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Rendsburg Der Umgang muss noch gelernt werden
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10:42 25.08.2018
Zwei Wölfe stehen im Wildpark Eekholt im Gehege. Hungrige Wölfe sind ein Problem für Schafhalter. Auch Menschen fühlen sich bedroht. Quelle: Carsten Rehder/dpa (Symbolbild)
Flintbek

Das klägliche Blöken dutzender Schafe dringt durch die Nacht. Unruhig drängt sich die Herde zusammen. Die Tiere riechen ihren Feind: ein hungriger Wolf, der auf leisen Pfoten durch die Dunkelheit streicht. Tote Lämmer zeugen am nächsten Morgen von seinem Mahl. "Die Stimmung auf Eiderstedt unter den Schafhaltern ist sehr gereizt", sagt Martin Schmidt vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). "Die wollen den Wolf nicht, sie sagen, er gehört nicht hierher." Doch der Wolf ist streng geschützt. Er darf nicht geschossen werden. "Wir können nur Zäune bereit stellen und Entschädigungen geben", sagt Schmidt.

Der Wolf ist noch immer fremd

In Schleswig-Holstein ist der Wolf auch 18 Jahren nach seiner Rückkehr nach Deutschland noch nicht wieder heimisch geworden. Bislang war er im nördlichsten Bundesland nur auf "Stippvisite". Seit der ersten Sichtung eines Wolfs im April 2007 bei Süsel wurde der Wolf bislang knapp hundert Mal gesehen beziehungsweise seine Spuren entdeckt. "Ein Wolf gilt erst als sesshaft, wenn er mindestens sechs Monate nachgewiesen wurde", sagt Wolf-Gunthram Freiherr von Schenck vom Wolfsinformationszentrum.

Seit rund drei Monaten sorgen zwei junge Wolfsrüden für Aufregung. "Mindestens zwei", sagt Schmidt. Denn noch seien nicht alle DNA-Spuren ausgewertet worden. Die beiden sind Geschwister, ein Jahr alt, und aus Dänemark eingewandert. Der eine lebt im Raum Pinneberg/Segeberg, sein Bruder ist auf Eiderstedt unterwegs, sagt Landesamt-Sprecher Schmidt. "Es sind Einzeltiere. Sie probieren sich erstmal aus." Sie seien noch zu jung, um ein Rudel zu bilden.

Der Norden bietet kaum Lebensraum für den Wolf

Außerdem sagen Experten, dass das waldarme Schleswig-Holstein kein "Wolfs-Land" ist. "Es gibt zu wenig Rückzugsräume - also ungenutzte Waldgebiete." Wenn der Wolf einzeln durchzieht, mache ihm das nichts aus. Ein Rudel brauche jedoch Rückzugsräume, um in Ruhe die Jungtiere aufziehen zu können. Dafür würde sich Schleswig-Holstein nicht eignen. "Ob das letztendlich so kommt, oder ob nicht doch irgend ein Wolf in irgend einer Ecke ein ihm passendes Revier findet, kann niemand wirklich präzise vorhersagen", sagt Schmidt.

Ein Wolf in der Freiheit braucht laut von Schenck täglich rund drei Kilogramm Nahrung: "Bezogen auf ein durchschnittlich 100 Hektar großes Jagdrevier braucht ein Wolf ein halbes Reh auf 100 Hektar pro Jahr. Außerdem frisst kein Wolf sein Revier leer", sagt er. "Ein Wolf jagt selektiv: Er schnappt sich nicht die schnellen, gesunden, Kraft strotzenden Tiere, sondern jagt die schwachen, kranken überalterten oder verletzten Tiere - ähnlich wie ein Jäger, der auch darauf achtet, einen möglichst gesunden Wildbestand zu haben."

Situation wird sich beruhigen

"Es ist nicht so, dass sie uns den Wildbestand auffressen", bestätigt der Vizepräsident des Landesjagdverbands, Andreas-Peter Ehlers. Viele Menschen würden jedoch Probleme mit dem Wolf haben, sagt er. "Nicht die Menschen, die in der Großstadt wohnen, und als Touristen alles ganz toll finden, sondern die Menschen vor Ort, die permanent damit direkt konfrontiert sind."

Martin Schmidt glaubt, dass sich die Gemüter beruhigen werden. Eine ähnliche Situation habe es in Sachsen vor zehn Jahren gegeben: «Das waren damals zwei, drei Jahre kribbelige Geschichten, aber inzwischen spricht kein Mensch mehr darüber. Die Schafhalter wissen, dass es ohne Zäune nicht geht, dass sie entschädigt werden für Risse, und dass der Wolf überwiegend Wildtiere nimmt: Es ist ein Nebeneinander. Ich denke, da kommen wir auch hin: Es ist nicht der Untergang des Abendlandes», sagt Schmidt.

Von dpa

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