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Rendsburg Rendsburg erinnert an früheren Nazi
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07:18 20.03.2019
Von Hans-Jürgen Jensen
Rendsburg erinnert an früheren Nazi: Günter Neugebauer steht neben der Büste des früheren Rendsburger Bürgermeisters Dr. Heinrich de Haan. Quelle: Wolfgang Mahnkopf
Rendsburg

Es sei eine formale Entscheidung des Kulturausschusses gewesen, sagte sein Vorsitzender Michael Rohwer (SPD) aus Wasbek am Dienstag. „Der Name ist ja falsch.“ Der Kreis als Eigentümer des Gebäudes müsse ihn korrigieren. Richtig sei die Bezeichnung „BBZ Rendsburg-Eckernförde“. Als Außenstelle des Berufsbildungszentrums an der Kieler Straße trägt das Haus schon jetzt diesen Namen.

Zwar habe es im Ausschuss keine Diskussion über die Rolle de Haans als Nationalsozialist gegeben, sagte Rohwer. Aber: „Der Ausschuss ist sich sehr bewusst, um was es geht“, das gelte „absolut auch“ für die geschichtliche Einordnung des früheren Rendsburger Bürgermeisters.

Rendsburg erinnert an früheren Nazi: "Nicht angemessen"

Rendsburg hätte längst den Namen Heinrich de Haans an der Schule entfernen müssen, meinte Rohwer. Bis 2011 gehörte das Gebäude Rendsburg als Standort einer städtischen Förderschule. Der Kreis kaufte es, um sein Berufsbildungszentrum an der Kieler Straße zu vergrößern. De Haans Vergangenheit „war doch schon länger bekannt“, sagt Rohwer.

Die Diskussion über Heinrich de Haan hat Günter Neugebauer in seinem vor wenigen Wochen vorgelegten Buch über „Opfer und Täter in Rendsburgs NS-Zeit“ neu angestoßen. „Bei der von Neugebauer aufgedeckten Verflechtung mit dem NS-Regime ist es nach unserer Auffassung nicht angemessen, Herrn de Haan weiter mit einem Schriftzug an einem Gebäude des Kreises zu ehren“, meint Kai Dolgner, Chef der SPD-Kreistagsfraktion.

"Heinrich de Haan wurde zu einem angepassten Mitläufer"

In seinem Buch schreibt Neugebauer über den ehemaligen Bürgermeister: „Bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten in Rendsburg 1933 bekämpfte er die demokratischen Strukturen der Weimarer Republik. Nach dem Machtwechsel beantragte er umgehend seine Mitgliedschaft in der NSDAP und wurde zu einem angepassten Mitläufer.“ De Haan habe sein Rendsburger Bürgermeisteramt 1934 zwar verloren, sich den Nazis aber angebiedert. Seinen Aufnahmeantrag habe die Rendsburger NSDAP zwar 1933 abgelehnt, wenige Jahre später habe ihn die Partei mit der Mitgliedsnummer 4441250 aufgenommen.

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Dass die Nazis de Haan in Rendsburg aus dem Amt getrieben hätten, bezeichnet der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete und Ratsherr Neugebauer als „bis heute bekannte“ Nachkriegslegende. Ihr sei er auch aufgesessen. „Bis zum Beginn meiner Recherchen, glaubte ich, dass de Haan ein Opfer des Nationalsozialismus war.“ Fakt ist, 1934 verlor er das Amt, wurde Kurdirektor auf Norderney, Bad Oeynhausen und Bad Wildungen und 1950 erneut Rendsburger Bürgermeister. De Haan habe sich dann „ob aus Opportunismus oder aus Überzeugung“ zu den demokratischen Grundwerten bekannt. Neugebauer beleuchtet auch die andere Seite des Politikers: „In den 1950er Jahren erwarb er sich durch die Aufnahme internationaler Städtepartnerschaften als Zeichen der Aussöhnung viel Ansehen.“

Rendsburg erinnert an früheren Nazi: "Stadt sollte sich das überlegen"

Der Historiker Dr. Martin Westphal lobt Neugebauers Werk: „ Er fügt die Fakten zusammen“. Die Arbeit sei „sauber durchrecherchiert“, sagt der Leiter des Historischen Museums. „Die Schlüsse daraus muss die Ratsversammlung ziehen.“ Diese tagt im Historischen Rathaus am Altstädter Markt. Vor dem Gebäude steht seit zehn Jahren eine Büste Heinrich de Haans. Sein Sohn Wolfgang de Haan hatte sie zum 113. Geburtstags seines Vaters in Auftrag gegeben. Michael Rohwer, Vorsitzender des Kreis-Kulturausschusses: „Inhaltlich kann ich der Stadt nur sagen, dass sie sich überlegen sollte, ob die Büste weg soll. Die Sachlage ist klar.“

Nur de Haan war zweimal Bürgermeister in Rendsburg

Als Bürgermeister erlebte de Haan drei politische Systeme: die Weimarer Republik, den Beginn des Nationalsozialismus und die Demokratie in den 1950er Jahren. Er war als einziger Politiker zweimal Bürgermeister in Rendsburg – von 1929 bis 1934 und von 1950 bis 1957. So beschreibt es der Historiker Edward Hoop. De Haan wurde am 5. April 1896 in Bremerhaven geboren. Er habe ein Medizinstudium begonnen, sich aber 1914 freiwillig zum Kriegsdienst beworben, berichtet Günter Neugebauer in seinem Buch. Nach dem Krieg habe er Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Frankfurt studiert und sich 1929 als Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei bei der Rendsburger Bürgermeister-Direktwahl gegen einen SPD-Mann durchgesetzt. 1950 gewann er nach seiner Zeit als Kurdirektor auf Norderney, Bad Oeynhausen und Bad Wildungen in der Ratsversammlung die Bürgermeisterwahl gegen Stadtdirektor Ernst Wüstenberg. De Haans Amtszeit endete 1957 mit seinem Tod.

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