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Bad Segeberg

Erschütterndes Cyber-Mobbing

Von Michael Stamp

Zwei Fälle von Cyber-Mobbing erschüttern das Städtische Gymnasium in Bad Segeberg. Beiden Tätern droht nun der Schulverweis.

Bad Segeberg. Ein Zehntklässler hat mit einer gefälschten Facebook-Seite Rufmord an einem Lehrer betrieben, und ein etwa gleichaltriger Jugendlicher hat Nacktfotos und -videos einer minderjährigen Schülerin ins Internet gestellt.

 „Es wird in der kommenden Woche einen Klassenkonferenzbeschluss geben“, kündigte Direktor Frank Ulrich Bähr im Gespräch mit der Segeberger Zeitung an. Möglicherweise werden anschließend die Lehrerkonferenz und das Bildungsministerium eingeschaltet.

 Bereits vor einigen Wochen hatte ein Schüler einer 10. Klasse Schüler eine Facebook-Seite gestaltet, auf der er sich als Lehrer des Städtischen Gymnasiums ausgab. Dieser Pädagoge hatte davon – natürlich – keine Ahnung. Auf der Plattform des sozialen Netzwerkes wurden anschließend jede Menge beleidigende und schmähende Einträge über den Lehrer verfasst.

 Allzu lange blieb der Vorgang erwartungsgemäß nicht verborgen. Oberstufenschüler des Gymnasiums stießen auf die seltsame Facebook-Seite und informierten die Schulleitung. Über die IP-Adresse des Computers, von dem aus die Seite eingerichtet wurde, kam die Polizei dem Urheber auf die Schliche.

 „Die betroffene Lehrkraft hat Anzeige erstattet“, teilt Direktor Bähr nun in einem Elternbrief mit. „Es wurden polizeiliche Ermittlungen aufgenommen, schulische Maßnahmen sind in Vorbereitung.“ Es habe am Gymnasium eine „enorme Empörung und heftige Diskussionen“ gegeben. Bähr: „Nach Informationen des Bildungsministeriums und der Kriminalpolizei nehmen solche Fälle derzeit erheblich zu.“

 Wie wahr diese Einschätzung ist, erfuhr das Gymnasium schneller, als ihm lieb war: Ein anderer Schüler einer 10. Klasse fiel ebenfalls durch Cyber-Mobbing auf. Nach Informationen der Segeberger Zeitung hatte eine Schülerin der Richard-Hallmann-Schule in Trappenkamp, einer Integrierten Gesamtschule, einige sehr offenherzige Fotos und Videos von sich hergestellt. Die Bilder zeigen die Schülerin nackt – und der Akt der Selbstbefriedigung wurde filmisch festgehalten.

 Das brisante Bildmaterial schickte die Schülerin auf elektronischem Weg an den Bad Segeberger Gymnasiasten. Er verteilte das Material offenbar zunächst im Freundeskreis – und wenig später fanden sich Bilder und Video im Internet wieder. Ob der Schüler die Dateien dort selber gepostet hat oder ob einer seiner Kumpels das schmutzige Material der Weltöffentlichkeit präsentierte, wird derzeit noch untersucht.

 „Auch dieser Fall hat in der Schule zu Empörung und Entsetzen geführt“, betont Direktor Bähr. „Wieder wurde Anzeige erstattet, die Polizei ermittelt, schulische Maßnahmen sind in Vorbereitung.“

 Die Konsequenzen können hart ausfallen. Laut Paragraph 25 des Schulgesetzes steht dem Gymnasium eine ganze Reihe von Alternativen zur Verfügung. Einfachste Form der Strafe wäre ein schriftlicher Verweis. Allerdings sind auch ein Ausschluss vom Unterricht für maximal 14 Tage sowie ein längerfristiger Ausschluss von außerschulischen Veranstaltungen wie Klassenfahrten, Festen und Sportveranstaltungen denkbar.

 Ebenso kann über die Versetzung der betroffenen Schüler in einer Parallelklasse nachgedacht werden – und schließlich bleibt der Schulverweis. „Das ist zumindest eine Option“, sagt Bähr. Diese schärfste aller Sanktionen wird in der Regel aber nur bei Schülern eingesetzt, die entweder Andere mit Waffengewalt bedroht, sexuelle Übergriffe begangen oder mit Drogen gehandelt haben.

 Sollten die Verweise ausgesprochen werden, müsste nach der Klassenkonferenz eine Lehrerkonferenz zusammentreten – bevor dann das Kieler Ministerium eingeschaltet werden muss. Dort hält man die Bad Segeberger Vorgänge laut Bähr für „keinen ungewöhnlichen Fall“ – was nicht heißt, dass es Lappalien sind. Nur nehmen Delikte rund um das Internet derart stark zu.

 Neben den schulischen Konsequenzen gibt es aber noch die Strafverfolgung, auf die Direktor Frank Ulrich Bähr sehr deutlich hinweist. In Paragraph 33 des Kunsturhebergesetzes ist geregelt, dass die Veröffentlichung von Fotos und Videos anderer Menschen ohne deren Einverständnis verboten ist. Auch Paragraph 201a des Strafgesetzbuches regelt solche Verstöße. „Der missbräuchliche Umgang mit persönlichen Daten im Internet ist zu einem Problem geworden, dessen sich die Schule im Bereich der Medienerziehung, aber auch die Elternhäuser in ihrer Erziehungsverantwortung verstärkt annehmen müssen“, fordert Bähr. Am Städtischen Gymnasium will man sich mit dem Thema Medienerziehung in Zukunft stärker befassen.

 Ein an der Schule umgehendes Gerücht entkräftet der Direktor allerdings: Der gemobbte Lehrer ist zwar seit Wochen krankgeschrieben – aber das habe nichts mit dem Rufmord auf Facebook zu tun. „Da gibt es keine Ursache und Wirkung.“

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