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Segeberg Anderer Name für Halfmann-Saal ?
Lokales Segeberg Anderer Name für Halfmann-Saal ?
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00:17 20.01.2014
Von Detlef Dreessen
Der Bischof-Halfmann-Saal in Rickling wurde nach dem evangelischen Theologen und früheren Bischof für Holstein, Wilhelm Halfmann, benannt.

Der Historiker und Gedenkstättenbeauftragte der Nordkirche Stephan Linck hat für ein neues Buch über führende Kirchenvertreter in der Nachkriegszeit recherchiert. Wilhelm Halfmann habe schon 1936 mit seiner Schrift „Die Kirche und der Jude“ die Gesetzgebung gegen jüdische Mitbürger geistig unterstützt, so Linck. Zudem war der Theologe 1933 bis 1936 förderndes Mitglied der SS.

 1946 zum Bischof von Holstein gewählt, duldete Halfmann, dass zahlreiche Nazis in der Kirche beschäftigt wurden. Zudem schrieb er Gnadengesuche für Nazi-Verbrecher wie den SS-Arzt Karl Genzken, der wegen Menschenversuchen im KZ zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, und Carl Oberg, der als Polizeiführer von Paris die Verhaftung von 70000 französischen Juden verantwortete.

 Nachdenklich zeigte sich gestern Rüdiger Gilde, Direktor des Landesvereins für Innere Mission, dem der Halfmann-Saal gehört. Grundsätzlich sei das Problem schon länger bekannt. „Ich habe aber erst in dem Buch von Herrn Linck vieles erfahren, was ich vorher noch nicht wusste.“ Der Vorstand des Landesvereins werde am 12. Februar darüber sprechen. Der Saal sei nach Halfmann benannt, weil der zur Bauzeit Vorstandsvorsitzender des Landesvereins für Innere Mission war. Zudem sei Halfmann im „Dritten Reich“ Mitglied der Bekennenden Kirche gewesen, einer Vereinigung, die lange als Gruppe aufrechter Nazi-Gegner dargestellt wurde.

 In Itzehoe wurde 2009 die Benennung eines Kirchengebäudes in Wilhelm-Halfmann-Haus verhindert, nachdem Schüler über den Kirchenmann recherchiert hatten. Eine Umbenennung sieht Gilde zwiespältig. „Es darf nicht so aussehen, als wollten wir uns dieses Teils unserer Geschichte entledigen.“ Möglicherweise werde eine Informationstafel aufgehängt.

 Ricklings Bürgermeister Christian Thomann will sich zu dieser Frage nicht äußern. Er macht sich Gedanken um einen anderen problematischen Namenspatron: Paul von Hindenburg. Auch der ehemalige Reichspräsident, der am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte und das Parlament auflöste, ist ins Gerede gekommen. Gerade hat die Kieler Ratsversammlung beschlossen, das Hindenburg-Ufer umzubenennen, weil historische Untersuchungen gegen jegliche Ehrung sprächen.

 In Rickling steht unter einem mächtigen Baum auf der Gedenkstätte „Hindenburg-Eiche - 1. Mai 1933“. Man könnte die Inschrift als Dokument der Geschichte erhalten, sie aber mit einer Informationstafel versehen, überlegt Thomann. Auch eine Umbenennung der Eiche könne er sich vorstellen. Im Ricklinger Sprachgebrauch sei ohnehin nur vom „Ehrenmal“ die Rede.

 Dass in Rickling nicht immer gerne über die braune Vergangenheit gesprochen wurde, zeigt der Umgang mit dem ehemaligen KZ im Ortsteil Kuhlen. Nach dem Krieg war es offenbar nicht opportun, darüber zu reden. Erst 1986 wurde aufgrund von Untersuchungen des Diakons Peter Sutter öffentlich, dass dort 200 Männer von Juli bis Oktober 1933 gefangen gehalten wurden. Bald nach dieser Veröffentlichung wurde eine schlichte Gedenkstätte eingerichtet: Eine Buchenhecke wächst dort, wo einst die Barackenmauern standen. Die Inschrift auf dem Gedenkstein ist zurzeit kaum zu lesen, soll aber bald gereinigt werden, versprach Gilde.

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