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Segeberg Hunde bringen Unruhe im Wald
Lokales Segeberg Hunde bringen Unruhe im Wald
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10:00 01.07.2016
Von Einar Behn
Wilfried Holtorff zeigt auf das Plakat, das die Jäger in der Alten Schmalfelder Landstraße aufgestellt haben. Mit drastischen Fotos eines gerissenes Damkalbes appellieren sie an Hundehalter, ihre Lieblinge im Wald anzuleinen. Quelle: Einar Behn
Bad Bramstedt

Wilfried Holtorff (65) vom Hegering Bad Bramstedt gehört zu den Initiatoren der Aktion. Im Frühjahr hatte er ein übel zugerichtetes Damwild-Kalb an der Schmalfelder Landstraße gefunden. „Wir haben den Wolfsbeauftragten Wolfgang Springborn aus Hasenkrug zu Rate gezogen“, erzählt Holtorff. Der veranlasste eine DNA-Untersuchung, durch die zweifelsfrei festgestellt wurde, dass kein Wolf am Werke war, sondern ein Hund.

 „Leider ist das kein Einzelfall“, erklärt Holtorff. Die Jäger entdeckten immer mal wieder tot gebissenes Wild, „doch das meiste finden wir gar nicht“, meint er. Die Dunkelziffer sei also hoch. Der Waidmann aus Bad Bramstedt beobachtet bei seinen Streifzügen durch die Natur häufig Spaziergänger, die ihren Hund nicht angeleint haben. „Im Wald besteht aber Leinenzwang“, betont Holtorff. Die meisten missachteten das. „Besonders schlimm ist es, wenn die Leute ihren Hund dann gar nicht unter Kontrolle haben, er nicht bei Fuß geht, sondern vorausläuft.“ Wenn Hunde dann eine Fährte aufnehmen, seien sie nicht mehr zu stoppen. „Fast alle Hunde haben einen Jagdinstinkt.“ Und auch, wenn die Hunde das Wild nicht zu fassen bekämen, richteten sie großen Schaden an. „Sie bringen Unruhe in die Natur, gerade jetzt, wo die Tiere ihre Jungen aufziehen.“ Die Erfahrung lehre, dass es keinen Sinn macht, die Hundehalter persönlich anzusprechen. Viele reagierten aggressiv, „das habe ich aufgegeben“, erzählt der Jäger.

 „Mein Hund tut so etwas nicht ... und er tut so etwas doch!“ steht auf dem Stellschild an der Alten Schmalfelder Landstraße. Dazu drei Fotos von dem zu Tode gehetzten und gebissenen Damkalb. Ein gleiches Schild steht auch am Hamwinsel, ein weiteres soll ebenfalls in der Gemarkung Bad Bramstedt aufgestellt werden.

 Dass Hunde zu reißenden Bestien werden können, müssen auch immer wieder Schäfer erfahren. Ende letzten Jahres waren drei Schafe in Latendorf, Föhrden-Barl und Wiemersdorf getötet worden. Auch damals stand der Wolf im Verdacht. In einem Fall, in Wiemersdorf, konnte aber ebenfalls genetisch nachgewiesen werden, dass ein Hund das Schaf gerissen hat. In den anderen beiden Fällen gab es kein genetisch verwertbares Material. Anhand der Bisswunden meinten Experten, dass in Latendorf eher ein Wolf, in Föhrden-Barl ein Hund in Frage komme.

 Der Wolf, der nur ganz vereinzelt in Schleswig-Holstein vorkomme, sei ein weit geringeres Problem als streunende Hunde, meint Holtorff. In Bad Bramstedt sei ihm nur ein Fall bekannt geworden, bei dem ein Rehkitz nachgewiesenermaßen von einem Wolf gerissen wurde, vor zwei Jahren in der Nähe der Moorbahn-Anlage.

 Dass Wild schutzbedürftig sei, macht Holtorff an Zahlen deutlich: „Wir holen pro Jahr rund 40 bis 60 Tiere überfahrenes Schalenwild von den Straßen im Bad Bramstedter Revier.“ Zum Schalenwild zählen alle jagdbaren Huftiere: Rehe, Hirsche und Wildschweine. Die riesigen Maschinen in der Landwirtschaft, wie Maishäcksler, Mähdrescher und Walzen, seien ebenfalls ein Todfeind des Wildes.

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