Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Segeberg Feuerwehr mit Raketen beschossen
Lokales Segeberg Feuerwehr mit Raketen beschossen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:15 01.01.2014
Von Thorsten Beck
Nachdem Anrufer ein Feuer im Stadion gemeldet hatten, rückte die Wehr mit einem kompletten Löschzug an.
Bad Segeberg

Die Silvesterknallerei war damit zumindest für diese sechsköpfige Gruppe vorzeitig beendet. Auch wenn niemand direkt verletzt wurde, behält sich die Führung der Feuerwehr noch vor, Strafanzeige wegen Körperverletzung zu erstatten. „Sollte sich bei einem Kameraden etwa ein Tinnitus einstellen“, wie Wehrführer Mark Zielinski erklärte.

 Der Einsatz selbst verlief dagegen glimpflich. Gegen 0.25 Uhr hatten die Leitstellen von Feuerwehr und Polizei gleich mehrere Notrufe mit dem Hinweis erreicht, im oberen Teil der Arena würden Holzhütten brennen. Nach dem verheerenden Großfeuer im Frühjahr 2003 im benachbarten Indian Village reagieren die Einsatzkräfte auf solche Meldungen noch immer höchst sensibel. Die Bad Segeberger Wehr, deren Mitglieder gerade selbst mit dem privaten Silvesterfeuerwerk beschäftigt waren, rückte umgehend aus. Ihre Feuerwerkskörper ließen einige der Kameraden kurzerhand am Straßenrand liegen und sprangen ins Auto, um sich auf den Weg zur Feuerwache an der B206 zu machen. Von dort fuhr ein kompletter Löschzug, bestehend aus vier Fahrzeugen, in Richtung Kalkberg.

 Die Sorge erwies sich jedoch rasch als unbegründet: „Es konnten nur noch einige abgebrannte Feuerwerkskörper festgestellt werden“, berichtete Polizeisprecherin Sandra Mohr. Die Löschfahrzeuge parkten vor dem Haupteingang des Freilichttheaters. Die Feuerwehr eilte über das Gelände und suchte nach den gemeldeten Bränden. Diese fanden sie zwar nicht - aber plötzlich knallte es mehrfach zwischen den Rettungskräften. Auf der Aussichtsplattform des Kalkbergs stand - nur vage zu erkennen - eine Gruppe von jungen Leuten und feuerte Raketen ins Freilichttheater ab. Die Feuerwerkskörper schlugen in bunten Explosionen zwischen den Holzbänken der Tribünen ein. Feuerwehrmann Torsten Lüthje, der gerade in Block G im oberen Teil des Theaters stand und das Areal untersuchte, wurde nur um ein paar Meter verfehlt. Wenige Augenblicke später traf die Polizei ein und wurde von der Feuerwehr auf die johlenden Rowdys aufmerksam gemacht. Die Beamten eilten den stockfinsteren Kalkberg hinauf.

 Den Recherchen der Beamten zufolge hatten sich gegen Mitternacht rund zwei bis drei Dutzend Personen im Bereich der Kalkberg-Plattform versammelt. Von dort seien mehrere Raketen ins Stadion geschossen worden. Durch sie - oder mögliche Nachbrenner - dürfte auch der Feuerschein entstanden sein, der dann zu den zahlreichen Notrufen führte. Mit großem Unverständnis reagierten die Blauröcke, die zur Sicherheit noch einmal das gesamte Stadion erkundeten, allerdings auf die Böller-Attacken. Weil die sechs von der Polizei noch angetroffenen Täter allesamt unter 18 Jahre alt waren, mussten sie sämtliche Silvester-Artikel sofort abgeben. Dabei staunten nicht nur die Beamten über die großen Mengen: „Die haben da richtig was hochgeschleppt“, kommentierte auch Zielinski.

 Für den Wehrführer war der Einsatz damit allerdings noch nicht ganz beendet. Er kümmerte sich erst einmal um drei Kameraden, die nach der Alarmierung bei der Anfahrt zum Feuerwehrhaus leicht verletzt worden waren. Die Feuerwehrleute, die alle in derselben Gegend wohnen, waren kurz vor 0.30 Uhr in zwei Autos direkt hintereinander unterwegs gewesen, als sie in der Straße An der Trave einen Auffahrunfall verursachten. Der Fahrer des vorderen Wagens war kurz vor Erreichen des Jugendtreffs Mühle abrupt auf die Bremse getreten, weil er am Straßenrand jemanden hatte winken sehen. Das Bremsmanöver bemerkte der hinter seinem Kameraden fahrende Feuerwehrmann zu spät. Es kam zum Zusammenstoß, bei dem die Front des auffahrenden Wagens erheblich deformiert wurde.

 Die vom Kalkberg zurückkehrenden Kräfte kümmerten sich um die technische Hilfeleistung. Sie sicherten die Unfallstelle und entfernten ausgelaufenes Öl von der Straße. Das hintere der beiden Autos wurde mit vereinten Kräften in die Garagen-Auffahrt eines Kameraden geschoben, der dort wohnt. Alle drei Insassen wurden zur Sicherheit in die Klinik gebracht, die sie nach einer ambulanten Versorgung wieder verlassen konnten. Wichtig auch aus Sicht der Feuerwehr: Die Atemalkohol-Tests ergaben ausnahmslos 0 Promille.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige