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Rendsburg Schätze aus dem Mittelalter aufgetaucht
Lokales Rendsburg Schätze aus dem Mittelalter aufgetaucht
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21:08 13.11.2015
Von Sven Tietgen
Die verschollenen Bronzelöwen sind wieder aufgetaucht: Die mittelalterlichen Kunstwerke stehen in Amsterdam und St. Petersburg und sind Millionen Euro wert. Quelle: Sven Tietgen
Bordesholm

Im Mittelalter zierten die kunstvoll gearbeiteten Figuren die Grabplatte der Ritter Pogwisch, jetzt prangen sie als hoch gehandelte Schätze in den Museen von Amsterdam und St. Petersburg.

 Bieke van der Mark vom Amsterdamer Reichsmuseums brachte den Stein ins Rollen. Bei einer Inventur stolperte die Museumsmitarbeiterin über den Wolf im Wappen, das eins der 60 Zentimeter großen Raubtierskulpturen in den Tatzen hält. Bei Recherchen stieß sie auf die Familien Pogwisch und Ahlefeld, die seit dem 14. Jahrhundert viel Geld in den Ausbau und die Ausstattung des Bordesholmer Chorherrenstiftes inklusive der Kirche steckten. Van der Mark nahm Kontakt mit dem Museum auf der Klosterinsel auf, Wolfgang Bauch verglich daraufhin ihre Angaben mit einer Beschreibung des Klosterkircheninventars von 1864 – und konnte sie eindeutig als Bordesholmer Stücke zuordnen.

 Die Niederländerin machte dann auch die beiden anderen Pogwisch-Löwen ausfindig, die Figuren lagern im Magazin der Eremitage im russischen St. Petersburg. Bisher gingen die Geschichtsexperten wie der Archäologe Bauch davon aus, dass die Bronzefiguren eingeschmolzen wurden. Ihre Spur verlor sich, als sie 1864 im Zuge einer Klosterkirchenrestaurierung an Hamburger Händler verkauft wurden – für damals 160 Taler. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Objekte nach der Besetzung der Niederlande konfisziert und 1944 für 100000 Reichsmark verkauft. 1952 erwarb sie das Amsterdamer Museum. „Dass die Löwen wieder aufgetaucht und identifiziert sind, ist ganz klar eine Sensation“, erklärte Bauch. Bordesholm steht jetzt weltweit im Blickpunkt: The Burlington Magazine, die führende Fachzeitschrift für Kunst und Kunstgewerbe, hob The North German Lions auf die Titelseite der November-Ausgabe.

 Die Bronzelöwen trugen einst die Grabplatte des 1554 gestorbenen Wolfgang Pogwisch und seiner Ehefrau, die Steinplatte bedeckte damals eine Gruft im Mittelschiff der Klosterkirche. Im 18. Jahrhundert wurden die Löwen als Stützen für das 1737 von Herzog Karl Friedrich gestiftete Taufbecken benutzt. Wolfgang Bauch deutete an, dass die Löwen bereits vor der Pogwisch-Epoche existiert haben könnten: „Die Art der Ausführung macht es wahrscheinlich, dass sie viel älteren Datums sind.“ Der pensionierte stellvertretende Leiter des Archäologischen Landesamtes hat bereits Kontakt mit den Museen aufgenommen, beide Einrichtungen haben eine Ausleihe der Kunstwerke zugesagt. Allerdings ist eine Ausstellung erst 2017 möglich – und richtig teuer wird es auch. Denn neben der Leihgebühr, die im fünfstelligen Bereich liegen dürfte, müssten hohe Versicherungsprämien gezahlt werden. Jeder einzelne Löwe hat einen Versicherungswert von 600000 Euro. „Wir versuchen deshalb, im nächsten Jahr eine Kopie zu bekommen“, kündigte Bauch an.

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