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Stern-Beitrag empört Feuerwehren

Nach Brand in Kronshagen Stern-Beitrag empört Feuerwehren

Ein satirisch gemeinter Beitrag des Magazins Stern löst landesweit Empörung bei den Kameraden der Feuerwehren aus: Im aktuellen Jahresrückblick wird die vom verheerenden Brand betroffene Wehr in Kronshagen wegen angeblichen Eigenverschuldens als "Verlierer des Jahres" gestempelt.

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Entsetzt über den aktuellen Jahresrückblick des Magazins Stern (von links): Sönke Körner, stellvertretender Gemeindewehrführer, und Bürgermeister Ingo Sander (CDU) ärgern sich über den Stempel "Verlierer des Jahres".

Quelle: Torsten Müller

Kronshagen. „Das kommt davon, wenn zehn Männer mit glimmender Zigarette im Bett einschlafen“, heißt es in dem Magazin. Es führt die Kronshagener Wehr in der Loser-Liste gemeinsam mit Martin Winterkorn und Till Schweiger. Was ist Satire und was einfach nur daneben? „Wir haben nicht gelacht“, sagt Gemeindewehrführer Christian Esselbach. Er habe gehofft, dass nach den anstrengenden Monaten nun zu Weihnachten für die Wehr etwas Ruhe einkehre, doch nun müssten sich die ehrenamtlichen Helfer auch noch um so etwas kümmern. „Wir versuchen seit Jahren gegen Klischees anzukämpfen - beim Stern aber offenbar vergeblich“, sagt Esselbach. Er erwartet eine Entschuldigung vom Stern.

Auch Sönke Körner, stellvertretender Wehrführer, hält die Wirkung unter den 62 Kameraden für fatal: „Sie haben das wie einen Tritt zwischen die Beine wahrgenommen. Für Feuerwehrkameraden, die mitansehen mussten, wie ihre eigene Wache abbrannte, ist das schon verletzend.“ Auch Daniel Peterßon versteht da keinen Spaß. Er wohnte mit seiner Familie in dem Feuerwehrhaus, als der Brand am 22. Februar ausbrach: „Meine fünfjährige Tochter spricht das Thema immer wieder an.“

Bürgermeister Ingo Sander (CDU) ist verärgert: „Der Sachverhalt eignet sich nicht für Satire und komische Witze.“ Der Beitrag sei daneben und zeuge von Respektlosigkeit gegenüber dem Ehrenamt. Sämtliche Fahrzeuge seien damals vernichtet und ein Schaden von fünf Millionen Euro entstanden. Die freiwilligen Helfer leisteten allein in den ersten drei Tagen nach dem Brand mehr als 600 Arbeitsstunden, um die Einsatzfähigkeit wiederherzustellen. Das große Engagement ist auch ein Grund, dass der Wiedereinzug bereits im kommenden März über die Bühne gehen kann.

Der Stern-Beitrag löste landesweit Kritik aus. Die Facebook-Seite der Kronshagener Wehr verzeichnete Tausende von Klicks. Der Landesfeuerwehrverband protestierte in einem Brief an Chefredakteur Christian Krug: „Dass Sie schreiben, das Feuer sei durch Fahrlässigkeit der eigenen Kräfte entstanden, ist nicht nur eine unerträgliche Unterstellung, sondern beweist auch Unkenntnis und Lücken in Ihrer journalistischen Qualität.“ Auch der Verband fordert eine Entschuldigung: Die Wehr sei alles andere als ein Verlierer.

Reumütig meldete sich die Redaktion des Stern am Mittwoch auf der Facebook-Seite der Wehr: „Das kommt davon, wenn zehn Redakteure versuchen, sich einen Witz auszudenken.“ Pressesprecherin Sabine Grüngreiff betonte auf Nachfrage den Respekt gegenüber der Wehr, eine weitergehende Entschuldigung sei jedoch nicht vorgesehen.

 Hier sehen Sie Bilder vom Großbrand bei der Feuerwehr in Kronshagen.

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Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

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