gehen“, meint der Rheinländer, der sich auch von anderen Anwohnern bestätigt fühlt. Mehrfach habe er mit den Ordnungsbehörden und der Gemeinde Wisch Kontakt aufgenommen. „Aber die haben im Stillen kapituliert.“

Bürgermeister Heinz Lamp aus Wisch sind die Hände gebunden. „Hinter dem Deich hört das Gemeindegebiet auf. Wir haben dort einen unbewachten Freistrand, der den Landesgesetzen unterliegt und unbekleidetes Baden nicht verbietet“, so Lamp. Wollte er die Rechte in einer Satzung und durch eine entsprechende Beschilderung am Strand einschränken, bräuchte er eine Konzession des Landes. „Ich kenne den Strand fast seit 60 Jahren, und solange ich weiß, liegen dort unbekleidete Leute“, sagt der Bürgermeister. Ärger habe es noch nie gegeben. Auch seien ihm sexuelle Handlungen oder Belästigungen nicht bekannt.

Dann allerdings könnten die Ordnungsbehörden einschreiten. „Liegt eine Ordnungswidrigkeit oder eine strafbare Handlung durch Erregung öffentlichen Ärgernisses vor, würde die Polizei eingreifen“, erläutert Klaus Sinjen vom Ordnungsamt in Schönberg. Eine Ordnungswidrigkeit begeht laut Gesetz etwa, wer nach Paragraf 118 die Allgemeinheit belästigt. Ein weit gefasster Begriff: Im Zweifelsfall befindet das Ordnungsamt nach eigenem Ermessen darüber. „Wenn jemand nackt am Strand liegt, muss das nicht gleich eine Belästigung sein“, so Sinjen. Auch eine Erregung öffentlichen Ärgernisses nach Paragraf 183a des Strafgesetzbuches liegt erst dann vor, wenn etwa eine sexuelle Handlung bewusst provokativ erfolgt. Das heißt: Sollten Paare in den Heidkater Dünen tatsächlich Geschlechtsverkehr haben, müsste ihnen für eine Straftat nachgewiesen werden, dass sie bewusst Aufmerksamkeit erregen wollten.

Bei der Polizeidienststelle in Schönberg liegt derzeit eine offizielle Beschwerde über das Nacktbaden in Heidkate vor. „Wir gehen dem natürlich nach“, informiert Polizeioberkommissar Arne Hinrichsen. Von Sex in den Dünen und männlichen Voyeuren hätte man auf den bisherigen Streifen nichts zu sehen bekommen. „Wenn auf den ersten Blick keine Ordnungswidrigkeit oder ein Straftatbestand vorliegen, dann versuchen wir im Gespräch zu vermitteln“, so Hinrichsen.

Am Freistrand in Heidkate lassen sich die Nacktbader derweil nicht aus der Ruhe bringen. „Man wird so auf die Welt geworfen und geht auch wieder so“, sagt Katrin Guse aus Eckernförde, die mit einer Freundin aus Berlin und ihren Kindern textilfrei badet. Spanner haben die Frauen in Heidkate noch nicht gesehen. „Nur weil man nackt badet, ist man noch lange kein Sexobjekt“, sagt die junge Mutter. Ein älterer Badegast aus Wendtorf ärgert sich über zu viel Regulierungen: „Deutschland besteht nur aus Vorschriften. Wen stört das hier schon, dass manche nackt baden gehen.“ Auch ein älteres Ehepaar aus Hamburg genießt die Freiheit, sich am Freistrand in Heidkate textilfrei zu sonnen. „An einem offiziellen FKK findet man oft keinen Platz mehr zum Liegen, hier ist es herrlich“, begründen sie ihre Strandwahl. Am benachbarten Hundestrand sind zwei junge Frauen aus Kiel und Preetz mit ihrem Vierbeiner etwas skeptisch. „Es kommen schon eher Singlemänner zum Nacktbaden und präsentieren sich“, haben die jungen Schwestern beobachtet. Bei älteren Leuten störe sie das textilfreie Sonnenbaden nicht, aber wenn einzelne Männer auffällig am Strand spazieren gehen, höre der Spaß auf. „Es gibt doch ausgewiesene FKK-Strände, sollen die doch dort hingehen.“

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