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Antikschuppen macht weiter

Bad Segeberg Antikschuppen macht weiter

Er ist einer der ungewöhnlichsten Veranstaltungsorte im Kreis Segeberg: der Antikschuppen zwischen der Rosenstraße und den Bahngleisen. Die Nachricht von seiner angeblichen Schließung hat das regionale Party-Volk zum Jahresende noch einmal gehörig in Aufregung versetzt.

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Im Bad Segeberger Antikschuppen gibt es mit Beginn des neuen Jahres keinen Pächter mehr.

Bad Segeberg. Der Betrieb wird auch in 2014 - und zwar weitgehend wie bisher - fortgeführt. Das versicherte Eigentümer Günter Loose gestern der Segeberger Zeitung.

 Aufgehört haben nach seinen Worten lediglich Sabine Luther als Pächterin und ihr Mann Jan-Erik als Betreiber des Veranstaltungslokals. Die Ehefrau, die in Quaal einen Sicherheitsdienst führt, hatte den Antikschuppen im Jahr 2009 - wie sie damals der SZ sagte - als „zweites berufliches Standbein“ übernommen und das Tagesgeschäft dann dem Eventmanager und Diskjockey Martin Gawinski übertragen. Mit dem Auslaufen des Pachtvertrages zum 31. Dezember ist auch er gegangen. Am Donnerstag fand vor Ort die Übergabe statt.

 Loose, der den aufwändig hergerichteten Komplex gemeinsam mit seinem Partner Dr. Gunnar George seinerzeit von der Bad Segeberger Firma creativevent und deren Geschäftsführer Ingo Micheel erworben und anschließend verpachtet hatte, sieht die aktuelle Entwicklung eher undramatisch: „Der Vertrag mit den Luthers ist ausgelaufen und wurde nicht verlängert. Punkt.“ Zu den näheren Gründen wollte er nichts sagen. Er ließ jedoch durchblicken, dass die Führung einer solchen Einrichtung womöglich doch mehr Erfahrung in dieser Branche erfordere als vorhanden war. Die Luthers waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

 Nachdem sie als Verantwortliche die Nachfolge des Bad Segebergers Torsten Trozki angetreten hatten, der zuvor rund fünfeinhalb Jahre lang für den Antikschuppen verantwortlich gewesen war, versuchten die Eheleute gemeinsam mit Gawinski einen engagierten Neustart. Im ersten Jahr stellten sie bereits über 100 Veranstaltungen auf die Beine, manche Ideen haben bis heute Bestand. Doch die Luthers mussten bereits damals einräumen, dass manches nicht so schnell ins Laufen kam wie erhofft. Zuletzt hatte der Antikschuppen zudem mehrfach für Aufsehen der unerfreulichen Art gesorgt. Immer mal wieder musste die Polizei wegen Körperverletzungsdelikten nach dem Rechten sehen.

 Auch die Mitgliedschaft von Jan-Erik Luther bei der Rockergang „Bandidos“ - die er selbst und auch seine Frau immer eingeräumt hatten - sorgte eine Zeitlang für Irritationen. Laut Polizei nutzten die Bandidos den Antikschuppen als gelegentlichen Treffpunkt, ehe sie sich schließlich in Wahlstedt ein neues Clubheim einrichteten und bezogen. Einen Zusammenhang mit ihrem Unternehmen und dem Engagement in Bad Segeberg haben die Luthers allerdings immer bestritten.

 Doch auch wenn es an der Rosenstraße nun nahtlos weitergeht: Eine wesentliche Änderung werde es künftig in der Organisationsstruktur geben, kündigte Loose gegenüber der SZ an. Auf einen neuen Pächter mit klassischem Mietvertrag wird komplett verzichtet. „Das soll kein Einzelner mehr machen.“ Stattdessen will Loose unterschiedlichen Veranstaltern die Möglichkeit geben, im Antikschuppen ihre Projekte zu realisieren - und zwar jeweils auf eigene Rechnung. „Damit wird das Angebot auch noch vielfältiger.“

 Bewährtes soll allerdings weiterhin seinen Platz haben: „Die Ü-30-Partys von Thomas Kuhn funktionieren gut.“ Die nächste ist für den Sonnabend kommender Woche angesetzt. Der Veranstalter aus Kastorf bei Ratzeburg, der auch selber als DJ Musik auflegt, hatte lange nach einer passenden Location gesucht und war in der Rosenstraße 2a fündig geworden. „Dort können in der Disco nun über 500 Fans ohne Gedränge abfeiern“, erklärte er unlängst. Das soll auch so bleiben.

 Damit jedoch auch weitere Interessenten einen festen Ansprechpartner haben, wird laut Loose eine Agentur vorgeschaltet, die die Belegung des Antikschuppens koordinieren soll. Engagiert hat er dafür die nicht nur in Bad Segeberg bekannte Firma „European Event & Medientechnik“ mit Sitz an der Efeustraße im Gewerbegebiet. „Dorthin kann sich jeder mit seinen Anfragen wenden.“ Ab sofort werde die Halle in Einzelvermietung vergeben, erklärte European-Geschäftsführer Thomas Beth gestern der SZ. „Jeder kann dort etwas machen, er muss sich nur selbst um alles kümmern.“ Gestellt würden lediglich eine Grundausstattung an Beleuchtung und Ton sowie der Hausmeister-Service, der sich auch um die Reinigung kümmert. „Das erledigt die Bad Segeberger Firma Pohl“, sagte Beth. Er und sein Team seien hauptsächlich für die Terminvergabe zuständig.

 Genutzt werden kann der Antikschuppen auch künftig für private Veranstaltungen jeglicher Art, etwa für Hochzeiten. Im Gegensatz zu früher werde aber niemandem mehr eine Vorgabe gemacht, welcher Caterer beispielsweise zu beauftragen ist. „Da ist kein Gastronom mit drin“, versicherte Beth. In den nächsten Tagen müsse sich aber alles erst einmal einspielen. Gestern saß die European-Crew bereits mit Günter Loose zusammen.

 Die ursprüngliche Idee, das nach jahrelangem Leerstand ziemlich heruntergekommene Gebäude zu renovieren und für Veranstaltungen herzurichten, hatte einst Ingo Micheel. 2004 ging das Projekt nach umfangreichen Bauarbeiten an den Start. Seither fanden dort die unterschiedlichsten Veranstaltungen statt: Neben Feten für nahezu alle Altersgruppen und etlichen Konzerten beispielsweise auch kleinere Messen, etwa zum Thema Hochzeit. Auch die Segeberger Kabarett-Gruppe „Die Schwarzbunten“ nutzte den Antikschuppen, ehe er ihnen zu klein wurde.

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