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Segeberg Ehrenamtliche schützen die Osterau
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05:50 05.04.2013
Von Einar Behn
Die Osterau bei Bad Bramstedt. Quelle: Einar Behn
Bimöhlen

Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Flintbek hat mit dem Bündnis Osterautal einen Betreuungsvertrag geschlossen, der zunächst für drei Jahre gilt. Damit kann der seit Jahren geplante Vertragsnaturschutz, der auf die Mitwirkung der Einwohner setzt, nun verwirklicht werden.

 Geschützt ist die Osterau zwischen Heidmühlen und Bad Bramstedt schon seit 2002. Sie wurde von Brüssel als „Natura 2000“-Gebiet ausgewiesen. Seitdem darf nichts mehr unternommen werden, was der Osterau und ihren Ufer ökologisch schadet. In den letzten Jahren wurde bereits einiges getan, um das Gewässer aufzuwerten. So sind mittlerweile alle Stauwehre entfernt worden, die vor allem für Kleingetier ein unüberwindbares Hindernis darstellen. „Seitdem sind auch wieder deutlich mehr Fische in der Osterau“, weiß Wolfgang Detlefsen vom Landesamt für Umwelt aus Gesprächen mit Anglern. Die Hamburger Stiftung Aktion Kulturland kaufte mit Landes- und EU-Geldern 120 Hektar Land auf, um es zu renaturieren.

 Das europäische Recht galt es in nationales umzusetzen. Scharfen Protest aus der Region gab es, als das Osteraugebiet per Verordnung unter Naturschutz gestellt werden sollte. Vor allem die landwirtschaftliche Nutzung wäre damit extrem eingeschränkt worden. Der damalige schleswig-holsteinische CDU-Umweltminister Christian von Boetticher schlug schließlich einen Kompromiss vor: den Vertragsnaturschutz. Landbesitzer, Jäger, Angler, Naturschutzverbände sollten sich vertraglich verpflichten, am Naturschutz mitzuwirken und ihn auch selbst mitzugestalten. Das Bündnis Osterautal als Unterabteilung des örtlichen Gewässerpflegeverbandes wurde ins Leben gerufen. Dessen Vorsitzende, Hans Kröger aus Heidmühlen, zugleich auch Vorsitzender des Gewässerpflegeverbandes Osterau, und Christian Steib von der Stiftung Aktion Kulturland unterzeichneten nun mit dem Leiter des Landesumweltamtes Dr. Thomas Holzhüter den Betreuungsvertrag. Er gilt zunächst für drei Jahre, wird aber, falls er nicht gekündigt wird, jeweils um sechs Jahre verlängert. Als örtliche Betreuer werden in dem Vertrag Angelika Jensen, Hans Kröger (beide Heidmühlen), Thomas Humfeldt (Bimöhlen) und Christian Steib genannt.

 Wie der Landesamtssprecher Detlefsen berichtete, ist es Aufgabe der Betreuer, die Osterauniederung „im Blick zu behalten“. Sie sollen beispielsweise auf Kontrollgängen Müll aufspüren, aber auch Vegetation und Tierwelt beobachten, und dem Landesamt jährlich Bericht erstatten. Zudem sei es Aufgabe der Betreuer, dem Landesamt „notwendige Maßnahmen“ vorzuschlagen. Wenn beispielsweise biotopfremde Pflanzenarten sich ausbreiten und heimische Flora verdrängen, sollten die Betreuer Gegenmaßnahmen entwickeln. Auch sollen sie dem Landesamt mitteilen, wenn landwirtschaftlich genutzte Flächen zum Verkauf stehen. Sie könnten dann, je nach Finanzlage, aufgekauft und renaturiert werden, erläuterte der Sprecher der Flintbeker Behörde. Das Landesamt setzt dabei auf „die gute Ortskenntnis“ der Betreuer. Auch ein Managementplan wurde bereits gemeinsam mit dem Bündnis Osterautal erstellt. Darin ist eine Vielzahl von Maßnahmen aufgeführt, an deren Verwirklichung die Betreuer mitarbeiten sollen.

 Die Einschränkungen für Einwohner und Nutzer einzuhalten, geschieht bei diesem Vertragsnaturschutz allerdings weitgehend auf freiwilliger Basis.

 Das Kanufahren ist in dem Schutzgebiet weiterhin möglich. Detlefsen erklärte, nur noch zwischen Bimöhlen und Bad Bramstedt sollte gepaddelt werden. Mit den örtlichen Kanuverleihern und den Kanuten des Bimöhler Sportvereins sei vereinbart worden, dass die Boote nur noch bei hohem Wassserstand auch östlich von Bimöhlen eingesetzt werden. Ein Pegel im Bimöhler Ortsteil Weide gebe darüber Aufschluss. Hinweistafeln stehen dort bereits. Eine rechtliche Handhabe gebe es aber nicht, erläuterte Detlefsen. Auch die Landwirtschaft werde nicht beschränkt. Die Osterau müsse zudem ihre Funktion als Vorfluter weiter wahrnehmen können, Kanalisationseinläufe dürften nicht unter Wasser geraten. Der Pflegeverband müsse deshalb für einen steten Wasserabfluss sorgen. „In die Au gestürzte Bäume werden aber nicht entfernt“, sagte Detlefsen, Kanufahrer müssen sich also auf einige Hindernisse einstellen.

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