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Segeberg Einspruch gegen Erdöl-Erkundung
Lokales Segeberg Einspruch gegen Erdöl-Erkundung
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07:00 14.08.2014
Von Einar Behn
Mit solchen seismischen Vibratoren können Erdölvorkommen aufgespürt werden. Quelle: Siegfried Sensch
Bad Bramstedt

Aufsuchung bedeutet in diesem Zusammenhang, dass zunächst nur ermittelt wird, ob Bodenschätze vorliegen; deren Förderung erfordert weitere Genehmigungen. Dass es überhaupt die Möglichkeit gibt, gegen die Aufsuchungserlaubnis Widerspruch einzulegen, wurde auf der Gründungsveranstaltung der Bürgerinitiative „Frackingfreies Auenland“ in Brande-Hörnerkirchen in der letzten Woche bekannt. Ein Experte machte die anwesenden Kommunalpolitiker darauf aufmerksam, dass die einjährige Einspruchsfrist kurz vor dem Ablauf steht. Sie endete am Dienstag.

 Der Nützener Gemeindevertreter Siegfried Sensch von der Wählergruppe PLN (Positiver Lebensraum Nützen/Kampen) konnte in letzter Minute die Bürgermeister im Amt Kaltenkirchen-Land überzeugen, Rechtsmittel einzulegen. Sie beauftragten damit den Diplom-Physiker und Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Mecklenburg aus Pinneberg), der den Widerspruch mit unzureichender Beteiligung der Gemeinden am Genehmigungsverfahren begründete und inhaltlich auf die Gefährdung des Grundwassers durch Erdölbohrungen verwies.

 Bad Bramstedts Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach, selbst Rechtsanwalt, setzte sich ebenfalls am vergangenen Wochenende an seinen Schreibtisch und formulierte ein Widerspruchsschreiben, das er gerade noch fristgerecht nach Clausthal-Zellerfeld schickte. Kütbach glaubt allerdings nicht, dass sein Schreiben zur Zurückziehung der Aufsuchungserlaubnis führt. „Die Frage ist, ob kreisangehörige Gemeinden überhaupt ein Widerspruchsrecht haben. Wir wurden auch nicht aus Clausthal-Zellerfeld über die Aufsuchungserlaubnis informiert, sondern nur der Kreis Segeberg. Ich hoffe aber, dass wir das Bergamt damit veranlasst haben, uns künftig zu informieren. Wir werden dort vielleicht etwas ernster genommen“, so Kütbach.

 Unterdessen sorgt das kanadische Unternehmen selbst für Diskussionen, weil es behauptet, überhaupt nicht das umstrittene Fracking anwenden zu wollen, bei dem mit Chemikalien und Druck Kohlenwasserstoffe in tiefen Schichten gelöst werden. Anders als bisher auch von den Behörden berichtet, sollen lediglich alte Bohrungen wieder aufgemacht werden. Davon gibt es zwischen Brande-Hörnerkirchen und Boostedt eine Vielzahl. Bis in die 1980er Jahre hinein wurde von der DEA, später Texaco, in der Region Erdöl gefördert. Hier liegt ein etwa drei Kilometer dicker Salzstock, an dessen Rand sich Erdöl gebildet hat.

 Aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch wegen der noch nicht vorhandenen technischen Möglichkeiten, war die Förderung eingestellt worden. Geologe Sensch geht davon aus, dass 60 Prozent des Ölvorkommens nicht gefördert wurden. „Heute gibt es deutlich verbesserte Methoden, das Öl zu gewinnen, und genau das will PRD Energy“, so Sensch.

 Der Fachmann in Sachen Ölförderung hält aber diese Methoden ebenfalls für gefährlich. Bei den Bohrungen werde Sole gefördert, die dann unter hohem Druck durch ein zweites Bohrloch wieder ins Erdreich gepresst wird. Dadurch wird das Erdöl nach oben gedrückt. „Aber was ist, wenn das Salzwasser ins Grundwasser gelangt ? Da bekommen Sie es nie wieder raus“, so Sensch. „Und wenn erst einmal gebohrt wird und die Solemethode nicht das gewünschte Ergebnis bringt, wer kann dann noch kontrollieren, ob nicht doch Fracking angewendet wird ?“, gibt der Nützener zu bedenken. Er vermutet zudem, dass nicht nur alte Förderlöcher reaktiviert werden, sondern auch neue hinzukommen. So sei damals beispielsweise auch in Heidmoor und Mönkloh nach Öl gebohrt, aber nicht gefördert worden, weil es sich nicht gelohnt habe. Die Bohrlöcher seien mit Beton geschlossen worden und heute überwachsen. Hier könnten nun neue Untersuchungen angestellt werden, die dank moderner, effizienterer Technik dann auch zur Erschließung der Erdölvorkommen führen.

 Bei der erteilten Aufsuchungserlaubnis gehe es nicht nur um das Abstecken sogenannter Claims, also der Sicherung des Gebietes, meint Sensch. Nach seinen Worten hat PRD Energy das Recht zu umfangreichen Untersuchungen erworben. Mit Hilfe von großen Rüttelmaschinen, sogenannten seismischen Vibratoren, könnten Daten erhoben werden, die Rückschlüsse auf Erdölvorkommen erlaubten. „Wenn eine solche Maschine an einem Haus vorbeifährt, wackeln die Schränke“, sagt Sensch. Wo die Maschinen nicht fahren können, seien auch Sprengungen erlaubt. Außerdem beinhalte die Aufsuchungserlaubnis, nicht nur die Möglichkeit, sondern sogar die Verpflichtung zu zwei Probebohrungen.

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