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21-Jähriger kam glimpflich davon

Betrug im Internet 21-Jähriger kam glimpflich davon

Einhundert Stunden gemeinnützige Arbeit und Wiedergutmachung des Schadens: Eher glimpflich kam ein 21-jähriger Bad Segeberger bei seinem Prozess vor dem Jugendschöffengericht davon. Angeklagt war er wegen einer Serie gewerbsmäßiger Betrügereien über das Internet mit Hilfe seines privaten Computers.

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Vor allem im Darknet, einem schwer zugänglichen Bereich des Internets, verschaffte der 21-Jährige sich seine Informationen.

Quelle: Oliver Berg

Bad Segeberg. Die von ihm eingeräumten Delikte erfolgten vorwiegend über Ebay, wo er hochwertige Mobilfunkgeräte ankaufte und dann privat weiter veräußerte. Die mündliche Verhandlung hatte ergeben, dass der Angeklagte fremde Personaldaten nutzte, um Kontakt zu den Geschädigten aufzunehmen. Das ergaunerte Geld in Höhe von 5600 Euro sowie drei Handys muss er den Geprellten zurückgeben.

Mit dem von den Prozessbeteiligten allseits als „angemessen und sinnvoll“ erachteten Strafmaß entsprachen Amtsrichter Jochems und seine beiden Jugendschöffen dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Auch Rechtsanwalt Oliver Jürgens als Verteidiger des noch nicht vorbestraften gebürtigen Segebergers war einverstanden. Eine mögliche Geldstrafe und Verfahrenskosten wurden dem Delinquenten vom Gericht nicht auferlegt, sondern fallen der Staatskasse zur Last mit Rücksicht darauf, dass der junge Mann in Ausbildung einschließlich Bafög-Bezügen lediglich über rund 650 Euro Monatseinkommen verfügt. Davon hat er nach eigenen Angaben allein für seine kleine Mietwohnung in der Kreisstadt etwa 280 Euro monatlich aufzuwenden.

Der Angeklagte räumte die vorgeworfenen Taten in der ohne Zeugen vorgenommenen Beweisaufnahme selbst ein. Demnach hatte er im Zeitraum vom 24. November 2015 bis zu seiner vorläufigen Festnahme am 12. Februar 2016 durch die Polizei auf frischer Tat, als er drei Päckchen mit bestellten und zugesandten iPhones in einer Bad Segeberger Packstation des Unternehmens DHL zur Weiterverwendung abholen wollte, in 14 Fällen Waren über das Internet von verschiedenen Anbietern bestellt.

Das erfolgte regelmäßig in der Weise, dass er die Anbieter aufforderte, die Artikel an die von ihm benannte Packstation zu senden mit Adressen von Fremden, deren Kundendaten er sich durch Hacken ihres DHL-Accounts über das anonyme Darknet-System des illegal besorgt hatte. Über ebenfalls aus dem Darknet beschaffte Zugangsdaten zum Internet-Bezahlsystem mit PayPal-Konten löste der 21-Jährige dann jeweils die Bezahlung aus. Nach Eingang des Geldes versandten die von ihm per E-Mail angesprochenen Anbieter dann die Ware an die von ihm genannte DHL-Packstation. Kurze Zeit später erhielten die Geschädigten von Paypal eine Nachricht, dass ihr Konto gehackt sei; und die zunächst angewiesene Zahlung wurde zurück gebucht. So standen die gutgläubigen Anbieter mit leeren Händen da, während D. die Waren bereits mittels einer von ihm erworbenen DHL-Kundenkarte aus dem entsprechenden Fach der Packstation abgeholt und gegen Bargeld persönlich in seinem Umfeld weiterverkauft hatte. Das ergaunerte Geld leitetet er jeweils per Banküberweisung auf sein eigenes Bankkonto weiter. Genau 8157,69 Euro kamen so zusammen.

Zum Erstaunen der übrigen Prozessbeteiligten hatte der Verurteilte das Geld nicht angerührt, also offenbar auch gar nicht gebraucht, stellten Gericht, Staatsanwältin und Verteidiger in der mündlichen Verhandlung bei der Suche nach möglichen Motiven fest. Auf das Nachforschen des Vorsitzenden Richters nach dem Motor, der Triebfeder für seine Taten, und der Frage der Anklage-Vertreterin, warum er die Delikte begangen hatte, wenn nicht des Geldes wegen, antwortete der Bad Segeberger nur lakonisch: „Ich habe nicht nachgedacht.“ Denn Schulden hat er nach eigenen Angaben bis heute nicht.

Im Strafprozess schälte sich aus den eigenen Einlassungen des Delinquenten dann heraus, dass sein junges Leben mit dem Tod seiner Mutter 2013 aus den Fugen geraten war. Er verließ die Wohnung seines trunksüchtigen Vaters und bezog eine eigene Bleibe in der Kreisstadt, schmiss für eine ganze Weile den Schulbesuch hin und lebte so vor sich hin. Er wurde geradezu süchtig nach Computer-Spielen und verbrachte viel Zeit damit, bis er ihrer eines Tages überdrüssig war. Stattdessen begann er, sich mit speziellem PC-Programm mit dem Darknet des Internet-Systems zu befassen, wo man ohne Spuren anonym surfen kann.

Inzwischen scheint der Verurteilte durch das Justizverfahren geläutert, so die Einschätzung der Prozessbeteiligten. Der derzeit als kaufmännischer Assistent tätige junge Mann hat inzwischen den angestrebten Schulabschluss nachgeholt und strebt nach einem Praktikum nun auch das Abitur an, hielt der Vertreter des eingeschalteten Jugendamtes dem jungen Mann in seiner Prognose zugute.

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