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Rendsburg 400 demonstrierten in Aukrug: Vier Festnahmen
Lokales Rendsburg 400 demonstrierten in Aukrug: Vier Festnahmen
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07:05 04.03.2017
Von Christian Hiersemenzel
In Aukrug wird gegen die AfD-Veranstaltung protestiert. Quelle: Frank Peter
Aukrug

Es blieb weitgehend friedlich. Gegen 18.30 Uhr sprach die Polizei einen Platzverweis gegen 20 Autonome aus. Um 20.40 Uhr gab es im Nahbereich einen zweiten Zwischenfall. Polizisten konnten nach Angaben eines Sprechers gerade noch einen gewalttätigen Übergriff von AFD-Gegnern gegenüber zweier Besucher der AFD-Veranstaltung unterbinden. Beamte nahmen insgesamt vier Personen vorläufig fest (drei Frauen, ein Mann). Gegen sie wurden Strafverfahren wegen Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sowie versuchte Körperverletzung eingeleitet. Nach den erforderlichen  polizeilichen Maßnahmen wurden die Personen wieder entlassen. Richtig zu spitzte sich die Lage erst nach Ende der Veranstaltung.

„Die AfD schürt unbegründete Ängste und ist damit Totengräber der Demokratie“, sagte der Aukruger Torben Halft. Friedemann Ohms aus Itzehoe sagte, dass er nicht wolle, dass das Land in die Hände Rechter fällt. „Wären die Leute damals rechtzeitig aufgestanden, hätte man die Katastrophe verhindern können. Heute wollen wir das besser machen.“ In der benachbarten Kirche wurde zur selben Stunde für Toleranz gebetet.

Hier finden Sie Bilder aus Aukrug.

Um den Veranstaltungsort hatte es Gezerre gegeben. Ursprünglich wollte der Landesverband mit Petry ins Kieler Schloss gehen – mitten in der Landeshauptstadt und nur wenige Gehminuten vom Landtag entfernt. Nach Angaben des Vorstands gab es bereits im Januar eine vorläufige Zusage. Dann aber sagte die Geschäftsführung der Konzert- und Betreibergesellschaft aus Sicherheitsgründen ab: Die AfD habe kein Konzept vorlegen können, wie man innerhalb des Gebäudes für Ordnung sorgen wolle. Mangels kurzfristiger Alternativen wich die AfD schließlich nach Aukrug aus.


Tivoli-Gastronom Sven Lohse sah sich Anfeindungen und Drohungen ausgesetzt. „Wir haben geglaubt, in einem demokratischen Rechtsstaat zu leben, wo jeder demokratisch seine Meinung sagen darf, ohne persönlich angegriffen zu werden“, schrieb er auf Facebook. „Das war leider ein Irrglaube!“ Er sei ausdrücklich „kein AfD-Mitglied und kein Nazi“ und werde sich auch von Andersdenkenden nicht in diese Ecke stellen lassen. Petry dagegen äußerte sich gelassen. In Lübeck allerdings, wo sie am Vorabend aufgetreten war, habe der Protest die gewohnten Dimensionen überschritten. Undemokratisch sei das – „genau das, was man uns vorwirft“.

Aukrug ist nicht Kiel. Warum die Veranstaltung nicht besser Komplett abblasen? Petry verwies auf ihren engen Terminkalender und bevorstehende Wahlen im Saarland und in Nordrhein-Westfalen. „Dann hätte der Wahlkampf ohne mich stattfinden müssen.“ Schleswig-Holstein sei jedoch als Landesverband wichtig. „Politik findet auch auf regionaler und kommunaler Ebene statt.“

Im Mai will die AfD mit einem zweistelligen Ergebnis in den Kieler Landtag einziehen. Nach Meinungsumfragen hat sie im Norden aktuell sechs Prozent. „Die Menschen sind hier konservativer und die Sozialdemokraten linker als anderswo. Wir müssen den Leuten mehr erklären, was die AfD will.“ Spitzenkandidat Jörg Nobis sieht auch in Schleswig-Holstein eine „schleichende Islamisierung: Auf dem platten Land ist das noch nicht der Fall, aber in Kiel schon.“

SPD-Landeschef Ralf Stegner, zu dessen Wahlkreis Aukrug gehört, und der SPD-Kreisvorsitzende von Rendsburg-Eckernförde, Sönke Rix, hatten am Morgen die Tivoli-Zusage bedauert. Die Aukruger würden eine AfD-Veranstaltung in ihrer Gemeinde erkennbar ablehnen. „Wir unterstützen diese Position, auch um deutlich zu machen, dass es darum geht, aktiv gegen antidemokratische und ausländerfeindliche Gruppierungen einzutreten.“

Autonome blockierten Gasthof

Nach Ende der Veranstaltung haben einige Vermummte den Gasthof blockiert, so dass die Gäste der Veranstaltung das Gebäude nicht verlassen konnten. In Zehnergruppen und von der Polizei gesichert konnten die Gäste den Veranstaltungsort dann verlassen.

Die Polizei geleitete anschließend die AfD-Politiker zu ihren Fahrzeugen.

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