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Segeberg Kandidat zwischen Applaus und Rassismus
Lokales Segeberg Kandidat zwischen Applaus und Rassismus
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19:18 28.07.2018
Von Einar Behn
Serhat Yilmaz rechnet sich gute Chancen bei der Bürgermeisterwahl aus. Quelle: Einar Behn
Bad Bramstedt

Serhat Yilmaz ist in Bad Bramstedt ein bekannter Mann. Als sich der Bürgermeisterkandidat mit der Segeberger Zeitung vor einer Gaststätte auf dem Bleeck trifft, winkt ein Autofahrer aus dem Fenster und ruft laut über den Marktplatz „Bürgermeister“. Yilmaz winkt freundlich zurück. Der Wirt kommt heraus, um die Bestellung aufzunehmen. „Ah, der Bürgermeister“. So geht es dem 28-jährigen ständig. Die Leute sind freundlich zu ihm, zumindest in Bad Bramstedt.

Nachdem kn-online Yilmaz' Bewerbung im Internet öffentlich gemacht hatte, berichteten auch die Istanbuler Zeitung Hürriyet und Sabah über den deutschen Taxifahrer, der Bürgermeister werden will. Allerdings ließ auf Facebook und anderen Internetseiten auch die rechte Szene nicht lange auf sich warten. Auf „Islamnixgut“ beispielsweise heißt es bar jeder Ortskenntnis: „Wildes Kurdistan in Bad Segeberg?: Taxifahrer Serhat Yilmaz (SPD) will Bürgermeister werden – wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!“ Yilmaz gehört dabei gar keiner Partei an. Die NPD hat auf Facebook sogar eine Fotomontage von seinem Wahlplakat veröffentlicht, die ihn mit seiner Kopftuch tragenden Frau zeigt. Überschrift: „Merkels muslimische Neubürger wollen politische Karriere machen…“ Es folgt eine Reihe von Schmähkommentaren. Yilmaz hat Strafanzeige gegen alle gestellt, die die Fotomontage gepostet haben.

Die Schmähungen nehmen für ihn mittlerweile bedrohliche Formen an. „Dass ich mal Kanake genannt werde, damit lebe ich schon lange, aber das hier ist schon ernst.“

„Schon immer wollte ich Bürgermeister werden“, erzählt Yilmaz. „Als ich mich bewerben wollte, hat mich meine Frau ausgelacht. Und mein Vater hat mich für verrückt erklärt.“ Mittlerweile habe er so viel Unterstützung, dass auch seine Familie ihn ernst nimmt. Vor allem im Taxi redet Yilmaz viel über seine Pläne. „Die Leute finden das gut“, sagt er. Und er hört sich auch ihre Sorgen an. Zuerst müsse ein Krankenhaus her. "Ich fahre häufig Patienten nach Neumünster zum Friedrich-Ebert-Krankenhaus oder zur Paracelsus-Klinik nach Henstedt-Rhen, schwer kranke Menschen, die zur Chemo oder Dialyse müssten. Die Autofahrt ist für sie eine Zumutung."

Yilmaz hat viel vor. Die Schulen müssten besser ausgestattet, mehr Kindergartenplätze geschaffen werden. „Die Leute fragen mich, wovon ich das denn bezahlen will?“ Genau weiß er das auch nicht. Aber: „Die Stadt will für Millionen ein neues Feuerwehrhaus bauen, wovon das bezahlt werden soll, wissen die doch auch nicht.“

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