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Rendsburg Ein persönliches Geschichtsbuch
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17:55 03.02.2010
Altenholz

Vorn auf dem Titelbild ist ein Foto mit pommerschen Hügeln und viel Sand zu sehen, mit dem die Leute in ihrer Heimat damals den Küchenboden scheuerten. Damit wurde der Dreck abgeschliffen, „das war eine praktikable Methode und nicht so rutschig“, sagt Almuth Klemp, die heutige Besitzerin auf Projensdorf, und schnell ist ein Gespräch hergestellt, weil Christel Zindler vom Herrenhaus spricht, wo „die armen Frauen“ durchaus auf dem Boden knieten und alles mit Kernseife ausschrubbten.

Sie wurde 1941 in Pinnow im Kreis Neustettin geboren und war im Januar 1945 mit ihrer Mutter und den drei Schwestern ihrem Vater gefolgt, der kurz zuvor Richtung Westen geflüchtet und auf Projensdorf gelandet war. Wahrlich nicht selbstverständlich in den Kriegswirren, dass eine Familie beisammen bleiben konnte. „Nein“, sagt sie selbst, „und auch nicht, dass wir nicht ins Flüchtlingslager mussten, sondern ein richtiges Dach überm Kopf hatten.“ Im ersten Stock des Herrenhauses durfte die Familie zwei Räume beziehen, 80 Quadratmeter waren es insgesamt, und auf dem Dachboden standen die nötigen Möbel, schöne Möbel, wie Christel Zindler sagt. „Ich fühlte mich damals wie eine Prinzessin“, auch wenn sie sich noch gut an angstvolle Bombennächte im Keller erinnert. „Wir bekamen alles, was wir brauchten, da waren wir im Gegensatz zu anderen Vertriebenen klar privilegiert.“

Die drei Hauptmahlzeiten mit Kohl und Kartoffeln, Milch und sonntags Brot gab es vorn in der großen Halle. Dort im Foyer, wo heute Hochzeitsgesellschaften Sekt trinken, hängt ein Porträt des damaligen Besitzers, Großvater von Almuth Klemp. Es zeigt den Bankier Dr. Otto Knapp, Teilhaber der Ahlmann-Bank, und ihm fühlt sich Christel Zindler noch immer respektvoll verbunden. Auf ihrem täglichen, 3,5 Kilometer langen Schulweg zu Fuß zur Holtenauer Fähre war er oft mit seinem Opel Kapitän vorbeigekommen und hatte den Chauffeur anhalten lassen. „Guten Tag, Christel“, sagte er, und schüchtern antwortete sie „Guten Tag!“, was er so nicht gelten lassen wollte, weil der Anstand eine korrekte Anrede erforderte, „Ich sage doch auch Christel“. Benimmunterricht ganz nebenbei. Später hatte Otto Knapp ihre Mutter gebeten, sie doch bitte Mittlere Reife machen zu lassen, wodurch sie Versicherungskauffrau werden konnte.

Längst wohnte man im kleinen Gärtnerhaus, wo es zwar eng war, die Mutter aber endlich wieder kochen und der Vater Sauerkraut und Salzgurken machen konnte. Es seien bescheidene, aber schöne Jahre gewesen. Als ihr Vater starb und es ein endlos langes Jahr dauerte, bis die Witwenrente überwiesen wurde, hatte Otto Knapp der Familie die Miete gestundet.

Christel Zindler sollte noch bis 1963 auf dem Gut leben, bis sie gemeinsam mit ihrem Mann eine Gärtnerei in Friedrichsort kaufte. Von Pettycoat und ihren Idolen schreibt sie, Harry Belafonte und Elvis Presley, von der Zeit der „Nietenhosen“ und davon, dass sie sich heimlich am Schrank ihrer Schwester Irma bediente - auch wenn es dafür wiederholt Ohrfeigen gab. Damit Enkeltochter Larissa so etwas wie einen objektiven Eindruck der Zeitgeschichte bekommt, hat Christel Zindler vor allem in Jürgen Jensens „Kieler Zeitgeschichte im Pressefoto“ geblättert und diese neben die persönlichen Bilder gestellt. 1500 Euro verschlang der Druck für die rund 20 gebundenen Bücher. „Aber das war es mir wert.“ Und Larissa weiß den Einsatz hoffentlich zu würdigen.

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