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Segeberg Ex-Landrat feierte den 90.
Lokales Segeberg Ex-Landrat feierte den 90.
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19:00 22.07.2015
Von Gerrit Sponholz
Ex-Landrat Anton Graf Schwerin von Krosigk (Mitte) mit Ehefrau Hildegard (vorn links neben ihm), mit der er seit 64 Jahren verheiratet ist und die bald auch 90 wird. Dann feiert die Familie beide runden Geburtstage. Einige der vier Kinder mit Partnern und fünf Enkeln waren gestern dabei. Quelle: Gerrit Sponholz
Kreis Segeberg

Der Empfang fand nicht statt, „um mich zu feiern“, sagte von Krosigk, „ich wollte mich abmelden“. Und sich bedanken: „Es war mir eine Freude.“

 Dass der agile Verwaltungsjurist sich zurückzieht, wollten die wenigsten glauben. Dazu ist er noch zu aktiv. Selbst der Sturz aus der Baumkrone im heimischen Garten in Bad Segeberg, mit der Kettensäge in der Hand, hielten ihn nicht auf, berichtete Sohn Wilfried. Sofort habe sich sein Vater wieder an die Gartenarbeit gemacht, der auch die Jagd und das Segelfliegen liebe. Sein Vater sei ohnehin erstaunlich gesund. Die letzte Krankheit habe er 1942 gehabt, eine Grippe.

 Geboren wurde Anton Graf Schwerin von Krosigk am 21. Juli 1925 in Heeren (Westfalen) als eines von neun Kindern. Sein Vater war der Reichsfinanzminister (1932 bis 1945) Lutz Graf Schwerin von Krosigk. Ein angeheirateter Urgroßonkel war Karl Marx, Verfasser des kommunistischen Manifests.

 Der parteilose Jurist Anton Graf Schwerin von Krosigk begann seine Karriere bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, beim Bundesverwaltungsgericht und beim Land. Als Segeberger Landrat wurde er mehrfach im Amt bestätigt und amtierte 8888 Tage. Parallel führte er den DRK-Kreisverband. Er erhielt zwei Mal das Bundesverdienstkreuz, in unterschiedlichen Stufen. Er zählt zu den Gründungsmitgliedern der Segeberger Rotarier und gehört dem Johanniter-Orden an.

 Der Landratsposten war Graf Schwerin von Krosigks Traumberuf, sagte nicht nur Kreispräsident Winfried Zylka (CDU). Der Ex-Landrat, der immer parteilos war, sei „strenger Vorgesetzter“ gewesen, habe seine Kreisverwaltung straff geführt, mit viel Erfolg und in guter Kooperation mit dem Kreistag. Als Stichworte nannte Zylka Kreisreform, Verdoppelung der Einwohnerzahl auf 215000, Schul-, Deponie- und Sportplatzbau, Kreismusikschulgründung und Remise-Rettung. „Er versuchte immer, mit guten Argumenten zu überzeugen. Und: Er hinterließ keine Kreisschulden.“ Bis heute sei er an Debatten interessiert, kommentiere in Briefen auch schon mal die Kreispolitik.

 Rotary-Vertreter Thomas Bargemann lobte Graf Schwerin von Krosigk als ausgeglichene, methodisch denkende Führungspersönlichkeit. „Er ist fortschrittlich und doch konservativ.“ Die Rotarierrunden bereichere er gern mit Denksportaufgaben.

 Der frühere Propst Dr. Klaus Kasch schilderte den 90-Jährigen als einen Menschen, der Verantwortung verkörpere, anerkannt sei und vor allem: Immer er selbst gewesen sei. Und deshalb wohl auch immer so ein glücklicher Mensch, freute sich Sohn Wilfried. Er erzählte so manche Familienanekdote. Etwa jene, dass sein Vater 1945 als Kriegsgefangener in russischer Hand mit einer List dem Straflagermarsch nach Sibirien entging. Oder wie sein Vater ihn bat, als Künstler könne er doch mal den versehentlich ausgewaschenen alten papiernen Führerschein mit einigen Federstrichen wieder zu altem Aussehen verhelfen.

 Graf Schwerin von Krosigk wollte bei der Feier nicht viel Aufhebens um sich machen. Er dankte vielen, etwa seiner „vorzüglichen, schwungvollen Kreisverwaltung. Es war die beste im Land.“ Den 95. Geburtstag werde er nicht feiern, kündigte er schon mal an. „Das ist eine krumme Zahl“, sagte der 90-Jährige, und fügte mit schweifendem Blick über den Saal schmunzelnd hinzu: „Und ich fürchte, meinen 100. Geburtstag werden einige nicht mehr erleben.“

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