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Segeberg Iranisches Paar vor Abschiebung bewahrt
Lokales Segeberg Iranisches Paar vor Abschiebung bewahrt
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07:01 23.06.2018
Die Gemeinde Gottes in Bad Segeberg gewährte Kirchenasyl Shahrokh und seine Frau Somayeh aus dem Iran. Pastor Frank Bonkowski (r.) und Kirchenvorstand Reinhard Gertz (l.) sind überzeugt das Richtige getan zu haben. Quelle: Nadine Materne
Bad Segeberg

Das goldene Kreuz an der Kette trägt Somayeh immer bei sich. Sie und ihr Mann sind im Iran zum Christentum konvertiert, haben illegal einen Bibelkreis besucht. „Muslime dürfen nicht konvertieren“, erklärt ein Freund des Paares. Auch er ist aus religiösen Gründen aus dem Iran geflohen. Zudem hat Somayeh den Bibelkreis an Freunde weiterempfohlen. „Das ist Missionierung und auch verboten“, erläutert Pastor Frank Bonkowski. Die Polizei habe schonnach ihnen gesucht. „Menschen verschwinden einfach bei der Polizei", erzählt Somayeh.

Die Abschiebung ins Einreiseland ist sechs Monate lang möglich

Mit dem Flugzeug reisten sie im Dezember über Italien nach Deutschland.  Nach den Dublin-III-Regeln wäre Italien als Einreiseland für die beiden zuständig, binnen sechs Monaten können Flüchtlinge dorthin zurückverwiesen werden. 

„Die Wahrscheinlichkeit in Italien als Asylbewerber auf der Straße zu landen, ist sehr hoch“, sagt Pastor Bonkowski. In der evangelischen Freikirche Gemeinde Gottes in Bad Segeberg kennt man Shahrokh und Somayeh gut. „Sie sind von Anfang an zum Gottesdienst gekommen.“  Bonkowski und Kirchenvorstand Reinhard Gertz machten sich zunehmend Sorgen um Somayehs Gesundheit.

Alle Kosten des Kirchenasyls muss die Gemeinde tragen

Bonkowski und Gertz waren schließlich überzeugt, handeln zu müssen. Kirchenasyl sei für so eine kleine Gemeinde eine große Herausforderung. Sie muss sämtliche Kosten des Asyls tragen. Trotzdem hätten alle Mitglieder der evangelischen Freikirche die Entscheidung mitgetragen. Binnen zwei Tagen wurde ein Raum im Jugendhaus zur Wohnung für das Paar umfunktioniert. Helfer spendeten Möbel. Dann wurden die beiden  geholt.

Seit diesem Tag vor knapp vier Monaten durften Somayeh und Shahrokh das Kirchengelände nicht verlassen. Mehr als ein Dutzend Helfer organisierten das Asyl, kauften regelmäßig für die beiden ein, organisierten Beschäftigung für das Paar. „Es ist schön zu sehen, wie die Gemeinde daran gewachsen ist“, freut sich Bonkowski. Es gab gemeinsame Kochabende im Haus und Deutschunterricht. Am 6. Juni ist die Frist für eine mögliche Abschiebung nach Italien abgelaufen. „Nun müssen sie das deutsche Asylverfahren durchlaufen“, sagt Gertz.

Vorbehalte gibt es von Behördenseite

Gegen diese Praxis des Kirchenasyls gibt es aber auch Vorbehalte. Das Innenministerium hat die Kirchen aufgefordert, verantwortungsvoll mit dem Kirchenasyl umzugehen. In Schleswig-Holstein waren bis Anfang Juni 34 Kirchenasyle mit 78 Betroffenen bekannt – sie müssen beim Bundesamt für Migration angemeldet werden. Auch der Kreis Segeberg sieht das Verfahren kritisch: Das Kirchenasyl in Zeiten von Dublin III sei verwässert worden und werde oft genutzt um eine Frist „auszusitzen“, um eine Rücküberstellung in andere EU-Staaten zu verhindern, heißt es aus der Ausländerbehörde.

Bonkowski und Gertz  ziehen sie eine positive Bilanz: „Das Kirchenasyl war sehr erfolgreich, auch was die Integration anbelangt.“ Sie sind überzeugt, das Richtige getan zu haben.

Von Nadine Materne

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