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Rendsburg Slam-Poet liebt lustige Prosa
Lokales Rendsburg Slam-Poet liebt lustige Prosa
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18:30 23.08.2013
Von Uwe Rutzen
Der 19-jährige Eckernförder Hinnerk Köhn hat als Slam-Poet schon mehrere Wettbewerbe gewonnen und sich für die deutschsprachigen Meisterschaften der Klasse U20 qualifiziert. Quelle: Rutzen
Eckernförde

Hätten Goethe, Kleist, Schiller oder Ringelnatz in einer gemeinsamen Zeit gelebt und sich zum Austausch ihrer Arbeiten getroffen, dann wäre das ein Dichterwettstreit gewesen. Heute heißt das Poetry Slam – ein Begriff, der Mitte der 80er Jahre in den USA erfunden wurde, mit dem Ziel, das Interesse an Lesungen wiederzubeleben. Inzwischen hat sich daraus eine Kunstform entwickelt, die vor allem im deutschsprachigen Raum immer mehr Anhänger findet.

Hinnerk Köhn zählt zu den herausragenden Talenten im Lande. Er ist durch Paul Fejfar, einem guten Freund, zum Slam-Poeten geworden. „Ich habe als Kind schon viel gelesen“, erzählt der 19-Jährige. Als Paul ihn im Frühjahr 2012 für einen Wettbewerb gleich mit anmeldete, war dies der Beginn einer noch jungen, aber bereits sehr erfolgreichen Karriere. Gleich auf Anhieb holte Hinnerk den zweiten Platz. Mittlerweile ist er bei etwa 50 Slams aufgetreten. Nicht nur im norddeutschen Raum, auch schon zweimal im französischen Metz. Er hat unter anderem das Kieler Stadtfinale in der Altersklasse U20 gewonnen, darf sich Hamburger Lautsprecher-Meister nennen und wurde in diesem Jahr Schleswig-Holsteins U20 Vize-Champion.

„Ich war schon immer recht bühnengeil“, sagt er über sich selbst und erinnert sich an Theateraufführungen an der Eckernförder Jungmannschule. Dass ihn bei den Slam-Veranstaltungen mitunter mehrere hundert Zuschauer genau beobachten, stört ihn nicht. Ganz im Gegenteil. Es spornt ihn an. „Ich trage in erster Linie lustige Prosa vor“, erzählt Hinnerk. Die Ideen, die er textlich verarbeitet, findet er im alltäglichen Leben – vielfach als zufälliger Beobachter. Erst vor wenigen Tagen wurde er Zeuge eines Gesprächs zwischen zwei Jungverliebten und hat dabei den Satz „Schatz, wir müssen unbedingt noch über die Melodie für unsere Türklingel sprechen“ aufgeschnappt. So etwas inspiriert ihn. „Das wird bestimmt in einem meiner Texte auftauchen“, ist er sich sicher.

Wie lang die Texte sein müssen und welches Zeitlimit es gibt, wird von den Veranstaltern vorgegeben. Außerdem müssen die Texte selbst verfasst sein. Der Vortragende darf keine Requisiten oder Kostüme verwenden. Hingegen sind alle literarischen Formen und Genres erlaubt. Wer gewinnt, entscheidet am Ende das Publikum mit der Vergabe von Punkten von eins bis zehn. Was macht einen guten Poeten aus? „Er muss Fantasie mitbringen, Talent zum Schreiben und Bühnenpräsenz“, sagt Hinnerk.

In Schleswig-Holstein ist Björn Högsdal der führende Veranstalter von Poetry-Slam-Abenden. Regelmäßig lädt er zu solch modernen Dichter-Wettbewerben ein. Auch die deutschsprachigen U20 Meisterschaften, die vom 18. bis 21. September in Kiel ausgetragen werden, richtet er aus.

Lohnt sich die Teilnahme finanziell? Hinnerk verneint. „Wir bekommen die Fahrtkosten erstattet und freie Getränke“, erzählt er. Die Siegprämien haben eher symbolischen Charakter. Mal ist es ein Wackeldackel, mal eine Saftpresse.

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