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Segeberg Der Wachtelkönig soll der A20 weichen
Lokales Segeberg Der Wachtelkönig soll der A20 weichen
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20:27 14.03.2019
Von Uwe Straehler-Pohl
Zwei Wachtelkönig-Paare brüten in Mönkloh ausgerechnet dort, wo die A20 hin soll. Quelle: dpa
Borstel

Borstels Bürgermeister Ulrich Badde hatte Diplomingenieur Mario Schönherr von der Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) zu einer Gemeindevertretersitzung eingeladen. Die Deges ist mit der Planung der A20 beauftragt. Tagen die Gemeindevertreter des 130-Einwohner-Dorfes üblicherweise unter sich, lockte das Thema diesmal auch Zuhörer aus der Umgebung an. Bürgermeister Badde wollte Klarheit darüber haben, ob die Fläche westlich der Bahntrasse Hamburg – Kiel von der Deges noch benötigt werde.

In einem Abschnitt der geplanten A-20-Trasse, der sich von der A7 bei Bad Bramstedt bis zur westlichen Kreisgrenze erstreckt, sind zwei Brutpaare des Wachtelkönigs entdeckt worden. Um die Autobahn trotz des streng geschützten Vogels bauen zu können, soll die Fläche bei Borstel aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen und so gestaltet werden, dass die Brutpaare im Idealfall dorthin übersiedeln. Die Gemeindevertretung hatte der Schaffung dieser ökologischen Ausgleichsfläche unlängst zugestimmt. 

Windkraftanlagen und Wachtelkönig vertragen sich nicht

Aber es gibt auch noch einen anderen Interessenten: Auf Umwegen hatte Borstels Bürgermeister erfahren, dass die Firma Trave Erneuerbare Energien Interesse an der Ausgleichsfläche hat. Unternehmensziel der GmbH ist es, Windparks in Norddeutschland zu planen und zu betreiben. Die hat offenbar Flächen im Raum Borstel/Brokstedt ins Auge gefasst, um dort weitere Windkraftanlagen zu errichten. Sie müssen jedoch einen Mindestabstand von 1500 Metern zu Brutnestern von Wachtelkönigen haben. Würden sich also, wie von der Deges geplant, bei Borstel tatsächlich Wachtelkönige ansiedeln, wäre die Region für Windkraftanlagen tabu.

Schönherr blieb als Projektverantwortlicher für den Abschnitt der A20 eine konkrete Antwort schuldig, ob er sich einen Flächentausch vorstellen kann. Windenergie sei wichtig, befand er, aber wenn es zum Tausch komme, müsste die Trave GmbH eine zertifizierte Ausgleichsfläche anbieten.

Jäger sind wenig begeistert

Gegenüber der Segeberger Zeitung betonte Schönherr, er sei durchaus bereit, mit der Gemeinde Borstel im Gespräch zu bleiben. „Ich habe den Eindruck, dass der Wachtelkönig in Borstel nicht unbedingt erwünscht ist“, so der Deges-Ingenieur. In der Gemeindevertretersitzung hatten Besucher beklagt, dass die Existenz des Wachtelkönigs die Jagd einschränke. Der seltene Vogel darf nämlich nicht durch Jäger aufgeschreckt werden.

Und eine weitere Frage blieb in der Zusammenkunft im Feuerwehrhaus ebenfalls offen: Was ist, wenn der scheue Vogel den Umzug nach Borstel ablehnt? Die Wachtelkönige können nicht einfach eingefangen und an anderer Stelle wieder ausgesetzt werden. Was bliebe, wäre eine Vergrämung vor der Brutzeit mit ungewissem Ausgang. 

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