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Segeberg Mehrheit für niedrige Windräder
Lokales Segeberg Mehrheit für niedrige Windräder
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00:41 03.09.2014
Von Detlef Dreessen
Torsten Levsen, Vorstandsvorsitzender des Investors Denker&Wulf-AG, informierte kurz vor dem Bürgerentscheid in Schmalensee über Fragen zur Windkraft.

100 Meter oder 150 Meter? Vor dieser Frage standen die Einwohner der Gemeinde Schmalensee beim Bürgerentscheid zum geplanten Windpark in Schmalensee. Die erste Frage, eingereicht von der Bürgerinitiative (BI), zielte darauf, die Höhe der Anlagen auf höchstens 100 Meter zu beschränken. 148 Kreuze wurden bei Ja gezählt, 101 bei Nein. Das ist bei allen 269 Schmalenseern, die ihre Stimmzettel abgaben, eine Zustimmung von 55 Prozent. Als das Ergebnis ausgezählt war, fielen sich einige BI-Mitstreiter in die Arme. Jürgen Bucksch, einer ihrer Sprecher, war ebenso glücklich wie überrascht. „Wir hatten damit gerechnet, dass wir verlieren.“

 Die zweite Frage lautete, ob die Gemeindevertretung ihren Weg weiter beschreiten solle, einen Windpark für bis zu 150 Meter hohe Anlagen zu planen. Das hatte die Gemeindevertretung als „Alternativfrage“ auf den Zettel setzen lassen. Hier gab es 122 mal Ja und 128 mal Nein. Die Zustimmung beträgt somit nur 45 Prozent. Bürgermeister Sönke Siebke, der für 150 Meter hohe Anlagen plädierte, war von dem Ergebnis enttäuscht. Er bezeichnete das deutliche Votum als „Empfehlung aus dem Dorf“. Die Gemeindevertretung müsse jedoch nach Gesichtspunkten wie Wirtschaftlichkeit und Privilegierung entscheiden.

 Von den 436 Schmalenseer Bürgern waren 378 bei der Abstimmung teilnahmeberechtigt. Von ihnen machten 269 ihre Kreuze, 49 von ihnen vorab per Briefwahl. Das entspricht einer Beteiligung von gut 71 Prozent.

 Die Stichfrage spielte in der Bewertung keine Rolle mehr; sie war angefügt worden für den unwahrscheinlichen Fall, dass sich die Ergebnisse zu den beiden ersten Fragen widersprechen.

 Bindend sei der Bürgerentscheid nicht, hatte Leitender Verwaltungsbeamter Dirk Peter Bünn vom Amt Bornhöved schon zuvor klar gestellt. Es sei lediglich ein Stimmungsbild, das die Gemeindevertretung zur Kenntnis zu nehmen habe. Entscheidender seien die Rechtsvorgaben zum Bau von Windenergieanlagen. Und die sähen vor, dass Investoren das Recht haben, Windparks zu errichten, die wirtschaftlich arbeiten können.

 Kurz vor der Abstimmung hatte der Investor noch mal für seine Seite geworben. Torsten Levsen, Vorstandsvorsitzender der Denker & Wulf-AG, sagte mit Hinweis auf ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten, Anlagen bis 100 Metern Höhe seien in Schmalensee nicht wirtschaftlich zu betreiben. Zu dieser Informationsveranstaltung am Freitag im Gemeindesaal waren 100 Zuhörer gekommen.

 Auswirkungen bei Schattenwurf und Lärm seien nicht gravierend anders, so erfuhren die Zuhörer, ob auf Schmalenseer Gebiet fünf Anlagen mit einer Höhe von 150 Metern ständen oder 20 mit einer Höhe von 100 Metern. Fünf weitere Anlagen würden ohnehin nebenan auf Terrain von Stocksee und Damsdorf gebaut.. Einziger wirklicher Unterscheid sei, dass die hohen Türme nachts beleuchtet sein müssen, die 100 Meter hohen nicht.

 Nicht beruhigen konnte Levsen die Zuhörer, die sich wegen einer Belastung durch Infraschallwellen Sorgen machen. Diese sind für den Unternehmer gemäß der Genehmigungsvorschriften jedoch nicht von Bedeutung.

 Dass die Anwohner der Windkraftwerke belastet werden, sei keine Frage, gab Levsen zu. Er sei daher zu Kompromissen bereit. In welche Richtung diese gehen könnten, wollte er jedoch am Freitag nicht sagen.

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