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Rendsburg Gefahr durch versenkte Chemiewaffen in der Ostsee
Lokales Rendsburg Gefahr durch versenkte Chemiewaffen in der Ostsee
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17:20 04.09.2014
Von Lutz Timm
Andrzej Jagusiewicz, Ralph Hohenschurz-Schmidt, Dr. Matthias Brenner und Claus Böttcher (von links) diskutierten über Chemiewaffen in der Ostsee. Ganz links Übersetzerin Heike Elisabeth Jüngst. Quelle: Timm
Eckernförde

Rund 50 Gäste waren gekommen. Für eine Podiumsdiskussion mit derartigem Inhalt seien es eigentlich viel zu wenige, befand Michael Pakschies vom Green-Screen-Förderverein. „Das Thema ist so brisant, dass es nicht nur Eckernförder, sondern alle Menschen an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste brennend interessieren müsste.“ Schließlich ginge es beim Festival nicht nur darum, die Leute für die Schönheit der Natur zu sensibilisieren, sondern auch auf Missstände hinzuweisen.

 Zur Einführung wurden Ausschnitte aus dem Film Versenktes Gift – wie Chemiewaffen das Meer verseuchen von Nicola Koutsikas gezeigt, die deutlich machten, dass die Gefahr durch verklapptes Kriegsgerät aus den Weltkriegen besonders in der Ostsee zunehmend zu einem Problem wird. Der gefährliche Inhalt von Bomben, Granaten und Minen gelangt durch Korrosion immer häufiger in das Wasser und gefährdet sowohl Menschen als auch das gesamte Ökosystem – mit unabsehbaren Folgen für die Zukunft. Moderator Ralph Hohenschurz-Schmidt, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Rendsburg-Eckernförde, hatte ausgewiesene Experten in der Runde, um die äußerst vielschichtige Problematik zu erörtern.

 Andrzej Jagusiewicz, oberster Inspektor der Umweltschutzbehörde in Polen, sprach von 50000 Tonnen Waffen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in der Ostsee versenkt wurden. Das Problem sei, dass man nicht genau wisse, wo. Viele seien einfach auf der Fahrt zum eigentlichen Verbringungsgebiet unkontrolliert ins Meer gekippt worden. Er warnte davor, dass durch Lecks in Waffen ganze Gebiete verseucht werden könnten und forderte: „Es ist ein globales Problem. Wir müssen global denken und lokal handeln.“

 Erschwert wurde der Umgang mit der Weltkriegslast vor allem von den Verursachern selbst. Die Alliierten vereinbarten nach der Verklappung in den Weltmeeren Geheimhaltung bis ins Jahr 2017. Die Auswirkungen spüren vor allem diejenigen, die Menschen und Schifffahrt bei Funden schützen sollen. „Wir müssen die Waffen lokalisieren. Wenn die Metallhülle weggerostet ist, finden wir die Dinger nicht wieder“, sagte Claus Böttcher, Referent des Umweltministeriums für Munition im Meer. Schon jetzt sei der Kampfmittelräumdienst täglich im Einsatz, könne aber nicht mehr leisten, als die Funde zu beseitigen. Man arbeite sich derzeit durch die Akten, um eine möglichst vollständige Kartierung zu erreichen.

 Dass das immense Ausmaß, die unabsehbaren Folgen und die schwierige Beseitigung der chemischen Kampfstoffe in der Ostsee die Besucher bewegte, wurde in der Diskussion sichtbar. Die gezielten Nachfragen nach finanziellen Mitteln, politischem Willen und direkten Auswirkungen verdeutlichten die Verunsicherung, die nach den informativen und bisweilen erschreckenden Beiträgen der beteiligten Experten blieb.

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