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Prof. Mojib Latif in Henstedt-Ulzburg

Experte: Klimawende ist möglich

Von Heinrich Pantel

Verheizen wir unser Klima? Auf diese Frage gab Professor Mojib Latif aus Kiel prägnante und zugleich besorgniserregende Antworten in seinem Vortrag im Ratssaal in Henstedt-Ulzburg.
Professor Mojib Latif (Mitte) mit den Gastgebern von Henstedt-Ulzburg-Marketing Manja Biehl und Uwe Gätjens.

Professor Mojib Latif (Mitte) mit den Gastgebern von Henstedt-Ulzburg-Marketing Manja Biehl und Uwe Gätjens.

© Heinrich Pantel

Henstedt-Ulzburg. Der international bekannte Klimaexperte beließ es nicht dabei, die wachsenden Gefahren zu schildern. Vielmehr ermunterte der Referent die rund 150 Zuhörer, ihren individuellen Beitrag zu einer Klimawende zu leisten.

 Der Professor macht selbst vor, wie es gehen kann: Zum Vortrag sei er mit einem Hybrid-Auto abgeholt worden und anschließend werde er mit einem Elektrofahrzeug zum nächsten Termin gefahren, berichtete Manja Biehl, Vorstandsmitglied vom gastgebenden Henstedt-Ulzburg-Marketing und in der Gemeindeverwaltung zuständig für Wirtschaftsförderung.

 „Wir tun unserem Planeten auf breiter Front weh“, konstatierte Latif eingangs – und verglich die Situation der Erde mit der eines Intensivpatienten. Es gehe ums Ganze, langfristig. Hoffnung und Ansporn zugleich gab seine Ergänzung: „Wir können noch die Kurve kriegen.“

 Ursächlich für das Klimaproblem sind die fossilen Energien. Latif: „Dabei benutzen wir unsere Atmosphäre als Müllkippe.“ Die Chinesen etwa verbrauchten Unmengen an Kohle, um bei enormen Wachstumsraten ihren stark steigenden Energiebedarf zu decken. Ähnlich sei es in Indien. Der Ausstoß von Kohlendioxid (CO{-2}) führe zu einem „Experiment mit unserem Planeten“, dessen Ergebnis ungewiss sei. Auch auf den Zusammenhang zwischen dem Klima- und Energieproblem wies der Referent hin: Die Ressourcen werden knapper, Verteilungskämpfe um die Rohstoffe nehmen zu. Diese Probleme und die Rolle der Industrienationen dabei seien seit Langem bekannt. Doch anstatt ernsthafte gemeinsame Anstrengungen zur Reduzierung des CO{-2}{--}Ausstoßes zu unternehmen, lähme man den Prozess durch gegenseitige Schuldzuweisungen.

 Immer wieder werde er gefragt, so Latif, ob der Zustand des Weltklimas tatsächlich bereits existenzbedrohende Ausmaße angenommen habe. Seine Antwort: „Wir wissen es nicht genau.“ Bekannt sei aber bereits seit dem 19. Jahrhundert, dass ein Zusammenhang zwischen einem vermehrten Kohlendioxidanteil in der Luft und dem Temperaturanstieg bestehe. Latif: „CO{-2} hat eine lange Lebensdauer. Was unsere Eltern und Großeltern in die Luft geblasen haben, ist immer noch da.“ Das Problem dabei: „Das Klima reagiert träge.“ Es könne Jahrzehnte dauern, bis die Folgen unseres Handelns zu spüren seien.

 Der Referent verwies auf den Rückgang des Eises in Arktis und Antarktis. Seitdem die ersten Satelliten im Weltraum genaue Messungen ermöglichen, sei bekannt, dass die Eisfläche an den Polen in den vergangenen dreißig Jahren fast um die Hälfte zurückgegangen sei. Zudem sei der Meeresspiegel im 20. Jahrhundert um zwanzig Zentimeter gestiegen. Ein Anstieg um einen Meter sei seiner Meinung nach auch noch zu schultern, so Latif, aber: „Die Natur kann immer noch einen obendrauf setzen.“ Als Beispiel nannte er die Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima vor eineinhalb Jahren. Auf eine Erdbebenstärke der Größenordnung 8 war man eingestellt - „es kam aber Stärke 9.“ Latifs Folgerung: „Wir haben den Respekt vor der Natur verloren.“

 Die Vision des Referenten: eine CO{-2}-freie Weltwirtschaft. Es dürfe nicht so laufen wie zum Beispiel in Spanien. Das Land gebe pro Jahr 50 Milliarden Dollar für Ölimporte aus, nutze die Unmengen an Sonnenenergie aber nicht. „Was für ein Schwachsinn“, war sein lakonischer Kommentar. Wichtig sei, dass jeder seinen Beitrag leiste, um der Klimaerwärmung gegenzusteuern. „Wenn alle etwas tun, schafft man Einfluss auf die Politik.“

 „Viele Kleinigkeiten müssen sich addieren“, meinte auch Zuhörer Michael Horstmann aus Alveslohe. Er plädierte für mehr Kreisverkehre statt großer ampelgeregelter Kreuzungen. Uwe Köhlmann-Thater, Henstedt-Ulzburger Kommunalpolitiker und zweiter Vorsitzender des Bündnisses „Erneuerbare Energien für die Region Segeberg“, sagte: „Standortgerechte, dezentrale Energieerzeugung und intelligente Netze sind genauso wichtig wie verbrauchssenkende Maßnahmen. Auch die örtlichen politischen Gremien müssen alles daran setzen, die Energiewende zu wuppen.“ Energiegenossenschaften böten den Bürgern die Möglichkeit, sich für den Umbau der Energieversorgung zu engagieren, erklärte Thomas Leidreiter vom Solarzentrum Norderstedt, das Investoren in der regenerativen Energietechnik berät. In Henstedt-Ulzburg sind 166 Genossenschaftsmitglieder an einer Bürgersolaranlage beteiligt, die mit Photovoltaikmodulen auf sechs Dächern öffentlicher Gebäude pro Jahr etwa 400000 Kilowattstunden Strom erzeugt – ohne den Klimakiller CO{-2}.

 Gastgeberin Manja Biehl befand: „Dem Referenten ist es sehr gut gelungen, den Bogen vom Klima zur Wirtschaft zu schlagen.“

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