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Segeberg Die dickste Dorfchronik mit 1216 Seiten
Lokales Segeberg Die dickste Dorfchronik mit 1216 Seiten
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05:55 29.07.2013
Von Patricia König
Der Chronist Jörg Reimann und sein 1216 starkes Werk, an dem er acht Jahre intensiv gearbeitet hat. Die Chronik erscheint in einer Auflage von 500 Stück.
Wittenborn

Am Sonnabend stellten die Gemeinde und Reimann 60 Besuchern das imposante Buch in Studt’s Gasthof vor.

 Es dürfte die umfangreichste Ortschronik sein, die es im Kreis Segeberg gibt, sagt Karl-Michael Schröder, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins im Kreis Segeberg, der SZ. Viele Gemeinden hätten mittlerweile derartige Rückblicke: „Sie sind da sehr rege.“

 Reimann überrascht in seinem Werk mit so manchen Informationen. So sei vor einigen Jahrzehnten fast mal eine Bahntrasse von Bad Segeberg über Wittenborn nach Bad Bramstedt gebaut worden. An dem Projekt wollten sich die Wittenborner damals aber nur beteiligen, wenn dafür ein Bahnhof im Ort gebaut würde. Das Vorhaben scheiterte. Auch längst vergessene alte Kinderspiele aus dem Dorf werden beschrieben, wie Pickpahl, Messerstich und Hackappel.

 Jörg Reimann, der lange Schulleiter an der Grund- und Hauptschule Wittenborn war und später das Schulzentrum Leezen leitete, lebt seit 1966 mit Frau Lilo in Wittenborn. Schon früh sei in ihm die Idee gereift, sagte er, Dokumente und Ereignisse über den Ort zu sammeln, um später einmal alles aufzuschreiben.

 Konkret wurde es, als 2006 Vogelschießenverein und Feuerwehr Jubiläen feierten und er zusammen mit einem Team die Festschrift erstellte. „Damals fragte ich Jörg Reimann, ob er sich vorstellen könne, eine Chronik über Wittenborn zu verfassen“, sagte der frühere Bürgermeister Gert Petzold in seiner Lobrede. Reimann habe geantwortet: „Lass mich erst einmal meinen Schuldienst zu Ende machen.“ Doch ein Jahr später begann Reimann mit der Recherche - allein. „Alle Versuche, ihn dazu zu bewegen, das in einem Team zu bewerkstelligen, waren sinnlos“, sagte Petzold. Der ehemalige Schulleiter habe sich an die Arbeit gemacht, „mit Hartnäckigkeit und Akribie“.

 „Im Herbst 2012 war ich mit der Chronik fertig“, erklärte der Autor. Alle Seiten der sechs prall gefüllten Ordner hatte Reimann zunächst handschriftlich verfasst. Die Texte in ein Computersystem übertrugen Tochter Cordula Wetzel und Birga Lange, die Frau des jetzigen Bürgermeisters Thorsten Lange. „Die Wintermonate hinüber habe ich Seite für Seite überschrieben“, erzählte Birga Lange. In die feine kleine Handschrift des Autors habe sie sich schnell eingelesen. Nur die schwierigen Passagen über die ehemaligen Landstellen in Wittenborn wurden einer Agentur zur Bearbeitung übertragen. Bei der Auswahl der Bilder half Jörg Reimanns Ehefrau Lilo.

 Bis zum Druck gab es dann laut Petzold noch „einiges Kopfzerbrechen“, Denn Jörg Reimann habe gekämpft, dass „dieses und jenes“ noch in die Chronik aufgenommen wird. So wurden aus geplanten 756 Seiten fast doppelt so viel. „Du darfst stolz darauf sein, was du für Wittenborn geleistet hast“, dankte nun Petzold dem Autoren.

 Jörg Reimann blieb bescheiden. Ein dickes Buch sei nicht unbedingt ein gutes Buch. Dummheit und Stolz wüchsen bekanntlich auf einem Holz. „Ich hoffe, dass so mancher böse Gedanke nun vergessen ist, so nervig ich auch war.“ Es sei eine „anregende Herausforderung“ für ihn gewesen, Dokumente zu entschlüsseln und zuzuordnen. Als Dank erhielt er das erste Exemplar und von Bürgermeister Thorsten Lange unter anderem Reise- und Benzingutscheine.

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