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Segeberg Menschenrechte weiter Thema
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17:10 12.05.2016
Von Andreas Wicht
Ulrike Haeusler (von links), Claudia Jockisch, Volker Meyer, Gerd Spelling, Constantin Warden, Dorothea Kruse und Karin Hübener setzen sich bei Amnesty für Menschenrechte ein. Quelle: Andreas Wicht
Bad Segeberg

„1976 haben wir mit zehn Leuten angefangen und waren Ende der Siebziger schon 25 Mitglieder“, erzählt Spelling. Die Gruppe mit der Nummer 1451 aus Bad Segeberg setzt sich wie sieben Millionen Mitstreiter aus 150 Nationen vor allem für politische Gefangene und gegen Todesstrafe, staatliche Folter und Misshandlung ein.

 Amnesty arbeitet immer an Einzelfällen, von denen die Organisation einige über Jahre betreut. „Zu Anfang hatten wir eine Frau aus Chile“, berichtet Spelling. „Dort herrschte damals eine grausame Militärdiktatur, die die ganze Familie grundlos bedrohte.“ Den Ehemann habe die chilenische Regierung verschwinden lassen: Er sei nie wieder aufgetaucht. Dafür konnten die Segeberger Aktivisten die Frau und ihren Sohn über Verbindungen zur Kirche in Chile befreien. Danach hat sie noch jahrelang bei ai Segeberg mitgearbeitet, und ihr Sohn habe sogar in der Kreisstadt Abitur gemacht. „So eine spektakuläre Aktion war schon damals eine Ausnahme, und Ähnliches gab es danach nie wieder“, erinnert sich Gerd Spelling.

 Heute ist vor allem Schreibarbeit von den Mitgliedern gefragt. Es werden hauptsächlich Regierungsstellen in den Ländern der Verfolgten und Inhaftierten direkt angeschrieben und immer auch deren Botschaften in Deutschland per Kopie darüber informiert, dass die Betreffenden nicht vergessen seien. Zu 40 Prozent zeige diese beharrliche Methode am Ende Erfolg, heißt es bei Amnesty.

 „Allerdings benötigen wir für unsere Methoden Regierungsstellen. Beim Islamischen Staat funktioniert das nicht, da er entgegen seinem Namen nur ein loser Zusammenschluss von Terroristen ist“, erläutert Gruppensprecherin Karin Hübener aus Klein Rönnau. Aktuell foltern nach ai-Angaben 121 Staaten ihre politischen Gegner. Diese Misshandelten seien oftmals Menschen, die einfach nur Gerechtigkeit im Kleinen fordern. Der aktuelle Fall der Gruppe sei ein gutes Beispiel dafür: Die chinesische Bürgerrechtlerin Liu Ping sitzt im Gefängnis, weil sie Korruption angeprangert hat. Amnesty International fordert die sofortige Freilassung der gewaltlosen Gefangenen.

 Liu Ping wurde 2014 zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Sie hatte gemeinsam mit anderen im April 2013 eine Demonstration organisiert. Damit sollten hochrangige Staatsbedienstete aufgefordert werden, ihre Vermögensverhältnisse offenzulegen. Kurz darauf wurde die Bürgerrechtlerin in ihrer Heimatstadt Xinyu festgenommen. Die Behörden warfen ihr unter anderem vor, sie habe „Streit angefangen“ und durch eine Versammlung die öffentliche Ordnung gestört. Vor Gericht gab Liu Ping an, in der Untersuchungshaft gefoltert worden zu sein. Amnesty International betrachtet die Strafverfolgung als politisch motiviert.

 Wer Liu Ping helfen möchte oder die Segeberger Gruppe mit ihren derzeit acht Mitgliedern bei ihrer Arbeit unterstützen will, kann sich unter www.amnesty-segeberg.de oder direkt bei Gruppensprecherin Karin Hübner (Telefon 04551/7849) melden. Die nächste große Aktion wird in Hamburg sein; dort beteiligen sich die Segeberger an der bundesweiten Menschenkette „Hand in Hand gegen Rassismus“ am 19. Juni ab 16.30 Uhr am Jungfernstieg.

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