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Segeberg Kitas wollen mehr Personal
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18:00 25.02.2017
Von Sylvana Lublow
Die Lütten der Kita Sommerland lassen sich von einem Schnupfen nicht unterkriegen. Doch wenn zu viele Erzieherinnen krank werden, kann Leiterin Wiebke Kollmorgen eine gleichmäßige Betreuung nicht mehr garantieren. Quelle: Sylvana Lublow
Bad Bramstedt

Um dieser Tage freiwillig eine Kita zu betreten, braucht es durchaus Mut. Jeder zweite kleine Racker hustet und schnieft. An der Eingangstür der DRK-Kita Sommerland hängen Zettel für die Eltern als Warnung: zwei mal Magen-Darm, einmal Bindehautentzündung. Der „ganzjährige Krippen-Schnupfen“, wie Kita-Leiterin Wiebke Kollmorgen es nennt, ist hingegen schon Normalität. Bei all den Viren und Bakterien, die in Kindertageseinrichtungen unterwegs sind, ist es kein Wunder, dass sich auch die Erzieherinnen häufig anstecken und krankgeschrieben werden müssen.

 Eine Studie der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2015 hat ergeben, dass Erzieherinnen überdurchschnittlich hohe Fehlzeiten erreichen. Sie werden im Schnitt 19 Tage im Jahr krankgeschrieben. Das kann Wiebke Kollmorgen nur bestätigen: „Manchmal ist die Hälfte unserer Besatzung gleichzeitig krank.“

 Dieses Problem teilen sich die Bad Bramstedter Kitas derzeit. Krankheit, Urlaub, Fortbildungen: Fast immer sind die Einrichtungen unterbesetzt. Das liege an dem zu knappen Personalschlüssel, sagt Rüdiger Dittmann, Leiter der Kita Arche. 1,5 Erzieher müssen sich um 20 Kinder im Elementarbereich kümmern, in einer Krippengruppe sind es zwei für zehn Kinder. Für Krankheits- und Urlaubszeiten hat der Kreis Segeberg eine Verfügungszeit von 0,4 Erziehern vorgesehen. „Das ist zu wenig“, sagt Dittmann: „Würde die erhöht werden, wäre das Problem schon kleiner.“

 Gemeinsam haben sich die Bad Bramstedter Kita-Leiter in einem internen Gespräch mit diesem Problem an die Stadtverwaltung gewandt. Ihr größter Wunsch: Für jede Einrichtung eine zusätzliche Vertretungskraft in Vollzeit. „Das können wir nicht leisten“, sagte Sozialamtsleiter Roman Koch der SZ. Der Haushalt gebe so viel Geld nicht her. „Wir sind auch nur Teilfinanzierer, die Kitas haben freie Träger“, so Koch. Alles, was über den Personalschlüssel hinaus geht, müsse aber die Kommune zahlen. Doch für mehrere zusätzliche Vollzeit-Erzieher fehle schlicht das Geld. „Und selbst wenn wir könnten, würden wir so schnell gar keine Fachkräfte bekommen, da herrscht nämlich ein großer Mangel.“ Was die Stadt den Kitas allerdings anbieten konnte, sind finanzielle Hilfen im Vertretungsfall. „Wir haben auch schon überlegt, in solchen Fällen Leiharbeitsfirmen mit ins Boot zu holen“, so Koch.

 Und so stehen die Kitas gleich vor mehreren Problemen. Denn nicht nur durch viele Krankheitsfälle herrscht Unterbesetzung. Auch der Fachkräftemangel macht den Kitas zu schaffen. Vier offene Stellen gibt es zum Beispiel gerade in der Kita Sommerland. Die schlimmste Folge der Unterbesetzung, eine vorübergehende Schließung, ist schon eingetreten: „In unserem ersten Jahr 2015 waren so viele Erzieherinnen krank dass wir einen ganzen Tag nicht öffnen konnten und an einem anderen Tag die Eltern anrufen mussten, damit sie ihre Kinder mittags schon abholen kommen“, berichtet Kollmorgen.

 In der Kita Arche schramme man immer gerade so an einer Schließung vorbei. „Wenn wir den Personalschlüssel nicht einhalten können, sind wir gezwungen, Gruppen zu schließen“, so Dittmann. Oftmals sei nur noch die Betreuung der Kinder möglich, alles was darüber hinaus geht, also Bildung und Erziehung, sei dann nicht mehr zu schaffen. Damit die Politik das Problem ernst nimmt, wünscht sich Dittmann, dass sich die Eltern mehr engagieren. Sie wären bei Kita-Schließungen ja auch die Leidtragenden.

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